Gottesdienst der Greifenbronner
Dieser Gottesdienst wurde am Freitagabend vor dem Zelt der Inquisition abgehalten. Der nachfolgende Text wurde danach an Teilnehmer ausgehändigt.
Messe zur Ordnung und zum Segen Dolvons.
Jeder bekommt vor dem Betreten des Halbkreises und der Messe einen Stein. Schwarz, weiß oder grau.
Alle Teilnehmenden stehen, der Stimmenrufer tritt hinzu.
Der Stimmenrufer breitet die Arme aus und spricht mit offenen Handflächen (wie eine Waage):
“Wir treten zusammen im Zeichen Dolvons, des stillen Richters und Wächters der alten Eide. Möge heute Ordnung in unser Tun finden, Frieden in unsere Gedanken kehren und jedes Herz zur Wahrheit stehen.”
Die Handflächen des Stimmenrufers schweben nun über der Waage:
“Tretet nun nach vorn und legt eure Sorgen, Fehler und Geheimnisse in die Waagschalen.”
Alle schreiten nacheinander zur Mitte und legen einen kleinen, gleich geformten Stein auf eine der Schalen - stellvertretend für ihre Sorgen, Fehler und Geheimnisse. Das Ablegen wird mit Punkt zum Herzen, den Lippen und der Stirn ausgeführt. Die Personen, die dies getan haben, setzen sich. Währenddessen spricht der Stimmenrufer:
“Dolvon, Du zählst nicht die Fehler, sondern prüfst das Gewicht der Wahrheit und des Maßes. Siehe, was wir Dir offenbaren - wiege uns gerecht.”
Die Gemeinde fasst sich an den Händen. Ein Zeichen der Familie, des Bundes und der Gemeinschaft. Reihum verstärken die Hände den Druck, während leise gesprochen wird:
“Die Kette des Eides hält uns, aus Schicksal und Wahl,
Gemeinsam im Licht Deiner Gerechtigkeit.”
Der Stimmenrufer nimmt die Feder auf.
“Nebokal, heiliger Greif, Kronzeuge alter Schwüre, blicke aus den Lüften. Deine Treue sei uns Vorbild. Deine Freiheit unser Schutz. Mögen nun die Stimmen erschallen und von der Wahrheit künden.”
Die Hände dürfen wieder gelöst werden.
Drei Anwesende treten nacheinander hervor und erzählen kurz von Entscheidungen, bei denen sie das Gesetz gesucht oder gebrochen haben - oder von schwierigen Fragen in Familie, Bund und Leben. Die Gemeinde schenkt jedem Erzählenden absolute Stille; nach jeder Erzählung klingt dreimal ein Glöckchen und die Gemeinde rezitiert:
“Dolvon hört - alles wird erwogen.”
Die Gebetsgeste wird erhalten und das kurze Gebet von allen gesprochen:
“Dolvon, Unbestechlicher, wandere unter uns, wie du es jedes Jahr gedenkst! Lass uns durch dich die Wahrheit erkennen, durch Dein Wort die Gerechtigkeit stiften. Gewähre uns Gnade, das richtige Maß zu erkennen, auf dass wir an Deinem Urteil wachsen und nicht wanken.”
In frohem Ton fügt der Stimmenrufer hinzu:
“Möge es uns vergönnt sein, Dolvon persönlich zu begegnen, wenn er zur Zeit des Segens wieder die sterblichen Hallen betritt.”
Alle erheben sich und die Gebetsgeste wird gelöst und jeweils zweier oder dreier Gruppen kreuzen die Arme, damit die Plätze tänzerisch getauscht werden können. Der Stimmenrufer spricht:
“Tauscht nun die Plätze, um einen anderen Blickwinkel auf die Welt und die Dinge, auf die Perspektive eures Nachbarn zu erhalten.”
Die Gemeinde wechselt einmal jeweils den Platz mit dem Nachbarn und man bleibt stehen.
Der Stimmenrufer spricht:
“Tretet nun in den Kreis und nehmt mit leichtem Herzen, um bewusst die Bürde in Ordnung zu wandeln.”
Jede und jeder nimmt einer der abgelegten Steine an sich, drückt ihn zentral gegen die Stirn, die Lippen und dann gegen das Herz - ein Zeichen, die eigene Bürde bewusst in Ordnung zu wandeln. Wenn alle einen Stein haben, spricht jeder:
“So tragen wir das Gewicht der eigenen Wahrheit, doch mit Dir, Dolvon, an unserer Seite ist es niemals zu schwer.”
Der Stimmenrufer:
“Geht in Frieden und Unbestechlichkeit, bewahrt das Maß und die Eintracht.
Im Namen Dolvons, und zu Ehren Nebokals, sei unser Bund erneuert.”
Mit einem leisen Glockenschlag endet die Versammlung.
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