Bericht des Kommandanten Ered Thalmar, 9. Speertruppe
Ort: südliche Vorposten von Theneris, 26. Tag des dritten Feldzuges
Die vergangenen fünf Tage seit dem Zwischenfall mit der vierköpfigen Plänkler-Truppe verliefen ohne erneuten direkten Feindkontakt. Unsere Patrouillen wurden verstärkt, insbesondere entlang der östlichen Wege, die in Richtung des sechsten Nagels führen. Dreimal täglich wurden nun Spähertrupps in wechselnden Formationen ausgesandt, unterstützt von zwei Bogenschützen und einem berittenen Melder, um bei Anzeichen erneuter Annäherungen sofortige Warnung zu geben. Bisher keine Sichtung.
Trotzdem bleibt die Stimmung unter den Männern und Frauen angespannt, und ich verzeichne Anzeichen wachsender Unruhe. Das Gefecht vor einigen Tagen hat Spuren hinterlassen, die nicht nur in Zahlen gemessen werden können. Selbst erfahrene Veteranen sprechen mit gesenkter Stimme, wenn die Rede auf die vier Kämpfer kommt. Niemand weiß, wer oder was sie sind, und dieses Nichtwissen ist wie ein Dorn im Fleisch der Truppe.
Zunächst waren es nur Mutmaßungen: Dass die Maßlosen besondere Söldner ausgesandt hätten, dass es ein magischer Trug war oder ein misslungener Spähangriff. Doch je länger keine neuen Meldungen eintreffen, desto mehr verwandeln sich Fragen in Geschichten. Einige schwören, sie hätten in der Nacht Schritte jenseits der Wallgräben gehört, leises Knirschen im Sand, ohne dass jemand zu sehen war. Andere berichteten von Windstößen, die plötzlich und ohne Ursache kamen und wieder vergingen, als hätte jemand die Luft selbst bewegt. Zwei Mann behaupteten, am dritten Abend entfernte Fackeln in Richtung des sechsten Nagels gesehen zu haben, vier an der Zahl, starr wie stehende Sterne. Späher fanden am nächsten Morgen keine Spuren.
Ich habe diese Meldungen protokollieren lassen, doch keine konnte bestätigen werden. Trotzdem sichern sie in jedes Gespräch, jedes Lagerfeuer, jedes Kartenhaus. Meine Leute nennen die Kämpfer nicht mehr „Feinde“ oder „Plänkler“, sondern flüstern von den „Vierern“. Einer der jüngeren Soldaten gebrauchte sogar den Ausdruck „die Grenzseelen“, als würde unser Lager selbst das Ziel gewesen sein, nicht die Patrouille, die sie trafen. Ich habe ihm Schweigsamkeit befohlen, doch ich fürchte, solche Worte haben bereits Wurzeln geschlagen.
Die Nachtwachen sind aufmerksam, vielleicht zu sehr. Mehr als einmal löste ein Schatten oder eine flatternde Plane beinahe einen Alarm aus. Ich lasse zusätzliche Feuerstellen entzünden, um das Lager erhellt zu halten. Wir marschieren und patrouillieren wie gewohnt, doch jeder Schritt wirkt lauter, jede Leere im Wald schwerer.
Ich selbst kann nicht sagen, ob es nur die Erinnerung an jenen Morgen ist, die uns verfolgt, oder ob dort draußen wirklich jemand beobachtet, prüft, wartet. Das Schweigen der östlichen Wege ist unnatürlich still, als hielte etwas den Atem an.
Wir haben keinen neuen Schlag erlitten.
Wir haben nichts gesehen, nichts gehört.
Und doch, General,
habe ich das Gefühl, dass dies nicht das Ende ist, sondern nur die Zeit dazwischen.
Bericht endet.
Ered Thalmar, Kommandant der 9. Speertruppe
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