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Rede Ouranias

„Vorwort

Die folgende Rede wurde für die sogenannte Grundsatzdebatte an der Akademie zu Allakain im sechsten und damit letzten Amtsjahr Ouranias als Sprecherin der Akademie verfasst. An diesem Tag ging es um die Frage, unter welches Regelwerk die Magieforschung und -nutzung gestellt werden solle. Das selbstsüchtig-maßlose Gedankengut wurde dabei durch die vernünftigen Ausführungen der Maßvollen Bewegung widerlegt, sodass die Akademieleitung in den Folgewochen ihre Mittelstreichungen - mit denen sie zum Zeitpunkt der Rede bereits prominente Maßlose wie Ourania belegt hatten - ausweiteten auf Entlassungen und Forschungsverbote. In Allakain war der Widerstand der Maßlosen zweifelsohne stärker als anderswo, sodass an diesem Tag zunächst noch keine Mehrheit für die Maßnahmen zustande kam. An dieser unnötigen Verzögerung war ganz besonders die hier präsentierte Rede mitschuldig, die ich als Lehrstück für die subversive, sich auf scheinbar allgemeingültige Werte berufende Rhetorik der Maßlosen in Allakain zu diesem Zeitpunkt abdrucken möchte. An ihr soll man im Zweifel durch wiederholtes Lesen erkennen lernen, wie allgemein positiv gewertete Begriffe und Ideale benutzt werden, um Vergehen zu beschönigen und sich selbst als Vermittler darzustellen. Der aufmerksame Leser soll bemerken, wie exemplarisch harmlose Beispiele genommen und große Verbrechen kleingeredet werden, wie die geschliffene Rede ansteckt und begeistert, bevor der analytische Verstand Zeit hatte, die Absicht hinter den Worten zu verstehen.


Gegen die Autorin der Rede - jene selbsternannte "Herrin" der Sternen- und Sphärenforschung, Ourania - hatte die Obrigkeit bereits einen Haftbefehl wegen Gefährdung der öffentlichen Meinung vorbereitet, wie wir heute wissen. Wäre sie an dem Tag aufgetreten, wäre dieser womöglich vollzogen worden - doch schickte sie an ihrer Statt ihre Vertraute und ehemalige Schülerin Amatheia ans Rednerpult, da sie selbst zu diesem Zeitpunkt bereits an den Folgen ihrer ruchlosen Selbstversuche zugrunde ging. Ein weiterer Punkt, den diese Rede elegant verschweigt - wurde Quranias Tod später zu einem großen Selbstopfer stilisiert, so fehlen hier die Klagen und Ängste anderer Schüler und Novizen, deren Lehrmeister ihre Machtposition ausnutzen, um ihnen nicht nur magische Kräfte, sondern irgendwann sogar die Gesundheit und in seltenen, skandalösen Fällen sogar das Leben zu nehmen. Woher stammt die Magie, über die hier so leidenschaftlich gesprochen wird? Was ist ihre Quelle und wer leidet unter ihrer Nutzung - darüber schweigt sich die Rede bewusst aus. Solche Verbrechen an jungen, beeinflussbaren Geistern wurden mit Versetzungen und Dienstverboten bestraft, während sie wie das hätten behandelt werden sollen, was sie waren - Mord und Totschlag.


Heute, inmitten des Krieges, können wir uns gewiss nicht erklären, warum diese Rede einen solchen Beifall fand. Der Stil Quranias wirkt verworren; durch die Langatmigkeit und die zusammengereimten Einzelheiten geht unter, wofür sie eigentlich eintreten will. Ohne die Vortragsweise ihrer bis dahin weitgehend unbekannten Schülerin hätte dieser Vortrag niemanden erreicht, so kann man sich heute sicher sein!

Als Augenzeuge muss ich zugestehen, dass Amatheias Auftreten das Publikum in den Bann schlug, obwohl sie sich zu Beginn mehrfach verhaspelte und sich sichtlich unwohl vor dem großen Saal fühlte. Noch in den obersten Reihen aber war die Inbrunst zu spüren, mit der sie die profitlosen Ansichten Quranias vertrat. Da die Argumente offenkundig niemanden überzeugen würden, verlegte sich die junge Frau auf ihre Ausstrahlung, über welche sie mehr verfügte als über politische Weitsicht. Aus gutem Hause stammend, als Tochter ehrenwerter Diplomaten hätte sie eigentlich für Quranias Rhetorik weniger empfänglich sein sollen, aber sehen wir Amatheia als Beispiel an, was passiert, wenn wir die jungen Geister nicht schützen, von denen sie selbst in ihrer Rede sprechen wird. Als ob es gälte, ihnen Verständnis zu lehren, aber wir wissen, welche Absicht sich hinter diesen Formulierungen verbirgt. Brach Amatheia selbst doch wenig später diese Familienbande und entfernte sich von der hier so angepriesenen Forschung, um sich der Politik zu widmen, an der schon ihre wesentlich erfahrenere, aber emotional zurückhaltendere Lehrmeisterin gescheitert war.


Außenstehende sagten mir hinterher, sie hätten die Rede als "Essenz Allakains" empfunden – Amatheia habe mit ihrer verzweifelten Leidenschaft ausgedrückt, wofür die Maßlosen damals einstanden. Aus dem heutigen Blickwinkel eine fragwürdige Aussage!

Den Ruf Allakains als "Hochburg" der maßlosen Ideale zu fördern, über unsere Grenzen hinweg, bewerten wir heute zu Recht als Kriegstreiberei und Moralverbrechen. Der immense Schaden, den das Ansehen der Akademie durch Maßlose wie Qurania und Amatheia erlitt, wirkt bis heute nach. Zu jenem Zeitpunkt spülte die frevelhafte Begeisterung für die Rede jedoch Silber in die Kassen – ein halbes Jahr lang lieferten wir mehr Kopien der Rede aus als jemals zuvor bei einer wissenschaftlichen Publikation. Auch wenn ich somit mitschuldig genannt werden könnte, dass dieses törichte Gerede von vielen Menschen gelesen wurde, kann ich beruhigen: Die Meisten verstanden Quranias Text ohne Amatheias Vortragsstil gar nicht, und so ging die Begeisterung jenes Tages glücklicherweise an ihnen vorbei. Stattdessen will ich sie nun erneut verlegen, um die Geister aller zu schärfen, denn Maßlosigkeit beginnt häufig im Verstand, nicht mit dem Anwenden von Magie allein.


Rede zur so genannten Grundsatzdebatte an der Akademie zu Allakain.

Wir debattieren heute über die Frage, wie viel Wissenschaft darf. Je nach Popularität der eigenen Forschung hat jeder dazu seine eigenen Ansichten und Anliegen. Jeden treibt etwas um: Angst vor Einschränkung oder ein Bedürfnis nach Sicherheit, der Stolz auf die eigene Nützlichkeit oder die Sorge, Nützlichkeit versprechen zu müssen, bevor es belastbare Erkenntnisse gibt. Wir erleben heute eine Spaltung unserer wissenschaftlichen Gemeinschaft, aber auch neue Bündnisse, nie zuvor gekannte Machtverdichtungen in Akademien und Regierungen. Wir stehen an einem Punkt von entscheidender historischer Bedeutung für ganz Sarkan. Diese Frage debattieren wir heute unter uns, und das ist notwendig. Als einzige Experten auf diesem Gebiet sind wir es, die die Maßstäbe für die Nutzung von Magie finden müssen. Äußere Beeinflussung durch diejenigen, die von unserer Forschung zu profitieren hoffen, stünde uns dabei nur im Weg. Wir brauchen und wir haben die Kraft, uns selbst zu kontrollieren, wenn wir Magie nutzen. Nur wer sich selbst kontrolliert, kann sich solchen erhabenen Mächten stellen, und dass wir dies besser können als alle anderen, beweisen wir Tag für Tag.

Es mag schwer erscheinen, überhaupt Maßstäbe für die Magienutzung zu setzen - allein das mag uns hindern, in dieser Debatte Position zu beziehen. Aber das Hinterfragen prägt ja unseren Berufsstand. Und so ist es auch niemals vergeblich und sinnlos, sich über die Wissenschaft zu streiten - sich über ihren Zweck und ihre Freiheit Rechenschaft abzulegen. Wer sich nicht selbst in seinem Tun hinterfragt, verliert die Selbstkontrolle. Wer sich nicht dem härtesten Maßstab unterwirft - der Wahrheit - und den härtesten Selbstprüfungen - den wissenschaftlichen Methoden - lädt Andere dazu ein, die Kontrolle zu übernehmen.

In eurer Eiferung über diese für uns existenzielle Frage der Magieregulierung, in eurem Trotz gegen die, die es anders sehen als ihr, und in euren Sorgen spiegelt ihr wider, was unsere Gesellschaft zutiefst fühlt: Wohin wird es mit uns weitergehen? Wie können wir noch weitermachen, wenn alles zu Ende zu gehen scheint? Um dieser Frage willen haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon immer gestritten und auch gelitten. Aber das liegt nicht in unserem Vorgehen begründet. Nur durch Fragen und Hinterfragen, Analysieren, Widerlegen oder Verifizieren können wir entziffern, was wir für unsere Zukunft brauchen. Das ist unsere vornehmliche Aufgabe als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Allakain, in Sarkan, ja in der gesamten Welt. Das ist es, was uns alle eint. Gehen wir von diesem Weg ab, sind wir nicht mehr der Wahrheit, sondern einseitigen Interessen verpflichtet. Im Fragestellen steckt die uns alle einende Hoffnung, zu einer besseren Zukunft beizutragen, wie nur wir es können!

Die Auseinandersetzung maßloser und maßvoller Magiekundiger ist heute deshalb ein Symbol für das tief empfundene Gewissen unserer Gemeinschaft. Unsere Forschung hat einen wesentlichen Einfluss darauf, wie unsere Gesellschaft die Welt sieht und versteht. Doch es scheint uns immer schwerer zu fallen, diesen Einfluss selbst zu kontrollieren. Über viele Jahre hinweg haben die Menschen unter den Verfehlungen und Anmaßungen Einzelner gelitten. Sie haben ein Bild von Wissenschaft entwickelt, das dem eines Schwarzmarkts ähnelt. Magieanwender werden als Diebe am Land beschimpft, als gewissenlose Gewinnler, bedacht nur auf den eigenen Vorteil. Der Ruf nach einer Wissenschaft, die dem Diktat der Anwendbarkeit unterworfen ist, wird oft damit begründet, dass das Volk an den Früchten unserer Arbeit beteiligt werden will. Eine fruchtlose Forschung, so der Fehlschluss, sei daher abzulehnen, weil es nichts zu beteiligen gebe. Fehlende Nutzbarkeit im Hier und Jetzt wird sogar als Raub am Gemeingut Magie dargestellt, so als verhindere die Erforschung neuer Ideen, dass sich der Gemeine satt essen kann. Solche Verzerrungen untergraben das Vertrauen in die wissenschaftlichen Methoden und Erkenntnisse in ihrer Gänze! Bald schon wird das auch jene betreffen, welche Magie "maßvoll" zu nutzen behaupten. Und letztendlich, so fürchte ich, wird man jede Nutzung von Magie irgendwann unter Strafe stellen! Was also jetzt einige vermeintlich zum Schutze der Bevölkerung durchsetzen möchten, offenbart sich allen kritisch denkenden Menschen als Erlaubnis, Teilen der Bevölkerung das Existenzrecht zu nehmen. Es bedeutet nicht nur eine Vereinnahmung der Akademien in dem, was wir lehren, sondern auch welche Fragen man überhaupt noch stellen darf. Jeder, der sich heute nicht in diese Debatte einbringt, macht sich daher mitschuldig an der Zerstörung gewissenhafter Wahrheitsfindung. Wir sehen es bereits an der Verrohung der wissenschaftlichen Debatte: Die Herren und Herrinnen Sarkans freuen sich, wenn wir uns heute mit Hass und Unversöhnlichkeit begegnen, denn eine Spaltung unserer Gemeinschaft wird nicht nur unmittelbar das Wissen für Allakains Bevölkerung begrenzen, sondern mittelbar weitreichendere Spaltungen in ganz Sarkan fördern. Unter dem Vorwand, nur noch das Nützliche und Gefahrlose zulassen zu wollen, entledigen sie sich in Wahrheit unbequemer Fragen. Der Auslöser für das ernste Zerwürfnis über die Magienutzung ist ja nicht die Meinungsverschiedenheit unter uns, sondern politisches Kalkül. Es sind die Herrscherinnen und Herrscher, die Gewalt anordnen, nicht die Akademien. Diese Gewalt bedroht uns alle, egal was wir erforschen, von Schülerin bis Meisterin, egal ob wir noch Förderung erhalten oder schon von Nebenverdiensten unser Leben bestreiten müssen. Jeder, der denken und fragen kann, wird künftig in diese Spaltung hineingezogen werden. Die Bevölkerung jedoch kann sich nicht dagegen wehren, nur wir können es. Unsere Prinzipien sind Inbegriff der Freiheit. Nicht eine einzelne Lehre macht uns wertvoll, erst recht nicht eine Anwendung, die im Hier und Jetzt gilt, aber über die folgende Generationen anders urteilen mögen. Sondern unser Prinzip der Wahrhaftigkeit, welches das einzige Gesetz ist, unter das wir uns beugen sollten. Wenn wir dieses Prinzip veräußern, nehmen wir allen in Sarkan die Chance auf Vertrauen in die Wahrheit. Daher müssen gerade wir am heutigen Tage unter Beweis stellen, dass wir fähig sind auf eine Weise zu debattieren, die nicht Krieg bedeutet. Wenn irgendjemand das kann, so sind wir es. Der Wahrheit verpflichtet, beweisen wir immer auch Mut, eines Besseren belehrt zu werden. Annahmen sind dazu da, nicht nur bestätigt, sondern gegebenenfalls auch verworfen zu werden! Erkenntnisse, die alle in Sarkan teilen, beginnen mit unseren unterschiedlichen Ansätzen, welche durch unser eigenes gewissenhaftes Prüfen bewertet werden müssen - nicht mit einer vorgreiflichen Entscheidung für einen einzigen Ansatz. Lasst uns also gegenseitig Mut machen, indem wir uns auf unsere Nachkommen besinnen, die Kinder und Enkel, die dereinst auf vielfache Weise davon profitieren werden, was wir heute diskutieren. Indem wir heute mutig fragen, erweisen wir uns unserer Nachkommen als würdig, welche auf eine Gesellschaft mit diesem offenen Geist angewiesen sein werden. Lasst sie uns in unseren Schulen in der Gewissheit erziehen, dass Wissenschaft alterslos ist und dass sie Lösungen dort zu finden vermag, wo es niemand für möglich hielt. Lasst sie aber auch wissen, dass Lösungen ihre Zeit brauchen. Viele Fragen der Wissenschaft wurden nicht in einer Lebenszeit gelöst, und viele Erkenntnisse mussten über fachliche Zerwürfnisse reifen. Wie viel Wissen ist ein Ergebnis unsere Fähigkeit, trotz Meinungsverschiedenheiten beharrlich weiter zu fragen! Unsere Großeltern oder Eltern mochten damals noch uneins sein über die Existenz anderer Sphären, jedoch haben wir jetzt die Gewissheit. Dies wäre nicht geschehen, wenn meine eigene Disziplin unter das Verbot gestellt worden wäre, welches nun über uns verhängt werden soll! Angesichts schwindender Ressourcen kann nur die Magieforschung eine Antwort liefern. Das Gebot, sich auf angemessene Weise fachlich auseinanderzusetzen und offenen Raum für Ideen zu lassen, muss daher allen kurzzeitigen Verordnungen und Rechtsansprüchen übergeordnet bleiben. Darin liegt der eigentliche, der ewige Beitrag der Wissenschaft zu einer friedlichen Gesellschaft. Sicher, Verbrechen und Größenwahn in den Reihen der Magiekundigen haben diesem Gedanken von wissenschaftlicher Freiheit und Selbstkontrolle herbe Schläge versetzt. Für uns gilt es nun, die Chance des Schlussstrichs unter solche Aufregungen zu setzen, welche ausgeschlachtet wurden, um die eigene politische Überlegenheit zu steigern. und die Gesellschaft auf tiefgreifende Zerwürfnisse einzustimmen. Denn, meine hochverehrten Kolleginnen und Kollegen, diese Aufregungen dienen eindeutig der Vorbereitung des nächsten Krieges. Und jene Politiker, die zur Ausmerzung des Maßlosen rufen, haben wahrlich keinen Grund zu Selbstgefälligkeit, was ihre Moral betrifft! Halten wir uns vor Augen, welche Entwicklung wir über die letzten Generationen vollzogen haben und ziehen wir DARAUS die Leitlinien nicht nur für unser Verhalten in der Gegenwart, sondern für die ungelösten Aufgaben, die auf uns warten! Zu diesen Aufgaben gehört zweifellos eine Beilegung dieses ideologischen Streits. Doch nicht in dem Sinne, wie es sich ruchlose Herrscher vorstellen: Durch Annullierung jeder Person, welche Thesen und Methoden nachgeht, die dem Eigennutz jener Leute im Weg stehen. Welch Sarkasmus, dass den Maßlosen unterstellt wird, sie würden die Magie nur zu ihrem eigenen Vorteil einsetzen – ein Gedankengang, der natürlich ausgerechnet von jenen stammt, welchen es um ihren eigenen Gewinn geht! In Wirklichkeit sind gerade die Grenzdisziplinen und die Grundlagenforschung in Bereichen wie der Sternen- und Sphärenkunde buchstäblich brotlos. Jene Verachtenswerten, welche die Magie tatsächlich für die Schaffung von persönlichem Reichtum einsetzen, werden im Gegenteil oft als schlaue Geschäftsleute und gute Handelspartner hofiert. Nein, es sind die schwer verständlichen, an die Grundfragen der Existenz heranreichenden Studien, welche in Verruf gebracht werden. Doch bei diesen wird es nicht enden, möchte ich der Maßvollen Bewegung zurufen! Machen wir uns bewusst, dass durch den Zweifel an unserer Fähigkeit, unsere Magieanwendung selbst zu beurteilen und zu kontrollieren, wir schon heute ein gemeinsames Schicksal teilen. Wir sollten uns zusammengehörig fühlen in unserem Willen zur Wahrheit. Alle Mitglieder der Akademien wollen den Frieden, Gerechtigkeit für ihre Sache und das Recht zu forschen - das schließt uns Maßlose wie auch die Maßvollen ein. Also kann sich nicht eine einzige Akademie einigen, unabhängig von den anderen, selbst wenn es eine so bedeutende wie Allakain ist. Wir müssen für einen ganzen Kontinent denken und die Grenzen des friedlich Diskutierbaren aufheben, um nicht nur uns selbst, sondern alle zu vereinen. Ich habe die Zuversicht, dass der heutige Tag nicht das letzte Datum unserer Geschichte bleibt, in der wir offen untereinander über unsere Ansichten sprechen dürfen. Die Älteren müssen den Jüngeren helfen zu verstehen, warum es lebenswichtig ist, die Freiheit der Wissenschaft aufrechtzuerhalten. Sie sollten ihnen helfen, sich auf die mühsame und oftmals vergebliche Wahrheitssuche vernünftig und ohne Furcht einzulassen, ohne Flucht in trügerische Sicherheiten gewisser Gönner, aber auch ohne Gewissenlosigkeit und Überheblichkeit. Es gibt kein endgültig errungenes vollkommenes Wissen - für niemanden und für keine Disziplin! Wir sind an unserem Fragen und Suchen gewachsen, wir bleiben als Menschen Sarkans auf der Suche nach Antworten. Aber wir haben die Kraft, verschiedene Sichtweisen immer von neuem zu verbinden.


Meine Bitte an die Akademie von Allakain lautet daher:

Lasst euch nicht hinreißen in aufrührerische Hetze und Angst. Erinnert euch daran, miteinander zu fragen und zu forschen. Nicht gegeneinander. Lasst uns auch den Herrscherinnen, den Herrschern und der Gesellschaft ein Beispiel dafür geben, dass Debatten kein Zeichen einer Entzweiung sind, sondern für Menschen auf dem Weg zu einer neuen Einigung. Ehren wir die Wissenschaft. Arbeiten wir für die Erkenntnis. Halten wir uns an die Prinzipien der Forschung. Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Wahrhaftigkeit. Schenken wir der Wissenschaft das Vertrauen, dass sie allein alles hinterfragen und somit auch alles erforschen darf.“