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Brief von Aloisos an Letitia

(gefunden im Sand der Ausgrabungsstätte)


Liebste Letitia,


Die Berichte aus der Heimat werden seltener. Es gibt Gerüchte, Tyram sei belagert. Ich hoffe, dieser Brief erreicht dich noch. Doch wenn sie an unser Ohr gedrungen sind, dann müssen auch die Anführer der Bewahrer darum wissen. Wir marschieren nach Norden. Es heißt, wir sollen uns auf eine große Schlacht vorbereiten.


Bruder Licarnus hat heute eine Zeremonie der Ewigkeit gehalten. Wir durften einen Blick auf die Relikte werfen, die er bei sich trägt. Nach wie vor weiß ich nicht, wie ein einfacher Feldkaplan der Ewigkeit an diese Schätze gekommen ist - und noch weniger weiß ich, warum sie nicht daheim in Sicherheit geblieben sind, sondern mit uns einem ungewissen Schicksal entgegen reisen. Aber vielleicht habe ich die Antwort bereits: Wenn Maßlose bereits nach Tyram vorgedrungen sind, dann mag Licarnus die Reliquien in Sicherheit gebracht haben, außerhalb der Berggipfel unserer Heimat.


Ganz gleich wie diese Zeugnisse unserer Geschichte zu uns gekommen sind: Ihr Anblick ist über alle Maße erhaben! Ganz gleich, ob es sich um Repliken oder die Originale handeln mag, ich zweifle nicht an ihrer historischen und spirituellen Bedeutung.

Die Ewigkeit gehört uns. Tyram ist ewig.


Licarnus erzählte uns von den Geschenken, mit den überlieferten Worten. Ich bat Licarnus, sie exakt notieren zu dürfen, damit sie mir - und dir - Zuversicht spendeten.


“O Syrene, bleiche Königin der Dämmerung,

empfange mein Wort durch die Letzte Rose.

Wie ein Blatt vergeht, so fällt mein Flüstern in die Ewigkeit.

Doch dein Ohr bleibt offen,

solange Erinnerung blüht.”


Diese Worte sollen mystische Worte des Königs Lesander sein. Mutter hat oft von ihm erzählt, kaum zu glauben, dass er jetzt über uns wacht.


“Gesegnet sei das Rückgrat der Glaubenstreue,

gebrochen sei das Rückgrat der Zweifelnden.

Ich trage deinen Verrat als Ring, Nevara,

damit mein Geist fest bleibt,

und mein Glaube allein der Ewigkeit gehört.”


Nevara, die Verräterin, die doch zur Ewigkeit gefunden hat. Eine Geschichte, die ich früher gerne gehört habe.


“Caelan, Richter ohne Stimme,

dein Schweigen war Gesetz,

dein Blick das Urteil.

Ich lege meine Stimme nieder,

damit dein Schlüssel mir den Weg weist,

den kein Wort zu öffnen vermag.”


Die Geschichten über den Schweigenden Richter waren als Kind für mich immer zu gruselig. Heute verstehe ich ihre tiefere Bedeutung: Im Schweigen liegt Wahrheit.


“Hier ruht, was nie vergehen darf.

O Caelan, Herr der Flammen,

dein Schmerz wurde Behältnis,

dein Verlust ein Gefäß.

Ewigkeit heißt: Festhalten,

auch wenn alle Glut verlischt.”


Der Flammengezeichnete Caelan war mir immer ein Vorbild - nicht nur für den Kampf, auch für die Liebe. Wenn ich sterbe, hoffe ich, dass du meine Asche bekommen und aufbewahren wirst, so wie Caelan die Asche seines Geliebten.


“Letzter Atem, erster Schleier.

Witoria, die in Nebeln schwebt,

dein Blick ist ferne -

doch dein Angesicht kehrt zurück

auf Wellen aus Rauch.

Nenn mir die Namen,

die ich vergessen habe.”


Dieses Relikt hat es mir besonders angetan. Ich bete abends oft zu St. Witoria, damit sie mir keine Träume von euch schickt. Bisher war dem so, und darum weiß ich, dass ihr noch lebt.


Ich weiß, dass meine Kameraden und Kameradinnen nicht alle so gläubig sind, aber selbst Rolandus war berührt von Licarnus Predigt. Morgen sollen wir früh antreten.


Passt auf euch auf,


Aloisos


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(Handelssprache)


A letter from Aloisos to Letitia

(found in the sand of the excavation site)


Dearest Letitia,


Reports from home are becoming less frequent. There are rumors that Tyram is under siege. I hope this letter still reaches you. But if they’ve reached our ears, then the leaders of the Keepers must also know. We’re marching north. They say we should prepare for a great battle.


Brother Licarnus conducted a ceremony of eternity today. We were allowed to glimpse the relics he carries with him. I still don’t know how a simple chaplain of eternity came into possession of these treasures - and I know even less why they didn’t remain safe at home, but instead traveled with us to an uncertain fate. But perhaps I already have the answer: If the Boundless have already advanced to Tyram, then Licarnus may have brought the relics to safety, away from the mountain peaks of our homeland.


No matter how these testimonies to our history came to us, their sight is sublime beyond measure! Whether they are replicas or the originals, I have no doubt about their historical and spiritual significance. Eternity belongs to us. Tyram is eternal.


Licarnus told us about the gifts, using the words that have been handed down. I asked Licarnus if I could write them down exactly so they would give me - and you - reassurance.


“O Syrene, pale queen of the twilight,

receive my word through the Last Rose.

As a leaf fades, so my whisper falls into eternity.

But your ear remains open,

as long as memory blooms.”


These words are said to be the mystical words of King Lesander. Mother often spoke of him; it’s hard to believe he’s watching over us now.


“Blessed be the backbone of faithfulness,

The backbone of the doubters is broken.

I wear your betrayal as a ring, Nevara,

so that my spirit remains firm,

and my faith belongs to eternity alone.”


Nevara, the traitor who found eternity after all. A story I used to enjoy hearing.


“Caelan, judge without a voice,

you silence was law,

your gaze the judgment.

I lay down my voice,

so that your key shows me the way,

which no word can open.”


The stories about the Silent Judge were always too scary for me as a child. Today I understand their deeper meaning: There is truth in silence.


“Here rests that which must never perish.

O Caelan, Lord of Flames,

your pain became a container,

your loss a vessel.

Eternity means: holding on,

even if all the embers go out.”


Flame-marked Caelan as always a role model for me - not only in battle, but also in love. When I die, I hope you will receive and preserve my ashes, just as Caelan preserved the ashes of his lover.


“Last breath, first veil.

Witoria, floating in mists,

your gaze is distant -

but your face returns

on waves of smoke.

Tell me the names,

that I forgot.”


I’m particularly fond of this relic. I often pray to St. Witoria in the evenings so that she doesn’t send me dreams about you. So far, that’s been the case, and that’s how I know you’re still alive.


I know that not all of my comrades are so devout, but even Rolandus was touched by Licarnus’ sermon. We’re supposed to set out early tomorrow.


Take care of yourselves,


Aloisos