Text über kristallines Drachenblut
“Dies ist eine Warnung an alle Pfützenseher! Meine Freundin Lyssa ist über die Schwelle gegangen, weil Leute nicht richtig zuhören. Lyssa war mal Magierin, bevor sie wegen Problemen mit der Inquisition ihre Robe gegen einen Diebeskluft getauscht ha. Wir waren eine gute Gemeinschaft: Ich mit geschickten Fingern komme überall rein. Mein Freund Rubio, der der schlauste von uns war, plante die Raubzüge und eben Lyssa mit ihren magischen Tricks, die einige Dinge möglich machte, mit denen keiner der reichen Säcke jemals rechnete. Rubio kam über Umwege an zwei Brocken kristallines Drachenblut. Das Zeug ist irre selten geworden, nicht nur weil es aus der Knochenweite kommt, sondern auch, weil man es luftdicht verpacken muss, damit es einem nicht um die Ohren fliegt. Unsere beiden Brocken wurden in Öl gelagert, was es einigermaßen sicher machte. Zumindest sagte Rubio das, bescheiden wie er ist. Wir hatten uns einen reichen Schmuckhändler oben an der Hauptstraße ausgesucht. Der hatte einen Stahlschrank mit einem fast unmöglich zu knackendem Schloss - unser letzter Versuch scheiterte daran - der aber direkt an einer dünnen Mauer stand. Unser Plan: Zwei Explosionen im Abstand von wenigen Sekunden: Die erste sprengt die Wand, die zweite ein Loch in den Stahlschrank. Narrensicher, dachten wir. Lyssa sagte noch, es sein kein Problem, Rubio bastelte eine Konstruktion: Ein Kasten, der mit Öl gefüllt wird, da kamen die Drachenblutbrocken rein. Ein Loch im Boden des Kastens konnte mit einer Schnur aus sicherer Distanz geöffnet werden, damit das Öl rauslaufen kann und die Drachenbrocken mit Luft in Berührung kommen. Wir haben es so gebaut, dass das Öl in der ersten Kammer schneller rausläuft als in der zweiten. Danach sollte Lyssa das Öl magisch entzünden, damit es schneller verdampft und der erste Brocken losgeht. Beim zweiten würde es ein paar Sekunden länger dauern, weil er ja noch im Öl eingelegt war. Die Nacht des Raubüberfalls kam und alles ging nach Plan. Wir waren sicher gegangen, dass kein Wachmann in der Nähe war. Bestechung wirkt manchmal Wunder. Wir saßen sicher im Nebenraum des verlassenen Handelshauses, hatten unsere Gerätschaft an die richtige Wand gestellt und begannen das Öl auszulassen. Alles nach Plan. Dann entzündete Lyssa das Öl und fünf Herzschläge später gab es einen großen Knall. Lyssa sprang auf, rief “los gehts” und bevor ich ihr zurufen konnte, dass der zweite Knall noch nicht geschehen war, bevor ich sie zurückhalten konnte, rannte sie los. Der zweite Knall verbeulte nur den Stahlschrank, schleuderte Lyssa aber mit so einer Gewalt gegen die Wand, dass sie sofort tot war. Rubio und ich hauten ab - wir konnten ihre Leiche nicht einmal bergen. Lasst euch das eine Warnung sein, spielt nicht mit Drachenblut herum. Hört genau hin, rennt nicht einfach los. Diese drei Sätze hätten Lyssa das Leben retten können. Macht nicht den gleichen Fehler wie sie.”
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