Über die Voraussetzungen der sogenannten Ortsbeseelungsbindung im Kontext fragmentarischer überlieferungen
Arbeit zur Erlangung des Magustitels von Thalian Brimholz
Einleitung
Die Praxis, eine sogenannte Ortsbeseelthet in ein Artefakt - insbesondere eine
Waffe - zu binden ist nach wie vor nur unvollständig dokumentiert. Die Überlieferungen, auf die ich mich stütze, sind fragmentarisch und teilweise schwer entzifferbar, aber ich bin zuversichtlich, mit dieser Arbeit ein kohärentes Bild dieser faszinierenden, wenngleich gefährlichen, Kunstform zu präsentieren. Anhand der zusammengetragenen Fragmente aus dem Nachlass des Magus Yril Von Chaterhaim will ich untersuchen, wie ein mögliches Vorgehen bei der Bindung einer Ortsbeseeltheit aussehen könnte.
“Die Beseeltheit wird kein Gefäß wählen, das ihr fremd ist Luft schläft
nicht in Eisen, das nach Blut schmeckt Wasser zürnt dem brennenden
Holz. Was träumt, muss aus träumendem Stoff bestehen.”
Dies deutet darauf hin, dass das Material des Artefakts eine entscheidende Rolle
spielt. Eine Luftbeseeltheit - ein Wesen des Windes, der Leichtigkeit und (Vermutlich) der Unsichtbarkeit - würde zum Beispiel kein eisenhaltiges Schwert akzeptieren, insbesondere nicht, wenn dieses zuvor im Kampf verwendet wurde. Vermutlich liegt dies an einer alchemistischen Unvereinbarkeit'
“Wo sich Strömung, Erinnerung und Schwelle treffen, da beginnt das
Sprechen des Ortes. Wer hören will, muss schweigen. Wer geben will
muss fragen. Wer bindet, ohne zu lauschen, verliert den Namen.”
Ein klarer Hinweis auf die rituelle Bedeutung des Ortes Laut meiner Auswertung
handelt es sich um einen sogenannten ,sprechenden Ort” - eine Theorie die ich aus dem
Briefwechsel zwischen Meisterin Kelia und dem Geisterphilosophen Rethar abgeleitet
habe². Diese Orte verlangen nach respektvoller Annäherung und - möglicherweise –
Opfergaben in Form von Fragen?
“Die Beseeltheit prüft nicht den Körper, nicht den Mut, sondern das
Innerste Wer mit festem Willen fragt dem wird entgegnet Wer leer
fragt wird gefüllt. Wer Versteckt was er nicht verlieren will wird es
Verlieren.”
Diese Passage legt nahe, dass der Ritualleiter eine Prüfung über sich ergehen lassen
muss. Anders als bei einer einfachen Beschwörung ist hier eine Art seelische Offenlegung notwendig. Das erinnert mich stark an das Konzept der “transmentalen
Spiegelung”, das im fünften Band der Psychomantischen Resonanzlehre beschrieben
wird3.
“Dritte Gestirne fliehende Nebel Stimmen, die schweigen, Wenn man sie
ruft. Und doch Ein Schritt zur falschen Zeit und das Wasser wird leer”
Diese Zeile ist besonders kryptisch. Das dritte Gestirn“ könnte sich auf einen selten
sichtbaren Fixstern beziehen oder - wie Professor Schirmin behauptet – auf einen
metaphysischen Zustand des Geistes Sicher ist nur Es gibt bestimmte Zeitfenster, in
denen die Beseeltheit empfänglich ist Andernfalls schweigt sie - oder wird feindlich.
„Die Essenz bleibt sieben Tage. Vielleicht acht wenn der Ort gnädig ist
Doch sie geht Mit Wind mit Groll mit Stille Wer sie halten will wird
gehalten"
Hiermit ist die Begrenztheit der Wirkung gemeint. Eine gebundene Waffe bleibt nur
für sieben Tage magisch aufgeladen. Ich vermute, dies hängt mit der Erschöpfung der
Bindungslinien zusammen, oder dem Widerstand der Essenz selbst gegen längeres
Eingesperrtsein. Die letzte Zeile - ”Wer sie halten will, wird gehalten" - könnte
metaphorisch sein, vielleicht aber auch wörtlich gemeint..
“Das Gefäß flüstert. Der Ort spricht. Der Binder schweigt. Nur so kann
die Bindung singen.”
Diese poetische Zusammenfassung (ich vermute ein späteres Fragment) legt nahe, dass
die drei Komponenten - Waffe, Ort, Ritualleiter - in einem Zustand der Resonanz
zueinander stehen müssen Wie genau die Bindung zu “singen” beginnt, ist allerdings
unklar. Ich nehme an, es handelt sich dabei um einen akustischen Effekt.
Zusammenfassend lässt sich sagen. Eine Ortsbeseeltheitsbindung ist ein komplexes
Ritual, das tiefes Verständnis. Harmonie und emotionale Hingabe verlangt. Die
Fragmente legen nahe, dass es sich nicht um einen kontrollierbaren, sondern um einen
vrhandelbaren Prozess handelt. Die Waffe ist nicht das Ziel, sondern ein Mittler
Die Ortsbeseeltheit - keine Ressource, sondern ein Verhandlungspartner.
Nachwort
Ich hoffe, dass meine Analyse der Fragmente zur weiteren Diskussion in der Fakultät beiträgt. Zwar sind einige Details noch unklar (z. B. Was passiert, wenn das
Gefäß “träumt”), aber mit mehr Zeit und Forschungsbudget5 bin ich zuversichtlich
auch das noch herauszufinden.
Fußnoten
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Siehe auch. Über metallurgische Disharmonien in der Luftmagie” Jurnas et al, Alchemistische Blatter Bd XI
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Quellen unklar. Briefe wurden bei einem Flohmarkt in Alt-Chaterhaim erworben
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Möglicherweise ausgedacht Ich habe den Band nicht gefunden, aber mein Zimmergenosse Lethan hat ihn mal zitiert
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Nicht auszuschließen, dass Professor Schirmin unter dem Einfluss von Glühmooswein stand
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Antrag zur Forschungsförderung ist in Bearbeitung. Habe den Verwendungszweck “Träumendes Eisen” genannt
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