Das Verderben
(Quelle: Bibliothek Saltwood Keep - Atteron)
Sie hatten ihn gesehen.
Nicht am Horizont - sondern über sich.
Ein Drache, gewaltig so groß, dass sein Leib den Himmel spaltete, schwarz und golden, mit Schuppen wie Rüstplatten ganzer Armeen. Und dazwischen Stellen, an denen man hindurchsehen konnte. Dort pulsierte sein Herz, verrottet, verdorben! Und jeder, der es sah, wusste: Das war kein Tier. Das war ein Fluch mit Flügeln.
Niemand kannte seinen wahren Namen. Die Wenigen, die ihn aussprechen wollten, verstummten blutend. Man nannte ihn nur: das Verderben!
Die Drachenjäger formierten sich hastig. Mutige, Wahnsinnige, Verdammte. Angeführt von jenen, die von den Maßvollen gesandt worden waren - mit einem Speer. Nicht irgendeinem Speer: Ein Artefakt. Alt wie die Welt. Verloren in uraten Zeiten. Göttlich geschmiedet und oft verloren - nun zurückgeholt mit Verlusten, die keiner mehr erzählen wollte. Ein Auftrag, der nicht mit dem Leben vereinbar war. Und alle wussten es.
Sie stellten sich dem Drachen in seiner Schneise aus Feuer. Dort, wo selbst der Stein zu glühen begann. Dort, wo der Atem des Untiers wie flüssiger Tod auf das Feld niederstieg. Und sie warteten. Mit einem Speer auf der Balliste, geschmiedet, sicherlich für genau diesen Moment. Als das Verderben über sie kam richteten sie die Waffe nach oben. Zielten auf die durchscheinende Stelle über dem Herzen. Und schossen. Der Speer traf mitten ins Herz. Ein gleißender Augenblick. Die Welt wurde still. Kein Ton. Kein Wind. Kein Leben. Dann Explosion. Druckwellen aus Magie rissen über das Schlachtfeld. Blut - rot, zäh, brennend - ergoss sich wie dämonischer Teer über Felder, Mauern, Menschen. Es fraß sich durch Fleisch und Geist. Die Luft selbst schrie. Der Drache stürzte. Tonnenschwer. Zerschmetterte alles unter sich. Die Feldpost. Die letzten Krieger. Das Leben selbst. Der Boden bebte. Ein Krater entstand. Und dann … war es vorbei.
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