Briefe von Krontor Mathetes
(nummeriert in Altmitrasperani oben)
(Gemeinsprache/ Kommentare: Altmitrasperani/Eliondar)
Brief 1
[Von rechts nach links und ohne Leerzeichen oder Vokale geschrieben]
Amatheia Euergetes von Keimethas,
es schreibt euch Krontor, Schüler der Nephele von der ich auch Euren Namen und einen möglichen Aufenthaltsort Eurer Person erhielt. Ich hoffe dieser Brief meiner [untertänigsten Wenigkeit] findet euch in bester Gesundheit vor und in der gnädigen Haltung einem jungen Schüler einige Momente eurer kostbaren Zeit zu gewähren, um ihn an Euren Ansichten teilhaben zu lassen.
Aufgewachsen mit den Legenden über den grossen Propheten Assil habe ich es mir selbst auferlegt, dass mein erstes wissenschaftliches Werk dem Leben und Wirken dieses einzigartigen Mannes gewidmet sein soll. Im Zuge meiner ersten Erhebungen und Sichtungen der bedauernswert ertragslosen und wenig detaillierten Quellen, stiess ich stattdessen auf den Namen der Ourania Eleutheria, hochverehrte Scholarchin der Akademie zu Allakain und schliesslich auf den Euren.
Sollte es wahr sein, dass ihr zu den wenigen noch lebenden Personen gehört, die den grossen Propheten nicht nur gehört, sondern sogar mit ihm zusammengewirkt haben?
Ich verbleibe als euer untertänigster Diener und erhoffe innig, dass ihr in eurer Güte Zeit für einen Brief oder gar ein persönliches Treffen erübrigen könnt.
Krontor
Schüler der Nephele Sophistai
Brief 2
Krontor Methetes,
mit Überraschung
Verwunderung nahm ich Euren Brief zur Kenntnis, denn ihr schreibt von Namen und Titeln, mit
denen ich zuletzt vor vielen Jahren, gefühlt einem anderen Leben, bedacht wurde. Ihr lasst mir zu viel
der Ehre zuteilwerden, denn wie Eure hochgebildete Lehrmeisterin Nephele gewiss bekannt sein
sollte muss, habe ich nicht zu den Kreisen gehört, welche so eng mit der Person Assils und seinem
Wirken verbunden waren.
Obwohl ich Euch nicht kenne, empfehle ich Euch, ein dankbareres Thema zu
suchen verstehe ich den Drang, den manchmal die scheinbar unmöglichen
Aufgaben in uns auslösen;
Das Wort, das ihr sucht, lautet Herausforderung
Viel mehr noch, als jene Wege, die eben und einfach zu beschreitn sind. Möge Euer nächstes
Werk Euch in fruchtbarere Sphären führen.
Amatheia
Brief 3
“Amatheia Euergetes von Keimethas,
Ich danke Euch für Eure offenen Worte, dennoch müsst Ihr Euren Anteil an den glorreichen Ereignissen nicht verbergen. Im Angesicht des bewegten Lebens Eurer Person mögen diese Abschnitte von geringer Tragweite erscheinen, doch erhellt jeder noch so kleine Funken der Erinnerung die Dunkelheit des Unwissens.
Mir ist vollkommen bewusst, ehrenwerte Scholarchin, dass Eure Zeit kostbar ist und ich Euch bisher wenig an Gegenleistung für die Unterstützung eines Euch vollkommen fremden Schülers offeriert habe. So erlaubt es mir, Euch einen kurzen Auszug der gelungensten Erträge meiner Arbeit zu präsentieren, als Zeichen meiner Hingabe an die Wahrheit der Wissenschaft. Eine vollständige Reinfassung meines Werkes, Eure Ergänzungen natürlich noch fehlend, habe ich diesem Brief hier beigelegt.
Das ist eine sehr [un?] Manipula[tio]n deiner Person
Schon in einer seiner ersten Reden, welche noch im Geheimen in den privaten Räumlichkeiten seiner früheren Bewunderer stattfanden, postulierte der große Prophet Assil: Die Kraft des Landes ermöglicht alles; dem Horizont sind keine Grenzen gesetzt.
Welche großartigen Fähigkeiten er besaß wird später von Magus L.I. Bardylos attestiert, wenn dieser in seiner Rede ‘Über den Anfang des Verrats’ schreibt: ‘Über die Herkunft von Assil ist nur wenig bekannt. Der zurückgezogen lebende Mystiker ließ in seinen meisterlichen Rhetoriken häufiger die Grenzen zwischen magietheoretischer Wissenschaft und von ihm konstruierter Realität verschwimmen. Nicht Unrecht haben jene, welche diese Methodik anzweifeln, doch bedenkt, wertes Auditorium, um die wirklichen Kausalzusammenhänge zu durchsuchen, konstruieren auch wir unwirkliche.
Zum ersten Mal stieß ich auf den Namen Eurer ehrenwerten Lehrmeisterin Ourania Eleutheria zu Allakain in dem Traktat ‘Worte großer Klarheit’ des S[ir?]bane aus Pelasi. Frei nach dem dritten Kapitel: Der große Prophet Assil füllte die Hohen Hallen der Akademie zu Allakain, zu dem damaligen Zeitpunkt Wirkungsort Eurer Lehrmeisterin Ourania Eleutheria. Seiner Rede lauschten einträchtig die hochgelehrten Scholares und ausgewählte Würdenträger der Stadt.’
Obwohl die hohen Hallen ein Jahrzehnt lang Ouranias Namen mit Stolz tragen durften, waren sie zu diesem Zeitpunkt bereits umbenannt worden. Man hat nach ihrem Tod nicht gezögert, alle Ehrungen zurückzunehmen, aus Angst vor einem Konflikt, der trotzdem kam.
Die Größe seines Wirkbereichs wird selbst von Hierophania, der Präzeptorin von Erebu anerkannt, ‘Selbst im Inselkönigreich Atlam sammelte der wahre Prophet Jünger um sich, welche seine Wahrheit unter den Menschen verbreiteten.’
Nein
Natürlich darf ich an dieser Stelle auch meine eigene Lehrmeisterin nicht ungenannt lassen, auch wenn es in manchen gelehrten Kreisen als schlechter Stil gilt, seine eigenen Mentoren zu zitieren. Doch wie könnte ich anders, wenn doch sie es war, die mich, neben den Geschichten meiner Kindheit, dazu inspirierte und ermutigte, die ersten Jahre meiner Forschung dem großen Propheten zu widmen. Ich möchte an dieser Stelle direkt aus ihren persönlichen - noch unveröffentlichten! -
Möge es so bleiben!
Memoiren zitieren:
Ein für mich zur Erleuchtung führender Moment mit dem Propheten Assil fand abseits seiner großartigen öffentlichen Reden statt. In einer geradezu privat wirkenden Unterhaltung erzählte er uns von seiner Erkenntnis, dass die Grenzen des eigenen Körpers und unseres Seins, welche wir bisher als unumstößlich annahmen, vielmehr Grenzen unseres Geistes waren, welche wir uns selbst auferlegt hatten. In den folgenden Nächten keimte in mir die Offenbarung, um die Wahrheit dieser in nächtlicher Stille mit uns geteilten Worten.
An anderer Stelle schreibt sie, welche Maxime er später aus dieser Offenbarung für sich und die Erwachten ableitete: ‘Aus seinem persönlichen Kontakt mit dem Kontinent, folgerte der große Prophet, dass wir das Geschenk des Landes - die aus ihr hervorgehende Magie - frei und ohne Zaudern nutzen sollten. - Jahre des Übergangs, Kapitel 1
Lesen wir nicht alle gerne anderer Leute Tagebücher
Abschließend, nicht als letztes, sondern als späteres Herzstück meiner Abhandlung, möchte ich den großen Propheten selbst zu Wort kommen lassen:
“Die Zeit mag nicht in Monden, aber in Jahren gemessen werden, dennoch kann sich niemand vollends der Wahrheit verschließen. Unberührt wie die Gestirne steht sie über uns allen. Unberührt von unseren Konflikten und unserem Geltungsdrang, führt ihr Licht uns auch durch unsere dunkelsten Tage.”
Gesprochen als Abschluss seiner Rede kurz vor Beginn der finalen Auseinandersetzung, die wir bis heute als Schlacht des brennenden Himmels bezeichnen.
Wer könnte solche Worte lesen und nicht aufs Tiefste von ihnen berührt werden?
Schöne Worte, aber Assil sprach nie in solcher Klarheit und Rhetorik. Zu Beginn der Schlacht lag er mit einem Dolch in seinem eigenen Blut.
Beiliegend findet Ihr die Zusammenfassung meiner bisherigen Arbeit. Wie zuvor verbleibe ich an dieser Stelle als Euer untertänigster Diener. Ich hoffe, dass ich mit diesem Brief hinreichend meine Hingabe unter Beweis stellen konnte und dieses frühe Werk aus der Feder eines jungen Schülers, so ungeschliffen es im Vergleich zu Eurer Erhabenheit wirken mag, Euch an vergangene, aber umso glorreiche Zeiten erinnern möge.
Krontor,
Schüler der Nephele Sophistai”
Brief 4
Krontor Methetes,
der Pfad, den Ihr beschreitet, führt Euch auf bedrohliche Irrwege. Wenn Ihr diesen Pfad weiter beschreitet, befindet Ihr Euch auf bestem Wege, ebenso zu enden wie Euer verehrter Prophet.
Euren ersten Brief nahm ich mit Verwunderung auf, nun beehrt Ihr mich direkt mit der ersten Rohfassung Eures zukünftigen Werkes. Ich habe abgelehnt, warum schickt Ihr mir das? Ist dies doch eine Ehre, die eigentlich der eigenen Lehrmeisterin zuteilwerden sollte.
Ich möchte Euch für Eure Geschicklichkeit loben, allerdings erscheint es, als wären Euch – oder den Quellen, auf welche Ihr Euch bezieht – einige Fehler bezüglich der Zuordnung unterlaufen. Manches verändert sich im Laufe der Geschichte, aber es sollte stets unsere oberste Direktive sein, die Dinge zu hinterfragen. Glaube nicht blind jedem geschriebenen Wort; Zweifelt! An dem, was Ihr lest, an dem, was man Euch erzählt. Auch an Euch selbst
Um Euch ein einfaches Beispiel vorzuführen: Die hohe Halle der Akademie zu Allakain, deren sternenverzierte Kuppel nicht zu Unrecht eine Widmung an meine Lehrmeisterin Ourania zierte, war zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Jahren unter einem anderen Namen bekannt. Sie verweilte zum Zeitpunkt der Rede, die alles andere als einvernehmlich war, nicht mehr unter den Lebenden, sondern war Teil ihrer geliebten Sterne geworden.
Meines Wissens hat sich nie eine nennenswerte Anhängerschaft Assils in Atlam geformt. Ganz im Gegenteil, sie gehörten zu seinen schärfsten Kritikern und späteren Gegnern. Nicht ohne Grund war Hierophania für die Wortgewaltigkeit ihrer Reden bekannt, nicht für deren Inhalt.
Ihr habt mich als Zeitzeugin benannt, und dies mag in einigen Fällen der Wahrheit entsprechen. Wenn ich zu anderen Dingen schweige, um Euch zu schützen so lasst Euch sagen, ich war bei der
Schlacht des brennenden Himmels zugegen und keine Seite hatte die Zeit, den Atem oder die Muße, wie auf einer Theaterbühne flammende Reden zu halten. Blut, wenn es vergossen wird, ist einfach nur rot. Es wird erst später zu Heldengeschichten.
Amatheia
Brief 5
“Amatheia Scholarchin von Keimethas,
Nun ist es an mir, überrascht zu sein, denn nach über einem Jahreslauf habe ich nicht länger mit einer Antwort Eurer verehrtesten Person gerechnet.
Ich kann freudig berichten, dass die Arbeiten an meinem Werk vorangehen, LEIDER
aber noch immer ist ein Platz darin, für Euer Wissen und Eure persönlichen Erfahrungen vorbehalten.
so plump manipuliert
Wie ich Eurem Brief entnehmen kann, verfügt Ihr tatsächlich über Wissen, das mir bisher nicht zur Verfügung stand.
aber trotzdem hat es funktioniert
Ich möchte Euch also erneut und ausdrücklich darum bitten, diese Erkenntnisse mit meiner Wenigkeit und einer zukünftigen Leserschaft zu teilen. Erneut kann ich anbieten, Euch persönlich aufzusuchen, um Euch dabei behilflich zu sein, Euer Wissen zu verbreiten. Ich merke, dass Euch das Auftreten vor größerem Publikum nicht zu liegen scheint und würde mich gerne auf diese Art und Weise für Eure Mithilfe bedanken.
in dieser Irrung steht er nicht allein
Nennt mir einen Ort und einen Zeitpunkt Eurer Wahl, ich werde dort sein.
Untertänigst,
Krontor,
Schüler der Nephele Sophistai”
Brief 6
“Krontor Methetes,
lasst ab verirrtes Kind, lasst ab von Euren Wegen und beendet Eure Suche. Es ist nicht nur der Staub
der Vergangenheit, den Ihr aufzuwirbeln versucht, es sind alte Schrecken, die Ihr wecken werdet,
wenn Ihr es in Eurem Leichtsinn nicht schon längst getan habt.
Dies ist mein letzter Brief an Euch. Unbelehrbar Unbeirrbar verfolgt Ihr Euren Weg und scheint,
obwohl Ihr um meine Erinnerungen bittet, meine Erfahrungen nicht hören zu wollen.
Euer strahlender Prophet war gewiss mit einer Gabe der Vorhersehung bedacht worden, die kein
anderes Wesen unserer Zeit besaß. Weit flog sein Geist, hoch bis zu den Sternen und hinab, bis in
die tiefste Seele des Kontinents reichte seine Gabe zu hören und zu verstehen, was allen anderen
verborgen blieb. Aber ein Verstand, der in Träumen und Visionen lebt, spricht keine klaren Worte,
versteht sich nicht auf geschliffene Reden. Verwahrlost war er! Eine hagere, zerlumpte Gestalt, die
stammelnd und die ausgemergelten Hände wringend, von jedem Tisch und aus jedem gelehrten Kreis
verstoßen werden würde.
Glaubt Ihr, junger Mann, ein solcher Träumer hätte den Funken, der schon bald als masslos geschimpft
wurde, anfeuern, füttern und heben können, bis er dereinst selbst den Himmel in Brand steckte?
Nach einem anderen Namen solltet Ihr dennoch suchen, er lautet Prutarion von Belgaroth, wenn
Ihr die Saat dieses Krieges erforschen wollt.
Doch ist mir aus Eurem letzten Brief klar geworden, dass dies nicht das Ziel Eurer Arbeit zu sein
scheint.
Versteht die Ablehnung Eurer Bitten nicht als Ablehnung Eurer Person. Ich hoffe, dass Euch noch viele Jahre der fruchtbaren Forschung, der Erkenntnis und des Schaffens bevorstehen, aber versteht, dass nicht jeder Weg beschritten werden sollte, nur weil er sich am Horizont abzeichnet.
Ein Ratschlag, den so mancher hätte beherzigen sollen.
Achtet darauf, welche Fragen Ihr stellt und vor wem, wenn Ihr sie mit einer solchen Unbeirrbarkeit verfolgt.
A.”
Brief 7
Amatheia,
Eurem Ratschlag folgend zweifle ich. An dem, was mir meine Schriften über Ourania Eleutheria's strahlendste Schülerin erzählen; über eine Frau, die dereinst voller Inbrunst es mit weitaus bekannteren und in gelehrten Kreisen hochgeachteten Rednern aufnahm. Die, nach dem tragischen Ende ihrer Lehrmeisterin und dem Ausstoß aus der eigenen Familie, weiterhin hocherhobenen Hauptes die Anfeindungen der Maßvollen an sich vorüberziehen ließ. Die lächelnd den Titel der Demagogin entgegennahm und den Leitgedanken "Wissenschaft darf alles" weit über Allakains Grenzen hinaus trug.
Ich frage mich, welche Wahrheit in diesen Berichten steckt, wenn ich hier mit einer Frau Korrespondenz halte, die engstirnig einem Jüngeren und sich selbst beweisen muss, dass sie aufgrund ihres Lebensalters mehr weiß und mehr gesehen hat, es dann aber kleingeistig vor ihm verbirgt. Für mich ist damit aber zumindest die Ablösung Eurer Person durch Präzeptorin Hierophania von Erebu in den späteren Berichten nun weitaus nachvollziehbarer geworden.
Auch wenn Ihr Euch beharrlich weigert, mir meine Bitten zu erfüllen, so danke ich Euch für die Zeit, die Ihr Euch genommen habt und die Lektionen, die mich der Kontakt mit Euch gelehrt hat. Wie Ihr es selbst geschrieben habt, es war vielleicht zu viel der Ehre.
K.
Ach Kind, ich hoffe, Du hast lange genug gehabt, um zu verstehen, wovor man Dich hier warnen wollte. Hast Du gelernt, so wie ich es tun musste, wie viel Schmerz nicht nur das Streben nach Erkenntnis, sondern auch die Erkenntnis selbst verursachen kann?
Brief 8
Amatheia Scholarchin von Keimethas,
viele Jahre sind vergangen, seitdem sich unsere Wege das letzte Mal kreuzten. Vermutlich werdet Ihr Euch an mich nicht erinnern, nahm ich doch damals als eine von vielen zu Erleuchtenden an den Lehrstunden Eurer ehrenwerten Lehrmeisterin Ourania Eleutheria und später auch Eurer Person teil. Es fühlt sich wie ein anderes Leben an, in dem ich unter der Kuppel des großen Saals saß, auf dem gemalten Himmel über uns Ouranias Diadema in Silber und Gold. Unter fremden Sternen wandeln wir nun und so mancher Pfad scheint sich am dunklen Horizont verloren zu haben.
Der Anlass, aus dem ich Euch schreibe, ist ein ähnlich trauriger. Vor einigen Jahren nahm Krontor, mein ehemaliger Schüler, zu Euch Kontakt auf bezüglich eines Werkes, welches er veröffentlichen wollte. Ich weiß nicht, ob er Euch eine Abschrift versprach, aber dieses Werk muss auf immer unvollendet bleiben, da sein Lebensweg zu früh ein Ende fand. Krontor verstarb während einer längeren Forschungsreise im letzten Winter, wir erhielten traurige Gewissheit, sobald der Schnee in den Bergen zu schmelzen begann.
Ihr mögt ihn noch weniger gekannt haben, als mich, aber er sprach vor allem zu Beginn in höchsten Tönen von Euch, weswegen ich es für richtig hielt, Euch über seinen Tod zu informieren. Möge ihn ein rasches Ende ohne Leiden ereilt haben und seine Seele den Weg zu den Sternen finden.
Die Frage ist hier doch, ob das Messer in seinem Rücken landete oder wie bei seinem verehrten Propheten im Bauch steckte. Es tut mir leid um das Kind. Es scheint die Warnungen und Zeichen in seiner Verblendung nicht rechtzeitig gesehen zu haben.
Um den Brief nicht in Trauer enden zu lassen, möchte ich die Gelegenheit nutzen, Euch nach Eurem eigenen Wohlbefinden zu fragen. Eure Spur verliert sich kurz nach dem Unglück am Konstrukt, nur selten habe ich Euren Namen noch im Zusammenhang mit diesem oder jenem Projekt gehört, aber stets wurde in der Vergangenheitsform von Euch gesprochen. Wie ist es Euch ergangen, Amatheia?
Ein wenig hatte ich erwartet, dass Ihr erneut die Rolle der Rednerin, der Politikerin und der Lehrmeisterin einnehmen würdet. Gibt es diese Tage keinen Schüler, der Euren Ansprüchen gerecht wird? Ich kann Euch gerne meine vorstellen, es wäre mir und ihnen eine helle Freude, wenn Ihr einmal zu uns kommen und eine Lehrstunde abhalten würdet. Lehrt ihr immer noch die Astronomie, wie damals an der Akademie? Die Sphärenkunde war Eurer zweites Gebiet, wenn ich mich recht erinnere, erst neulich habe ich dazu ein faszinierendes Buch von einem gewissen Horatio Dekundato Kor’zul gelesen, ist er Euch bekannt?
Flüchtig
Ich verbleibe in der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen,
Nephele Sophistai
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