Feuerglas Erinnerungen
Die folgenden Erinnerungen sind im Feuerglas des Ignis-Tempels gespeichert und wurden teils während des Feldzugs, und teils im Nachgang nach Verbindung des Tempels mit dem Land, durch Siedler abgerufen und niedergeschrieben:
Glaskunst I
Heute Morgen bist du ganz besonders aufgeregt! Alle sind aufgeregt, auch Mutter und Vitus. Die Glasmacher sind in den letzten Tagen schon angereist und die Stadt ist ganz voll mit Menschen, die nur wegen des Fests hier sind. Gleich läufst du rüber zu Flora, damit sie dir die Haare flechten kann. Vitus sagt immer, er kann das nicht, weil er ein Junge ist, aber das ist nur eine doofe Ausrede, weil er keine Lust hat. Flora hatte die Idee, dass ihr euch ja in eine der Glasbläsereien schleichen und vielleicht schon einmal einen Blick auf ein paar der Ausstellungsstücke werfen könntet, aber du hast zu viel Angst, weil wenn ihr erwischt werden würdet, gäbe das einen großen Ärger. Ihr müsst also warten. Der Wettbewerb besteht aus zwei Teilen. Für den ersten Teil bringen die Glasmacher und Glasbläser ein Stück mit, was sie vorher angefertigt haben und stellen es aus. Für den zweiten Teil gibt der Konsul ihnen heute Abend eine Aufgabe und sie haben dann eine Nacht und einen Tag Zeit. Das ist der aufregende Teil des Wettbewerbs findest du und du merkst, wie deine Hände vor Aufregung feucht werden!
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Glaskunst II
Lichteinfalls. Einige aus der Menge brechen in Jubel aus, andere in Tränen. Feuerschwinge wird das Kunstwerk genannt und du bist dir sicher, dass dieser Tag in die Geschichte des Kunsthandwerkes eingehen wird.
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Glaskunst III
Die Luft, die sich zügig durch die Nasenflügel schlängelt, ist trocken und warm. Du erinnerst
dich noch genau an den Geruch der Luft, der Menschen, des Platzes. Du hast es geschafft!
Du warst unter die zehn besten Glasbläser gekommen, die sich nun in einem Wettstreit
miteinander messen durften. Deine Lehrmeisterin hat eines deiner Werkstücke eingereicht,
ohne dass du davon gewusst hättest. Die anderen, erfahrenen Glasbläser betrachteten dich
mit Argwohn, es gab sogar Gerüchte, dass man versucht hatte, dich vom Wettbewerb
auszuschließen, schließlich hattest du deine Ausbildung noch nicht beendet. Aber das
Kuratorium hatte wohl klargemacht, dass es keine solche Voraussetzung gab, um zum Wettstreit
zugelassen zu werden. Jeder durfte ein Werkstück einreichen und wenn das Werkstück als
eines der besten zehn gewertet wurde, so nahm man am großen Kampf um die Trophäe teil. Du
wischt deine schwitzenden Hände an deiner Tunika ab, als der Vorsitzende des Kuratoriums
deinen Namen verkündet. Du bekommst weniger Applaus als die alten, bekannten Gesichter,
aber das schürt nur die Glut in deinem Herzen. Deine Lunge ist gefüllt von der Luft, die durch
die flammende Sonne erhitzt ist und diese Luft würde bald flüssiges Glas in Form bringen.
Durch deinen Willen und deine Hingabe! Bei jedem Tropfen deines Schweißes würdest du an
die immerwährende Flamme denken. An den Sonnenaufgang. An die Hitze der Mittagssonne.
Worte reißen dich aus deinen Gedanken. Das Thema des diesjährigen Wettstreits wird
verkündet: Glutsturm. Ein Lächeln legt sich auf deine Lippen, denn kaum war der Arbeitstitel
ausgesprochen, entspringt deinem Geist eine gewagte, ja geradezu kühne Idee…
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Asche und Sand
Du spürst, wie deine Füße dich langsam über warmen Sand tragen. Jemand läuft neben dir und
wirkt tief in Gedanken versunken. Die Gestalt ist nur schemenhaft zu erkennen, doch bist du dir
sicher, dass diese Person nicht von hier stammt. Nicht von deinem Volke ist. Und dennoch,
verbindet euch an diesem Tag etwas. Ein Gefühl. Das Gefühl von Verlust. Du atmest tief ein
und erhebst deine Stimme:
“Wir lernen diese Dinge früh. Wenn jene nicht von den Schlachtfeldern zurückkehren, weil der
Krieg ihre Leiber verschlingt. Ich erinnere mich nicht daran, wie oft ich zum Gedenken in den
Tempel einkehrte, um tapferen Seelen den Weg in den Jadesand zu bereiten.
Aber ich erinnere mich an den ersten Namen, den ich in den Tempel trug. Denn es war der
meines geliebten Bruders. Unter Tränen strengte ich mich an seinen Namen sorgsam auf den
Stoff zu schreiben, den meine Mutter dann neben die anderen zahlreichen Namen an das Seil
knotete. Wir entzündeten gemeinsam das für ihn bestimmte Räucherwerk, setzten uns vor die
Schale mit Sand und erzählten Geschichten in das Glimmen und Rauchen. Ich erinnere mich
gut, dass die Stimme meiner Mutter irgendwann zu einem wohligen Raunen wurde, während ich
der Asche dabei zusah, wie sie sanft in den Sand rieselte. Sandelholz. Mutter hatte
Sandelholz für ihn ausgewählt. Es war die sanfte Berührung meiner Mutter, die mir das wilde
Haar aus der Stirn strich, um mich zu wecken. Es sei Zeit, die Asche an den Jadesand zu
übergeben. Neben der Schale mit Sand befand sich eine kleinere Schale, mit der ich die
Asche eingesammelt und in Begleitung meiner Mutter zur Arena brachte. Hier kehrten die
gefallenen Krieger heim. Ich schaute unsicher zu meiner Mutter und wir vermengten gemeinsam
die Asche mit dem Jadesand. Wehmütig sprach meine Mutter dabei folgende Worte:
„Dein Licht ist in dieser Welt erloschen, für dich bricht die Zeit der Asche an. Was uns bleibt,
sind die Funken der Erinnerung, die uns die Dunkelheit erleuchten. Wir entsagen dem Kummer
und begrüßen das Leben. Entzünden dir ein Licht – bis wir uns wiedersehen.“
“Sandelholz … bis heute macht mich der Geruch schwermütig.”
Am Aschehain angelangt, zündet ihr gemeinsam das Räucherwerk an…
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Bringt Licht den Soldaten
Ihr warmes Licht bringt der Gemeinschaft Sicherheit. Mit ihrem Licht lässt sich die
Gemeinschaft vor der Dunkelheit schützen, bevor sie sich in dieser zu verlieren droht.
Deshalb nehme ich meine Laterne mit zwischen die Zelte und bringe das Licht auch in die
dunkelsten Ecken des Lagers. So sind alle geschützt. Daran glaube ich fest. Und wenn ich im
fahlen Licht der Dämmerung eine Seele ohne Licht sehe, frage ich, ob sie ein Licht bei sich hat
oder ich eines für sie finden muss. Die Sicherheit liegt im Licht selbst, in der Manifestation von
der Herrin Kraft. Das Licht in der Dunkelheit. In den verschiedenen Lagern sehe ich sie
brennen. In Freudenfeuern und Laternen. Doch auch wenn wir die Dunkelheit fürchten, weil sie
Gefahr bedeuten kann, so leuchtet sie uns doch gerade dann am schönsten. Spendet Wärme
und führt den geschundenen Soldaten nach Hause. Sie versammelt die Gemeinschaft um sich
und schenkt Frieden. Es beginnt im Kleinen. Ein Glimmen nur, dann ein Funken, bis hin zur
Flamme. Ein Lichtermeer, hier unten und am mattschwarzen Himmel. Und wenn die Welt uns
gewalttätig, gefährlich und dunkel erscheint, dann versammeln wir uns an ihrem Herd. Kommen
zusammen um riesige Feuer. Wir finden einander im Schein der Flammen, finden Geborgenheit
in der Wärme der Strahlen und das Licht vertreibt die Dunkelheit. Um uns herum und in
unserem Inneren. Daran glaube ich fest. Licht ist Leben. Ihre Nähe ist Rettung.
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Aquas Holz für die Heilige Flamme
Du blätterst in einer kleinen Auflistung älterer Geschichten, dabei fällt dir folgend kurzer Text
ins Auge:
Es trug sich an einem Abend zu, dass die Gemeinschaft des Lagers der Flammen mit den
Akata zusammensaß. Ein Plan entstand zwischen Feuer und Feier, eine Idee, mehr als Scherz,
denn als wirkliche Aufgabe. Man wollte Aquas Kinder mit der Täuschung selbst schlagen. Es
wurde ein Plan ersonnen aus ihrer Mitte, eine Idee von einer jungen Flamme, dass man das
Lager Aquas aufsuchen sollte und der Wache erzählt, man komme mit einem Auftrag der
Elemente und brauche Holz. Die Gemeinschaft brach auf, beschwingt von der Idee und
konnte doch nicht wirklich an seinen Erfolg glauben. Am Tor des Lagers der Tiefe wurde
ihnen gar freundlich geöffnet. Die junge Flamme, deren Idee es gewesen war, erörterte den
Wachen freundlich, dass sie im Auftrag der Elemente kämen, um Holz für ihre Flammen zu
holen. Es war keine Lüge und doch entsprach es ganz der Wirklichkeit. Zu ihrem Erstaunen
gab man ihnen Holz und nicht nur irgendein Holz, sondern Teile aus der Palisade des Lagers.
Voller Unglaube bedankten sich die Kinder des Feuers bei den Wachen und kehrten mit ihrer
Beute in ihr Lager zurück. Freudig übergaben sie das Holz der Flamme und erzählten ihrem
Avatar von dem Moment, als Ignis Kinder mit Täuschung gegen Aquas Wachen gewonnen
hatten.
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Verbrennung Elkantars
Du blätterst in einer kleinen Auflistung älterer Geschichten, dabei fällt dir folgend kurzer Text
ins Auge:
Den tapferen Streiter der Elemente war es unter großen Mühen gelungen, den Verräter und
einstigen Archon des Nordens, Elkantar, zu erschlagen. Doch sein Leib verblieb in der Welt,
faulig und voller Pestilenz, die wie ein sterbendes Wesen panisch in ihrer Umgebung zu
überleben suchte. So erstand er immer und immer wieder neu und ward von Mal zu Mal weniger
als nur noch ein Abbild seines alten Selbst. Der Körper musste vernichtet werden. Endgültig.
Doch selbst die Flammen des Zornes eines amtierenden und durch die Elemente gestärkten
Archon genügten nicht, um dieses Unterfangen zum Erfolg zu führen. So rief man all jene
zusammen, die das Feuer in ihren Herzen trugen als der Körper des Frevlers erneut in
kriechendes Getier zerfiel und in alle Himmelsrichtungen zu fliehen versuchte. In Gemeinschaft
riefen sie die Herrin Ignis an und verbrannten das, was vom Verräter übrig geblieben war zu
Asche. Nun war es der Wind, der ihn und seine Geschichte ins Vergessen tragen sollte. Auf
dass nichts mehr von dem Verräter bleiben sollte. Nichts, außer eine blasse Erinnerung daran,
dass auch unsere Herrscher nicht frei von Fehl und Irrungen sind.
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Das Feuerelementar und der Speer
Du blätterst in einer kleinen Auflistung älterer Geschichten, dabei fällt dir folgend kurzer Text
ins Auge:
Auf den Feldern vor Siegelstadt ergab sich, dass der Feind, im Besonderen jener Streiter,
der Argus genannt wurde, durch die Waffen der Siedler nicht verwundet werden konnte.
Daher ersann der Avatar Ignis einen Plan. Er rief ein Elementar des Feuers aus dem Segen
der Herrin Ignis und schuf einen Speer. Doch dieser Speer sollte etwas besonderes werden,
denn dieser Speer sollte das Elementar in sich aufnehmen. Doch so einfach war das nicht.
Denn die Wesen des Feuers lassen sich nicht zwingen und schon gar nicht einsperren. Das
Elementar musste also dazu gebracht werden sich freiwillig mit der Waffe zu vereinen und die
Aspekte Ignis mit sich zu nehmen. Der Avatar rief seine Streiter zusammen und aus ihnen trat
eine junge Halbelfe heraus, die sich bereit erklärte ein Ritual für den Speer zu bauen. Vier
Kreise wurden geschaffen, in welchen dem Elementar jene Aspekte mitgegeben wurden, die es
in seiner Seele mitnehmen sollte. Ein Kreis war die Leidenschaft, in der eben jener gefrönt
wurde. Ein Kreis war der Kampf, ein Duell zwischen zwei Kriegern. Ein Kreis war eine Schale
mit Flammen, die alles verbrannten, was man ihr zuführte. Der vierte Kreis zeigte Priesterinnen
des Ordens der Seraphim, die zu den Klängen der Trommeln tanzten. Alle vier Kreise waren
um einen fünften herum gebaut. In diesem befand sich der Speer, das elementar und jene, die
das Ritual hielt, gemeinsam mit dem Avatar Ignis. Nachdem das Elementar alle Aspekte in sich
aufgenommen hatte, wurde ihm erklärt, warum es mit dem Speer verschmelzen müsse, nämlich, um
den Feind empfindlich schlagen zu können. Erfüllt von den Aspekten und dem Geist der
Gemeinschaft folgte das Elementar dieser Bitte und wurde eins mit dem Speer, den der
Avatar der Flammen im nächsten Kampf gegen Argus selbst schwang und diesen dabei schwer
verletzen konnte. Der Speer verglomm, doch das Feuer brannte in den Seelen jener
Teilnehmer des Rituals gegen die Verfemten weiter.
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Alte Freunde
Du findest dich an einem Ort wieder, der auf den ersten Blick wirkt wie ein Feldlager. Eine
schmale Pritsche unter dir, dein Arm ist in weiße Verbände gewickelt und in einer Schlinge vor
deine Brust gebunden. Dein Kopf dröhnt.
Vor dir sitzen zwei gerüstete Lona an einem niedrig brennenden Feuer. Zwischen ihnen, das
Gesicht halb in den angewinkelten Knien vergraben, sitzt ein einzelner Edalphi, der in seinen
goldroten Roben nicht deplatzierter wirken könnte. Er schweigt, während sich die beiden Lona
- Brüder, schätzt ihr aufgrund der Ähnlichkeit - stetig lauter unterhalten. Aus angeregtem
Austausch wird zunehmend ein Streitgespräch, eine flache Hand wird auf ein Knie geschlagen,
die Lautstärke nimmt zu und mit jedem harschen Wort könnt ihr spüren, wie die Flammen heller
lodern. Der Edalphi in der Mitte erhebt hilflos die Hände, wird von beiden Brüdern
gleichzeitig angeschnauzt, bevor sie sich wieder einander widmen. Die erste Hand wandert an
das Heft eines Kurzschwertes, inzwischen stehen die beiden Krieger einander am Feuer
gegenüber, der eindeutig überforderte Edalphi zwischen ihnen, als würde er sie dadurch daran
hindern, eine handfeste Schlägerei zu beginnen. Zsascha, hilf mir! Mit der Geschwindigkeit
einer zuckenden Flamme rauscht eine Akata in euer Sichtfeld, packt einen der Brüder am
Kragen seiner Rüstung und zerrt ihn zurück. Es ist eindeutig, dass sie helfen will, den Streit zu
schlichten, aber das Letzte, woran ihr euch erinnert, ist der elende Gesichtsausdruck des
Magicakindes, als sich nun drei Flammen um ihn herum ein Wortgefecht liefern.
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Der, der immer war wird uns verlassen
Du kannst noch immer nicht glauben, dass seine Zeit gekommen sein soll. Er ist der weiseste
und sanftmütigste unter den Alten und war, selbst wenn man eben jene Alten fragt, schon da,
als diese das erste Mal die Wärme unseres Heimes Anor'Tho spürten. Bis heute kann
niemand so genau erfassen, wie alt wir Akata werden können, wenn wir nie den Krieg erfahren
müssen. So war er hier, irgendwie – immer. Man glaubt sogar, dass die rauen und heißen Wände
dieses Ortes seinen Namen flüstern werden, bis in alle Ewigkeit. Und sein Name war
Zzaha'resh. Der alte Hüter jener, die noch kommen würden. Doch in den Jahren, in welchen er
dich ausgebildet hatte, um einmal seinen Platz in den Höhlen einzunehmen, war ihm anzusehen,
dass er müde ist. Immer sanft lächelnd und irgendwie zufrieden mit sich und dem Leben das
hinter ihm lag. Es ist ein wenig seltsam, dass er bald nicht mehr sein würde. Gedanklich gehst du,
schon aus gelebter Gewohnheit, die täglichen Aufgaben durch, die er dir mit sanfter aber
bestimmter Akribie beigebracht und schlussendlich übertragen hat.
Die Höhlen auf Getier überprüfen, die Schalen auf Schäden abtasten, das Gelege mit der
erkalteten Seite zur Wärme spendenden Höhlenwand drehen. Jene Eier, die bereits erste
Risse zeigten und in denen sich das neue Leben unruhig regt in eine kleinere Höhle bringen
lassen, wo sich die Ammen um alles weitere kümmern würden. Und während du noch gedanklich
in deinen Aufgaben residierst, führen dich deine Schritte zu dem Ort, an dem er seine letzten
Stunden zu verbringen wünschte. Schweigend setzt du dich neben ihn auf den Vorsprung und
spürst wohlwollend die sich allmählich herabsinkenden Strahlen der Sonne. Liebevoll richtet
sich sein Blick auf den Horizont einer Welt, die er nie wirklich betreten hat, weil seine Aufgabe
ihn den Anor'Tho nicht verlassen ließ. Sanft nimmt er deine Hand und drückt sie mit der ihm
immer noch so eigenen Entschlossenheit. Sie ist schuppig und rau, so wie auch deine, und doch
ist sie so viel größer und kräftiger.
„Du wirst das gut machen. Ich habe lange gesucht, um jemanden wie dich zu finden.“
Jetzt, wo er sprach, bemerkst du, dass die Pausen zwischen seinen tiefen Atemzügen länger
waren als gewöhnlich. Und so er deinen Blick bemerkte, drückt er deine Hand nur noch
entschlossener. Zzaha'resh nickt. Es war Zeit. Sein Weg zu Ende. Voller Dankbarkeit und
stumm vor Abschiedsschmerz legst du seine Hand an deine Stirn. In stummer Dankbarkeit für
sein Geschenk an euer Volk. Ein Leben, gewidmet dem Leben. Ein letztes Mal streicht er mit
seinem Daumen über deine Hand, ein letztes Mal berührt die untergehende Sonne sein
Gesicht. Ein letztes Mal verlässt der Hauch des Lebens seine Lippen und der Wind trägt
seine Seele fort...
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Der Abend der Reinigung
Aufgeregt nesteln Finger die rote Kordel durch schmale Löcher, die durch Ösen aus Eisen
verstärkt wurden. Morgen würdest du dein Heim verlassen. Dann wirst du nur noch als
Besucherin in das Haus zurückkehren, was so lange dein zu Hause gewesen ist. Der letzte
Abend vor einem neuen Abschnitt ist immer ein Besonderer. Ein Moment um inne zu halten
und sich von dem zu befreien, was die Seele belastet. Bald wirst du nicht mehr die Tochter von
jemandem sein, sondern eine Kriegerin. Eine Kriegerin im Namen der hohen Herrin Ignis.
Es gab viele Anlässe für den Ritus. Ein neues Lebensjahr, eine neue Bindung, die Geburt
eines Kindes oder das Antreten einer neuen Aufgabe.
Das Blatt Papier hast du bereits vor einigen Tagen beschrieben. Fein säuberlich.
Ordentlicher als beim letzten Mal, als du etwas dem Feuer übergeben hast. Die Schrift
berichtet von einer Lüge, die du gesprochen hast zu jemanden, der diese Lüge nicht verdiente.
Eine Lüge, die aus Feigheit über deine Lippen gekommen war und an die du in so mancher
Nacht gedacht hast. Ein Fehler, der auf deiner Seele liegt.
Heute Abend wirst du im Kreise deiner Liebsten diesen Frevel beichten und ihn dem Feuer
übergeben, auf das die Funken ihn in den Wind tragen und verlöschen lassen werden. Dazu
wirst du die Worte sprechen, die immer gesprochen werden.
"Ich stehe heute vor den Flammen, denn ich habe Schuld auf mich geladen.
Nur das Feuer kann das verzehren, was mich verzehrt.
Ich bitte vor der Gemeinschaft darum, mir diese Tat zu vergeben, damit sie nicht mehr das
erstickt, was mein Feuer schürt.
So übergebe ich dem Feuer, was nun verglimmen darf."
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Still, wie Statuen
Du findest dich auf den belebten Straßen einer großen Stadt wieder. Da ist eine Waffe an
deiner Hüfte, das Gewicht einer Rüstung auf deinen Schultern, aber du trägst beides mit der
Leichtigkeit jahrelanger Gewohnheit. Jemand läuft neben dir, ihr teilt euch den Inhalt einer
Feldflasche, lasst das kühle Nass zwischen euch hin und her wandern. Bewegt euch mit der
Masse auf einen zentralen Platz zu, habt kaum ein Auge für die reichen Verzierungen, die
kunstvoll gestalteten Wände, Balkone und Erker. Ihr werdet stiller, als ihr die Wachen seht, die
an dem Brunnen stationiert wurden, welcher das Zentrum des Platzes einnimmt. Ausdruckslose
Gesichter in perfekter Formation, einzelne Kristalle scheinen die Haut der anderen Lona zu
durchbrechen, aber sie scheinen sich daran nicht zu stören, stehen still wie Statuen. Du
schauderst, willst etwas sagen, aber dein Begleiter schüttelt den Kopf. “Es ist gut so. Sie sind
für etwas Höheres erwählt worden.” Da ist Begeisterung in seiner Stimme, ein Glänzen in
seinen Augen. “Was würde ich dafür tun, dass mir eine ähnliche Ehre zuteil werden würde!”
Du lächelst gezwungen, nickst und verbirgst dein Unbehagen hinter dem Griff zur
Wasserflasche. Deine Kehle ist wie zugeschnürt, dein Magen krampft sich bei dem Gedanken
zusammen. “Ja”, würgst du mühsam hervor. “Was für eine Ehre.”
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Funkentanz
Heute ist ein ganz besonderer Tag. Die Sonne brennt heiß auf die Erde, und der Himmel ist
so blau, dass er fast in das Meer überzugehen scheint. Mama hatte dir gesagt, du sollst den
ganzen Tag im Schatten des Konsulats spielen, weil es draußen zu heiß für die Kinder sei.
Aber du findest es gar nicht schlimm. Ganz im Gegenteil, du liebst den Platz unter den großen
Steinsäulen. Dort ist es kühl und ruhig, und du kannst die Vögel hören, die in den Bäumen
zwitschern. Du stehst in der Nähe eines alten Marmorblocks, der fast so hoch ist wie dein
Vater. Deine Freundinnen und Freunde, Myrto und Nikos, sind auch hier. Ihr wollt ein Spiel
spielen, das ihr „Funkentanz“ nennt. Es ist ganz einfach: Einer von euch muss die Augen
schließen und „Funkentanz“ rufen. Dann dürfen die anderen, wie Funken im Wind, um ihn herum
tanzen, aber derjenige mit den geschlossenen Augen muss versuchen, einen von euch zu fangen.
Wenn er einen erwischt, darf er die Augen schließen und der Lauf beginnt von vorne.
„Ich will zuerst fangen!“ ruft Myrto und stellt sich auf einen hohen Stein. Nikos rennt sofort los,
stolpert aber fast über eine Wurzel. Du musst lachen – es fühlt sich so gut an, nicht schon groß
zu sein und zu diesen langweiligen Treffen gehen zu müssen. Dann läufst du ebenfalls los, um
nicht gefangen zu werden. Dein Herz klopft schnell, als Nikos dir immer näher kommt. Plötzlich
hörst du ihn hinter dir und du spürst, wie er dich an den Schultern packt. „Du bist dran!“ ruft er
lachend. Du schließt die Augen und stehst still. Für einen Moment lauscht du nur deinem
eigenen aufgeregten Herzschlag und versinkst in der Freude am Spiel. Trinkst von dem
Gefühl, Teil einer liebevollen und sicherheitsgebenden Gemeinschaft zu sein. Doch dann
packt dich der Sinn für die Jagd und den Wettkampf erneut und du rufst:
„FUNKENTANZ!”
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Hammer oder Schwert?
Es ist heiß und die Luft geschwängert von Rauch und Metall. Die Esse glüht, Funken fliegen in
die Dunkelheit der Schmiede. Der Hammer donnert auf den Amboss, ein Echo hallt durch die
kleine Werkstatt. Immer und immer wieder. Du wischst dir den Schweiß von der Stirn und siehst zu
deinem Sohn hinüber. Er steht mit verschränkten Armen an der Tür, sein Blick ist irgendwie hart,
abweisend.
„Nimm den Hammer, Elias. Es wird Zeit, dass du lernst, wie ein richtiger Mann zu arbeiten.“
Sein Gesicht verfinstert sich. „Ich will kein Schmied werden, Vater.“
Seine Worte treffen dich wie ein Schwerthieb. Dein Herz zieht sich zusammen. Geahnt hast du es
wohl bereits, lange schon, aber gehofft, dass es nur eine Phase ist.
„Elias, das hier ist unser Handwerk. Seit Generationen sind wir Schmiede. Dein Großvater, sein
Vater davor – und nun bist du an der Reihe.“
„Ich will etwas anderes, etwas Größeres. Ich will nicht mein Leben in dieser dunklen Werkstatt
verbringen, mit rußigen Händen und brennenden Lungen!“
Du spürst, wie Wut in dir aufsteigt, aber auch eine tiefe, nagende Angst. Was soll aus ihm werden,
wenn er diesen Weg verlässt? Die Welt da draußen ist hart, unbarmherzig. Hier in der Schmiede
hat er Sicherheit, eine Zukunft.
„Und was willst du stattdessen tun?“ fragst du, bemüht, deine Stimme ruhig zu halten.
„Ich will kämpfen. Ich will in den Krieg ziehen, Vater. Ich will nicht nur Waffen schmieden, sondern sie
führen.“ Seine Augen funkeln, als er spricht, in einer Leidenschaft, die du nicht von ihm kennst. Du
schluckst schwer. „Glaubst du, der Krieg macht dich zu einem Mann? Oder stärker als das Feuer
unserer Esse? Schmieden ist eine Kunst, Elias. Es braucht Verstand und Geschick.“
Er schüttelte den Kopf. „Aber es ist nicht meine Kunst.“
Stille legt sich zwischen deinen Sohn und dich, schwer wie Eisen. Du weißt nicht, was du darauf
erwidern sollst. Dein Herz will ihn festhalten, ihn schützen, ihn auf den Weg führen, der sicher ist
und nicht am Ende in den Jadesand führen würde. Aber du siehst auch den Funken in seinen
Augen, einen anderen als den, den das Feuer der Esse schenkte.
Du atmest schwer ein und wieder aus, dann legst du mit wiedergewonnener Ruhe den Hammer
beiseite. „Dann sag mir, was du wirklich willst, und ich werde dich nicht aufhalten.“
Elias‘ Augen weiten sich. „Wirklich?“
Du nickst langsam. „Aber du musst mir versprechen, dass du es mit der gleichen Leidenschaft tust,
mit der unsere Familie geschmiedet hat. Kein Weg ist leicht, Elias. Auch deiner nicht.“
Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. „Ich verspreche es, Vater.“
Du spürst einen Stich der Trauer, aber auch einen Funken des Stolzes. Vielleicht ist sein Weg
nicht der deine, aber er wird ihn mit derselben Kraft gehen. Und das ist alles, was du dir für ihn
wünschen kannst.
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Der Ruf nach einem Volk
Du sitzt in deinem Zelt, der Morgen bricht gerade an, doch du bist aufgeregt und musst
folgende Zeilen niederschreiben, bevor dir das dazugehörige Gefühl verloren geht:
Unter der Anleitung meines Meisters und in Zusammenarbeit mit der gesamten Ignis-
Gemeinschaft durfte ich zum ersten Mal an etwas von solcher Bedeutung für meinen Glauben
mitwirken. Das Ritual begann. Ich sammelte mich, bereit, der gewaltigen Kraft standzuhalten.
Die Gruppen begannen, Ignis Kraft durch Opfergaben, Tänze und Taten zu erschaffen. Die
Feuertänzer bündelten diese Energien, leiteten sie weiter. Im Zentrum der Kraftströme
sammelte sich ein Speicher, der schließlich die geballte Ignis-Energie an uns Leuchtfeuer-
Erschaffer weitergab. Die Hitze wurde intensiver – erst eine wärmende Glut, dann immer mehr
ein brennendes Inferno. Ein Lied erklang, getragen von dutzenden Stimmen. Ich hielt stand,
doch je mehr die Kraft wuchs, desto mehr verschwand die Welt um mich herum. Es blieb nur
noch Ignis. Das Feuer wurde zu stark. Mein Körper brannte, meine Sinne betäubt. Erst durch
die vereinte Macht der Kraftleiter konnte das Leuchtfeuer schließlich entfacht und unsere
Nachricht auf die Suche nach einem Elementarvolk gesendet werden. Was mir blieb:
verbrannte Hände, ein Geist, der nicht zur Ruhe kam – und ein Gefühl der Ektase, das noch
immer durch meine Adern pulsierte.
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Remulus erinnert sich I
Du liest einige liebevoll verewigte Zeilen in einem archivierten, ziemlich ramponierten Folianten:
Aus den Erinnerungen des Remulus - Tempelwächter und Ausbilder von Cypria
Ich erinnere mich noch sehr gut an Cypria, wie sie einst mit den anderen Jungen und Mädchen
vor der Schwelle der Halle stand. Sie war klein und schmächtig, ging geradezu in der Menge
der jährlichen Anwärter und Anwärterinnen unter. Niemand von uns glaubte, dass sie den
Initiationsritus erfolgreich absolvieren würde, geschweige denn das erste Jahr ihrer Ausbildung
überstand. Keine zukünftige Tempelwächterin, möchte man meinen, aber auch sie hatte wie alle
anderen 14-jährigen das Recht, als Novizin in den Dienst des Tempels zu treten und sich
prüfen zu lassen. Die Herrin Ignis erteilte uns allen in unserer Verblendung eine Lektion und
belehrte uns eines besseren. So unscheinbar und schüchtern dieses Kind wirkte, strahlte es
nach dem Übertreten der Schwelle eine so erhabene Präsenz aus, wie man sie nur einmal in 100
Jahren vernimmt. Dieses Kind war wahrlich dazu auserkoren, eine Wächterin der Halle des
immerwährenden Kampfes zu werden.
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Remulus erinnert sich II
Du liest einige liebevoll verewigte Zeilen in einem archivierten, ziemlich ramponierten Folianten:
Aus den Erinnerungen des Remulus - Tempelwächter und Ausbilder von Cypria
Mit welcher Eleganz dieses Kind die Klinge zu führen vermochte war unglaublich. Ihre
Auffassungsgabe und ihr Lerneifer übertrafen den aller anderen Novizen bei weitem. Gerade
einmal seit zwei Monaten wurde sie an der Waffe ausgebildet, beherrschte diese aber schon so,
als ob sie ihr Leben lang kein anderes Handwerk ausgeübt hätte. Cypria war so gut im
Umgang mit der Klinge, dass sie selbst mit den Novizen und Novizinnen des
Abschlussjahrgangs problemlos mithalten konnte und so manchen sogar besiegte. Es war klar,
dass, wenn sie in ihrer Ausbildung weiter in dieser Geschwindigkeit voranschreiten würde, sie in
naher Zukunft alle anderen Novizinnen und Novizen übertreffen würde.
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Schaffenskraft und Gewissheit
Dir steigen der Geruch von Feuer und Metall in die Nase. Dein Blick klärt sich und fällt auf
den Amboss vor dir. In deiner Hand fühlst du das bekannte Gewicht deines Hammers, den du
schwungvoll auf das Werkstück vor dir niederfallen lässt. Der Klang des aufeinander
schlagenden Metalls ist wie Musik in deinen Ohren. Zwar erkennst du nicht, was genau vor dir
auf dem Amboss liegt, doch du weißt genau, es wird ein Meisterwerk.
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Tanzendes Feuer zu Gast
“Etwas weiter rechts. Ja, genau da.” Geschickt kneten deine Hände den Rücken unter dir. Du
kannst dein Glück kaum fassen, dass sich tatsächlich eine Feuertänzerin von dir massieren lässt.
Sicher, du bist ein Meister deines Fachs, doch trotzdem nur ein Angehöriger der Glut und das
noch nicht so lange. Die Gunst einer hochrangigen Tochter Aminaahs, mehr noch, einer
Feuertänzerin zu gewinnen, war mehr als du dir in so kurzer Zeit erhofft hattest. Du greifst zur
Seite, wo auf einem kleinen Tisch verschiedene Öle bereitstehen.
Deine Liege ist nicht die Einzige in diesem Raum. Ein halbes Dutzend andere sind in der
weitläufigen Halle verteilt und auf jeder lässt sich eine Razash’Dai verwöhnen. Dazwischen
eilen Bedienstete mit Erfrischungen hin und her, bewirten nicht nur die Massageliegen,
sondern auch die Töchter Aminaahs, die auf Sitzkissen in Gruppen über den Raum verstreut
sind. Außer dir sind nur zwei weitere Männer anwesend, auch bei ihnen handelt es sich um
Bader. Durch die Gruppe, die sich um deine Liege geschart hat, geht plötzlich ein Raunen.
Fünf Frauen haben ihre Sitzkissen vor der Feuertänzerin platziert, um sie während deiner
Behandlung zu unterhalten. Das Geplauder hat dich zunächst nicht interessiert, doch jetzt
höchst du auf. “Doch wirklich, der Herr Merth’Yar persönlich hat ihr den Mantel um die
Schultern gelegt und sie zur Aschetänzerin erhoben.”
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Feuerwesen und Wassermann
Jemand reicht dir ein Buch. Es scheint noch nicht sehr alt zu sein, aber sorgsam gepflegt mit
zahlreichen Schriftstücken. Geschwungene Lettern, eng gesetzt, beinahe so, als wäre sich die
Frau, die dir das Buch überreicht hatte, sehr sicher, dass es nicht genug Platz für all die
Geschichten geben würde, die sie zu erzählen hatte. Dort liest du folgende Zeilen:
Erinnerungen Liandras an Volcos
In der Zeit der Prüfungen fanden Kampfübungen unter den Anwärtern für die
Waffenmeisterschaft statt. In einem der Arena-Kreise waren sie aufgefordert mutig sich einen
Gegner zu suchen und ihn seine Waffen wählen zu lassen. Volcos forderte alle Anwärter
heraus und einer fühlte sich berufen. Hermann doppelt so hoch und doppelt so breit wie Volcos
wählte Ringen als seine Waffe. In diesem Moment sah man das einzige Mal in der Zeit, in der ich
ihn kannte, Zweifel und einen kleinen Funken Angst auf dem Gesicht dieses Feuerwesens.
Volcos brannte im wahrsten Sinne des Wortes. Die Flammen waren überall auf ihm, er WAR
eine Flamme! Berührte man ihn, verbrannte man sich. Der Kampf begann und Hermann packte
Volcos, hob ihn hoch und trug ihn aus dem Ring. Während Hermanns Kleidung leicht Feuer
fing. Es qualmte und der Schweiß Hermanns verdampfte. Und dieser gewann damit den
Kampf. So unterschiedlich die beiden waren, so ehrenhaft begegneten sie sich danach. Volcos
schüttelte Hermann die Hand. Die anderen Waffenmeister und der Tross lachten und
kicherten, aber die beiden blickten sich hochachtungsvoll an. Sie wurden Freunde und Brüder,
egal wie unterschiedlich sie für andere und Außenstehende erscheinen mochten.
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Der Aufbruch
Beim Lesen folgender Zeilen wirst du von den Gefühlen erfasst, die das junge Herz hinaus in
die Welt getrieben haben. Neugier und Aufregung erfassen dich, ebenso wie eine nahezu
unerschütterliche Entschlossenheit.
Es war ein heißer, stummer Morgen, als Tunn'Drais, der junge Akata, zum ersten Mal den
Heimatturm verließ. Der prächtige Turm, der als Zentrum des Wissens und der Weisheit galt,
hatte ihm in all den Jahren als Schutzschild gedient – ein Schild aus Büchern, Schriften und
den Erzählungen der Alten. Doch für Tunn'Drais, der stets von einer ungestümen Neugier
gepackt wurde, war es nicht genug. Seit seiner Kindheit war er fasziniert von den Geschichten
über das Brudervolk der Lona, die ihm immer nur in verschwommenen Bildern und mysteriösen
Erzählungen begegnet waren. Die Lona – ein Volk, deren Herkunft und Lebensweise in den
Schatten der Akata-Geschichten gehüllt war. Der Gedanke mehr über sie zu erfahren, mit
eigenen Augen zu sehen, ließen Tunn'Drais nicht los.
„Du bist noch zu jung, Tunn'Drais. Dein Ort ist hier, im Turm, mit den alten Schriften“, hatten
die Älteren immer wieder gesagt. Doch der junge Akata konnte nicht anders. Das Verlangen,
mehr über die Lona zu erfahren, brannte in ihm wie ein unstillbares Feuer. „Vielleicht sind sie
nicht so, wie man mir immer erzählt hat. Vielleicht sind sie mehr als das, was die Geschichten von
ihnen sagen.“
Mit 34 Jahren war Tunn'Drais alt genug, um die Verantwortung für seine eigenen
Entscheidungen zu übernehmen. In einer klaren, bewussten Nacht verließ er den Turm, ohne
den Rat der Ältesten weiter zu beachten. Wie ein ungestümer Strom brach er in die Weiten
des Landes auf, hinaus in die unbekannte Welt, die ihn so lange hinter hohen Mauern
verborgen hatte.
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Ein Tempel für Askalon
Auszug aus dem Gildenchroniken der Händler zu Askalon
Im ersten Jahr, nachdem wir uns von den Märkern getrennt hatten und übergesiedelt sind, um
die schönen Gefilde der Stadt Askalon endgültig zu besiedeln, durfte ich etwas Erstaunliches
beobachten. Wir beschlossen, einen kleinen Tempel zu errichten und zu weihen. Dies sollte zu
Ehren der Elemente, aber im Besonderen der hohen Flammenherrin ein Geschenk unserer
Eherbietung sein.
Wir waren mitten in den Vorbereitungen, als unsere Späher meldeten, dass Truppen des
Schwarzen Eises gesichtet wurden. Kaum, dass sich die Kunde verbreitete, marschierten die
Truppen der zweiten Schöpfung auf und wir waren gezwungen, uns zur Brücke zurückzuziehen,
um eine günstige Verteidigungsstellung zu errichten. Einzig einige Wenige, für mein Empfinden
wahrlich kühne Streiter, verblieben in dem noch nicht geweihten Tempel. Sie schickten uns
fort, in Sicherheit und blieben selbst zurück, um eine Schändung durch die Verfemten zu
verhindern. Uns ist nicht bekannt was genau daraufhin im Tempel geschehen ist, aber es wurde
erzählt, dass die beiden anwesenden Igniskinder – die Dame Sylvana, ihres Zeichens
Waffenmeisterin Ignis, und der ehrenwerte Richter Bo – gemeinsam einen Zauber wirkten, der
die Verfemten daran gehindert haben soll den Tempel zu betreten und schlussendlich zu
entweihen. Was ich mit Sicherheit zu sagen weiß ist, dass alle im Tempel verbliebenen
Personen, augenscheinlich völlig zuversichtlich und in sich ruhend, am Eingang des kleinen
Heiligtums verweilten und den Kämpfen zugesehen haben. Ich persönlich vermute, dass sie dort
verbleiben mussten, damit ihre Kraft sich völlig entfalten konnte, denn mit jedem weiteren
Augenblick, der verstrich, wirkte der Tempel trotz seiner noch geringen Größe wie ein
Sicherheit versprechendes Heim.
Im späteren Verlauf des Kampfes verließen die Hohe Dame und der Richter den Tempel und
griffen einen Trupp samt seinem wütenden Sharuhn an. Diese beiden gesegneten Igniskinder
vollzogen einen Klingensang ohne Gleichen. Nie zuvor und auch danach nie wieder sah ich je
solche gezielt ausgerichtete Wut und Kampfkraft. Während die Waffenmeisterin den Sharuhn
schwer verletzte, so dass sich dieser zurückziehen musste. Als die entsandten Rakhs ihrer
nahenden Vernichtung gewahr wurden, zerschlug der Richter die Essenz der Rakhs mit
Schwert und Magie.
Was war dies für ein gesegneter Tag! Der Kampf war gewonnen, der Sieg unser und wir
weihten den Tempel, wie geplant den Elementen - allen voran der flammenden Herrin Ignis.
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Zu tief ins Glas geschaut?
Du findest dich in einer Schenke wieder. Die Nacht scheint bereits weit fortgeschritten zu sein
und der singende und lallende Tumult um dich herum verschwimmt zu einem bleiernen Rauschen.
Der Mann, der neben dir sitzt, nimmt einen tiefen Schluck aus seinem Humpen und knallt ihn
mit donnernder Vehemenz auf den Tisch zurück.
„Wenn ich es dir doch sage! Ich schwöre bei meinem verlorenen Arm ….. Es war in dem Jahr, als
wir zum zweiten Mal vor Doerchgardt standen. Damals kämpften noch die Avatare mit uns
Seite an Seite. Und sie feierten! Und wie sie feierten. So wie ich jetzt grad neben dir sitze,
saß bei uns Ignis’ Avatar und trank mit uns. Ich schwöre, beim haarigen Kinn meiner Mutter!
Und Ignis’ Avatar … jedesmal wurde es ein Gelage. Er war erhaben und doch so nah. Oft ließ
er nach so einem Gelage seine Schwerter zurück. Ließ sie einfach bei uns Siedlern zurück. So
groß war sein Vertrauen zu uns, dass wir sie ihm wieder zum Kampf bringen würden. Und wir
hielten sein Vertrauen. Jedes verdammte Mal.Nach so einem Gelage beim alten Mann …. Paolo
Armatio höchstselbst, die Elemente mögen ihn segnen … also nach so einem Gelage, bei dem
Ignis’ Avatar wieder einmal seine Waffe bei Paolo zurückgelassen hatte, waren wir auf dem
Weg, ihm die Waffen zurückzubringen. Das war gar nicht so einfach, wie sich das hier sagen
lässt. Du konntest sie nicht einfach so in die Hand nehmen, nein nein nein ….. die waren
verteufelt schwer. Man konnte sie nur in ihrer Scheide an die Brust gedrückt vor sich
hertragen. Ich sag dir – es hat viel Kraft gekostet. Sogar abwechseln mussten wir uns.
Wir waren also auf dem Weg zum Lager des Feuers, etwas von der Wandernden Stadt
entfernt. Das waren Paolo, Francis – was jetzt unser Chef ist – und ein paar Jungs von der
Stadtwache, angeführt von Leutnant Falk und dem Altwaibel. Wie wir so aus der Stadt
wollten, trat ER uns entgegen. Genau ER …. der Feind Argus. Zwischen Paolo und dem
Feind entsprang sofort ein hitziges Wortgefecht , auf dem auch so gleich die Waffen gezogen
wurden. Ich hasse die Verfemten, aber was man Argus lassen musste, er konnte kämpfen, wie
kaum ein Zweiter. Im Handumdrehen hatte er uns entwaffnet und wir lagen am Boden. Bis auf
Paolo und der Altwaibel. Paolo war schon durch einen Schlag verletzt und hielt sich nur noch
mit größter Not auf den Beinen. In seinem Verlangen den Alten Mann zu beschützen und in
großer Wut griff der Altwaibel nach dem erstbesten Greifbarem. Die Schwerter des Avatars.
Wenn ich es nicht besser wüsste, ich könnte schwören, dass die Schwerter förmlich in seine
Hände flogen und er hielt den Schlägen des Verräters stand. Mehr noch …. Mit wilden
Schlägen trieb er ihn zurück, bis weitere Kämpfer uns zur Hilfe kamen. Junge, Junge… dass wir
das überlebt haben - ein schieres Wunder. Bei den Elementen. Ein schieres Wunder…“
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Rezeptur Feuerglas I
Es ist früh am Morgen und du findest die Schmiede verlassen vor. Dein Lehrmeister hatte
angekündigt, dass du mit den Vorbereitungen alleine sein würdest. Dennoch – du bist nervös.
Dir darf kein Fehler unterlaufen, denn immerhin ist der zu erledigende Auftrag für die Hallen
des immerwährenden Kampfes. Dein Meister hat dir eine Nachricht hinterlassen. Rasch
entfaltest du das Papier und liest seine, durchaus schwer zu entziffernde, Handschrift:
Guten Morgen Junge,
hier stehen alle Dinge, die du zur Herstellung des Feuerglases brauchst. Gib dir Mühe! Ach ja,
am Besten suchst du dir helfende Hände. Manche Vorgänge kann ein Mann alleine nicht
erledigen.
Schritt 1 – das Feuer vorbereiten
Ein Feuer, das heißer ist als jenes, mit dem du Stahl schmieden würdest
Den Blasebalg nicht schonen, bis du das Gefühl hast, das Feuer ist am rechten Punkt
Sand aus der Arena als Basis für das Glas (findest du dem Auftrag beigelegt)
Ist der Sand geschmolzen wird eingefangenes Sonnenlicht aus der Mittagszeit hinzugegeben
Schritt 2 – die Komponenten
die Asche eines geteilten Feuers
Je ein Blutstropfen eines Siegers und eines Verlierers
Das Haar eines Anführers
Der Schweiß eines Schmiedes (also anstrengen, klar?)
Die Träne eines Magiers
Das Wort eines Gelehrten
Der Gedanke eines Alchemisten
Der letzte Tropfen eines geteilten Getränkes
Ist all das ins Feuer gegeben und du spürst dieses Flirren in den Flammen,
- du drehst das Blatt um, damit du weiterlesen kannst, doch die Erinnerung endet -
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Rezeptur Feuerglas II
Du spürst das raue und knittrige Papier in deiner Hand. Du bist erfüllt von Neugier und
Nervosität. Du bist dir ganz und gar nicht sicher, dass dir das Vorhaben gelingen wird.
- du hast das Blatt in deiner Hand gedreht, damit du das Rezept weiter lesen kannst -
… dann kommt die Messerspitze magisch potenter Goldstaub hinein.
Ganz wichtig, nach jeder Hinzugabe muss das geschmolzene Glas mit frischen Feuerfunken
gefüttert werden.
Na? raufst du schon die Haare?
Keine Sorge, fast alles steht im Vorratsschrank bereit. So ein übler Drecksack bin ich nun
auch nicht.
Schritt 3 – Tropfen formen und ablöschen
Denk daran, dass das Wasser nicht zu warm sein darf. Kühl es so weit hinunter, dass es
schmerzt, wenn du deine Finger hineintauchst.
Das wäre vorerst alles. Das Prägen des Glases übernimmt später jemand anderes.
Viel Erfolg! Du machst das schon.
Dein Meister
PS: Und wenn nicht, gibt es einen Mondlauf lang kein Bier!
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Mit vollem Einsatz
Du sitzt auf dem Boden. Vor dir der ehemalige Archon Tuachal und neben dir Rynerra, eine
Tochter Aminaahs. Du folgst dem Gespräch der beiden und schaust dich nebenbei im Lager
um, bis Rynerras Worte dich plötzlich in Aufregung versetzen. Sie spricht von der Rebellion,
versucht ihr Gegenüber davon zu überzeugen, dass nicht alle Khal'Hatrani Merth'Yar blind
folgen. Dabei hat sie offenbar vergessen, dass ein Darothssohn hinter ihr steht und zwar nicht
irgendeiner, sondern ein Angehöriger von Merth‘Yars Leibgarde. Rynerra befindet sich in
großer Gefahr, ohne es überhaupt zu bemerken. Doch wie sollst du sie auf die Situation
aufmerksam machen ohne euch zu verraten? Vorsichtig versuchst du sie anzusprechen, doch wie
erwartet ignoriert dich die Tochter Aminaahs. Warum sollte sie auch interessieren, was eine
Angehörige der Glut von ihr will? Da dir nichts anderes einfällt springst du auf und wendest
dich an den Darothssohn. “Würdet ihr mit mir trainieren? Als Angehöriger der Leibgarde
unseres Herrn Merth'Yar seid ihr sicher ein hervorragender Kämpfer.” Der Darothssohn sieht
dich verdutzt an, bevor er zustimmend nickt. “Vielen Dank Vollendeter, dass ihr mir, einer
einfachen Glutlerin, eure Zeit schenkt. Lasst uns doch einige Schritte gehen, wo wir mehr Platz
haben.” Du hoffst, dass dein Lächeln genug Dank und Anerkennung für den Darothssohn
ausstrahlt, damit das Training nicht zu schmerzhaft für dich endet. Du bemerkst, dass sich
Rynerra euch zugewandt hat und ihrem Blick entnimmst du, dass sie bemerkt hat wovor du sie
gerade bewahrst. Gut, immerhin ein Erfolg. Der Darothssohn setzt sich in Bewegung und du
folgst ihm.
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Stein um Stein
Langsam betrittst du den Tempel, vorbei an den Säulen, an denen die Banner mit den
Aspektsymbolen hängen. Du gehst weiter, bis du in das Zentrum des Tempels gelangst.
Vierzehn Steine stehen dort im Kreis, ein jeder gezeichnet mit einem goldenen Symbol. Sie alle
strahlen vor Kraft und du streckst deine Hand nach ihnen aus. “Bitte lasst die Steine an ihrem
Platz, Herr." Du hebst deinen Kopf und siehst einen der Diener des Tempels vor dir stehen.
Kurz runzelst du die Stirn. Es passt dir nicht, dass sie das Aussehen der Lona gewählt haben.
Da es sich bei den Dienern nicht um echte Lebewesen handelt, fehlen ihnen die feurigen
Emotionen, die du an dem Dienervolk so sehr schätzt. “Ich werde schon nichts kaputt machen.”
schnaubst du etwas genervt. Deine Hand hältst du knapp über den Steinen, denn auch so
kannst du die Kraft spüren, die in ihnen wohnt. “Ah, Wärme” Sagst du zu niemand
Bestimmtem, bevor du deinen Blick auf das Symbol richtest, das den Stein ziert, über den du
deine Hand gerade hälst. Du hattest Recht. Die geschwungenen Bögen mit der Öffnung zur
rechten Seite und der kleinen Flamme in der rechten oberen Ecke stehen für den Aspekt der
Wärme.
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Geduld und Wandel
Ungeduldig geht Cupa, das geliebte Kind des Wandels, vor dir auf und ab. Eigentlich wolltet
ihr in den Wald aufbrechen, aber wie das immer so ist, brauchen einige wieder mehr Zeit. “Ihr
müsst euch halt etwas in Geduld üben.” Ruckartig bleibt Cupa stehen und dreht sich zu dir um.
Erst da wird dir klar, was du da gerade gesagt hast und zu wem. Mist. Der wütende Blick auf
seinem Gesicht wandelt sich plötzlich zu einem Lächeln, das dir so gar nicht gefällt. Blitzschnell
greift Cupa in seine Tasche und drückt dir etwas in deine Stirn. Eine Essenzperle, bis oben
hin gefüllt mit der Kraft Aeris. Ohje.
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Was sie nicht weiß
Müde von der beschwerlichen Reise atmest du tief ein und wieder aus. Ihr habt es euch an dem
kleinen Feuer gemütlich gemacht. Entspannt hast du deine Augen geschlossen, als er damit
begann mit seinen schlanken Fingern durch dein rotes langes Haar zu streichen. Das wohlige
und vertrauensvolle Gefühl macht dich schläfrig. Du denkst dir nichts dabei. Seit Wochen seit
ihr nun schon gemeinsam unterwegs und zumindest du bist dir sicher, dass ihr inzwischen gute
Freunde seid. Du kannst ein Gähnen nicht unterdrücken und blinzelst einige Male, um der
Müdigkeit wieder Herr zu werden. Da fällt dein Blick auf deine anderen beiden Begleiter auf
der anderen Seite des Feuers. Irgendwas an ihren Blicken erscheint die merkwürdig, aber du
kannst nicht ganz erfassen, was es sein mag. Als sie deinen fragenden Blick bemerken, schauen
sie fort. Beinahe peinlich berührt. Doch das verwirrt dich nur noch mehr. Elgon hört auf, dir
durch das Haar zu streichen, schmunzelt und erhebt sich.
„Ich übernehme die erste Wache.“ sagt er und geht an den Rand des Lagers.
Irgendwas sagt dir, dass dir etwas entgeht, aber sie scheinen auch nicht vorzuhaben, dich
aufzuklären. Alles, was bleibt ist diese besondere Nähe, die du heute zu ihm spürst und ein
guter Schwung Verwirrung.
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Die wahren Worte Ignis
Wärme umhüllt dich, wie eine liebende Umarmung. Du schwimmst in einem Meer aus Gefühlen,
ambivalent und chaotisch und doch im vollen Bewusstsein, dass du beides sein kannst -
Sicherheit gebende Geborgenheit, oder verzehrende Gefahr. Dein Sein ist umfassend
gegensätzlich. Tiefe Liebe. Ausufernde Rache. ein immerwährender Kampf um das Leben
selbst, mit all seinen Facetten. Und so hallt deine Stimme in den Seelen jener wider, die an dich
glauben und berührt jene, die sich vor Ehrfurcht verneigen:
Ich bin Ignis.
Die ewige Flamme.
Der Funke der Schöpfung.
Mein Feuer brennt in euren Seelen und entfacht den Willen des Lebens.
Ich schenke der Welt Wärme und Existenz.
Zugleich verbrennt meine Leidenschaft das Alte, auf dass Neues entstehen kann.
Der ewige Kampf ist meine Natur, und niemals werde ich, noch meine Kinder
aufhören zu streiten, denn dies würde das Innerste unserer Existenz erstarren lassen.
Der Kreislauf von Asche, Glut und Feuersbrunst. Erinnert euch stets, meine Kinder!
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Hast du sie gesehen?
Dir fällt beim Sortieren verbliebener Schriftstücke, die man aus dem großen Feuer hatte retten
können, folgendes in die Hände:
Hast du sie gesehen?
Hast du gesehen? Dunkel lag über der Stadt,
doch im Tempel brannte das ewige Feuer.
Davor standen sie,
die Adepten der Flammen.
So jung, so neu und voller Hoffnung.
Hast du sie gesehen?
Die Schönen, die Schaffenden,
die in die Glut des Kommenden gehüllt sind?
Hast du sie gehen sehen?
Die Strebenden, die von ihr berührten,
die Hände erhoben zum Gebet?
Hast du sie gehört?
Die Klänge, das Singen,
die Schwerter, die Kämpfe?
Hast du sie gesungen?
Die Verse und Lieder der Dichter für eine Ewigkeit?
Wenn nicht, dann bist du noch blind, taub und stumm
und die Herrin Ignis hat dir ihre Gaben noch nicht gezeigt.
All das fragte man sie.
Jeden einzelnen.
Jede Seele, welche sich ersann,
diese Schönheit im Werk der Flammen mit allen Sinnen sehen und begreifen zu wollen.
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Als ich mich widersetzte
Wie er dasteht in seiner Arroganz. Du bist wütend auf diesen einst so stolzen Mann. Und du
bist voller Kummer, weil du seine Geschichte kennst. Schlussendlich ist auch er nichts anderes
als ein Werkzeug seiner Nyame. So wie die meisten aus der Linie der Kelche. Doch was ist nur
aus ihm geworden? Ein von Rache angetriebenes Geschöpf, blind vor Schmerz und Leid, voller
Machthunger und angefüllt mit dem Glauben daran, dass sein Weg von Schmerz, Schrecken
und Vernichtung eben der Eine ist. Jener, der sie retten wird. Jene, die er eigentlich schützen
will und die ihn nun dafür verachten. Ein Geliebtes Kind. Oder am Ende auch nur ein
Werkzeug des nächsten Ränkeschmiedes.
„Was ist nun, Kind des Feuers? Ich warte!“ holt er dich mit seiner angerauten, einstmals so
schönen Stimme aus deinen Gedanken und eure Blicke treffen sich. Fest umklammert hältst du
den geladenen Kristall des Kampfes, den er so begehrt. Avatar der Rache will er also werden.
Das Land mit seinem reinigenden Feuer überziehen. Dies soll der Wunsch der Herrin sein?
Wirklich? Die Zweifel in dir zerfressen dich.
„Mein Bruder“, beginnst du mit fester Stimme, „Ich habe all deine Prüfungen bestanden. Ich
bringe dir die Kraft des Aspektes Kampf.“ sagst du und zeigst ihm den Kristall, für den du und
andere geblutet haben. Er lächelt stolz, beinahe selig und wartet.
„Gutes Kind. Dann gib ihn mir und lass mich nicht länger warten.“ raunt er dir entgegen.
Du atmest tief ein. Das Symbol auf deinem Handrücken brennt. Auch sie scheint freudiger
Erwartung zu sein. Aus vollem Herzen bittest du die Herrin stumm um Vergebung, während du
an deiner Entscheidung für das Land festhältst.
„Nein.“ sagst du. Den Blick fest auf sein Gesicht gerichtet.
„Dieses Land braucht Heilung, nicht noch mehr Zerstörung. Ich gebe ihn dir nicht.“
Zorn erfüllt erst ihn und dann der Schmerz dich. Du beginnst zu laufen. Fort von ihm. Den
Kristall weiterhin fest umklammert, während ihre Wut dich umso härter trifft. Sie reißt ein Loch
in dein Sein. Kappt die innige Verbindung, die über eine Dekade gewachsen ist. Beendet ihre
Freundschaft zu dir, ihren Glauben an dich. und lässt nichts zurück. Nicht einmal Enttäuschung
oder Verachtung. Du spürst nichts. Sie lässt dich zur Strafe in einsamer Kälte zurück. Der
Preis für deine Entscheidung, für die Liebe zu streiten – bis zum Schluss, auch wenn der Preis
dafür war, dass sie dich erst einmal nicht mehr lieben würde.
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Carus und Cypria I
- Auf der Suche nach einem bestimmten Schriftstück fällt dir unerwartet ein anderes in die
Hände. Zuerst fällt dir die geschwungene Schrift auf, dann das wirklich alte Pergament. Du
lässt deine Augen über folgende Zeilen wandern -
Mein Name ist Tertullianus vom Volk der Lona. Ich bin Gelehrter und Chronist der Hallen
des immerwährenden Kampfes. So will ich von einer ehrenvollen und ruhmreichen Tat
berichten, wie sie kein zweites Mal in den Annalen der Hallen zu finden ist.
In einer dunklen Zeit gerieten wir durch den Feind in Bedrängnis. Wie schon in der
Vergangenheit, drohte den Hallen des immerwährenden Kampfes die Zerstörung durch unsere
verhassten Feinde. Sie belagerten den Tempel, doch wir hielten ihnen stand. Doch mussten wir
erkennen, dass auch unsere Kräfte Grenzen hatten. Der Feind war zu zahlreich und so sahen
wir letztendlich nur noch einen Ausweg, um den Tempel und uns zu retten: Er musste auf eine
andere Sphäre entrückt werden. Um dieses Unterfangen aber in die Tat umzusetzen,
benötigten wir Zeit, doch diese entglitt uns, wie Sand, durch die Finger. Von allen
Tempelwächtern, die einst geschworen hatten, den Tempel mit ihrem Leben zu beschützen,
standen nur noch die Tempelherrin Cypria und der Tempelwächter Carus aufrecht. Alle
anderen waren entweder durch die Hand des Feindes gefallen oder zu schwer verwundet, um
noch kämpfen zu können. Diese beide waren nicht nur durch ihren Dienst an der Herrin Ignis
miteinander verbunden, sondern auch in aufrichtiger Liebe zueinander. Damit sie ihre
bevorstehende Aufgabe erfüllen konnten, brachen wir die Tempelkrypta auf. Aus den alten
Gräbern unserer Ahnenhelden Acacius und Rosalia entnahmen wir dessen prachtvolle
Rüstungen und Wehren. Damit würden Carus und Cypria für den bevorstehenden Kampf
gerüstet sein. Unsere Ahnen werden uns diesen Frevel vergeben, denn auch sie gaben einst ihr
Leben für die Hallen. Die beiden Liebenden gingen hinaus, wohlwissend, dass ihr Leben am
heutigen Tage ein Ende finden würde.
- Du erreichst das Ende des Schriftstückes und lässt deine Augen über das Regal wandern.
Irgendwo muss sich die nächste Seite befinden... -
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Carus und Cypria II
- Du blätterst die Seiten des schweren Folianten um. Die Geschichte lässt dich nicht los -
Wir begannen mit dem Ritual der Entrückung und stimmten die wärmenden Choräle der
Honoria Vatia an, während der Feind draußen zu einem neuen Angriff auf den Tempel
überging. Welle um Welle, wie eine Sturmflut gegen eine Klippe, warf sich der Feind den
beiden Tempelwächtern entgegen, nur um an ihren scharfen Klingen zu zerschellen. Von
brennendem Kampfesmut beseelt, erschlugen Carus und Cypria jeden Feind, der es auch nur
wagte, der Tempelpforte zu nahe zu kommen. Sie kämpften mit solch einer Inbrunst und
Leidenschaft, wie wir es nur aus den alten Heldenlegenden kannten. Es war so, als ob die alles
verzehrende Flamme selbst aus ihrem Reich herabgestiegen wäre, um mit ihrem brennenden
Zorn durch unsere Feinde zu wüten.
Mit unserer letzten Kraft beendeten wir das Ritual und rissen den Tempel aus dem Gefüge
des Diesseits. Wir hatten es geschafft. Der Tempel war in Sicherheit, doch zu welchem Preis?
Einige von uns hatten diesen enormen Kraftaufwand nicht überlebt und das Schicksal von
Carus und Cypria war uns ungewiss.
Die leblosen Körper unserer Feinde säumten das Feld zu Hunderten. Ihr Blut hatte den Boden
dunkelrot gefärbt. Auf einem gewaltigen Haufen von erschlagenen Feinden fanden wir Carus
und Cypria. Blutend aus unzähligen Wunden sowie vom Lebenshauch verlassen, aber in inniger
und liebevoller Umarmung. Sie blieben ihrer Aufgabe bis zum letzten Atemzug treu und gaben
ihr Leben für den Tempel. Ihr Opfer wird nie vergessen sein und als Vorbild künftiger
Generationen dienen. Während wir dem Feuer ihre sterblichen Körper übergaben, wird eins
gewiss die Ewigkeit überdauern: Das unsterbliche Band ihrer Liebe.
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Von Mut und Freiheit I
Brief von Dalanor an Amara Seite 1
Ewig währendes Licht des goldenen Wagens scheine dir, Schwester der Flammen.
Erinnerst du dich? Du fragtest mich vor längerer Zeit schon, welche Erinnerung mich am
meisten mit den Gaben der Herrin verbindet und ich habe tatsächlich lange überlegen müssen.
Und das, was mein Herz am meisten berührt hat, ist eine Geschichte die mir Falena an einem
dieser kalten Abende im Winter erzählt hat, der nur durch die Wärme des Feuers erträglich
wurde und darum schicke ich sie nun dir in der Hoffnung das sie auch dich erreicht und würdig
ist, bedacht zu werden.
Es trug sich zu, dass ein Mann und seine Familie lange und schwer für ihren Herrn gearbeitet
und ihm viele Jahre gedient hatten. Sie hatten sich nie beklagt und doch sah und hörten sie von
jenen, die ihre eigenen Herren waren und deren gütige Herren ihnen die Freiheit für ihren
Dienst gegeben hatten. Und so wünschte er sich nichts mehr, als dass seine Kinder ihre Wege
auch selbst wählen dürften. So ging er eines Tages an den Hof des Herren und trat vor ihn
hin. Dort saß der Herr, in feiner Kleidung gehüllt, so rot wie das Blut und golden wie der
goldene Wagen selbst war der Reif, der sein Haupt zierte. Der Mann nahm all seinen Mut
zusammen und trat vor, kniete sich nieder und sprach.
„Mein hoher Herr, seit ich lebe, diene ich euch und eurer Familie. Und so wird es wohl sein, bis
mich die Ewigen zu sich rufen. Doch habe ich einen Wunsch und nur ihr könnt ihn mir erfüllen.
Darum stehe ich hier vor euch und frage... „Was kann ich tun, damit meine Kinder frei sind?“
Zuerst dachte der Herr, es sei ein Scherz und der Mann wollte ihn zum Lachen bringen. Dann
aber sah er, dass er es wohl ernst meinte und lächelte höhnisch.
“Frei sein sollen sie? Ich sage dir, was du tun kannst! Steige in dieser Nacht auf den Berggipfel
dort drüben.“
Der Gipfel, der vom Fenster aus zu sehen war, trug jedoch Schnee und Eis.
Nun gut, dachte sich der Mann. Das lässt sich schaffen. Doch der Herr hatte noch nicht zu
Ende erzählt.
„Wenn du es schaffst, dort oben im Eis und Schnee – nackt und ohne Kleider – eine ganze
Nacht zu überstehen, dann sollen du und deine Familie frei sein.“
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Von Mut und Freiheit II
Brief von Dalanor an Amara Seite 2
Und mit diesen Worten schickte er ihn fort. Der Mann aber, der weder seiner Frau noch den
Kindern von seiner Idee erzählt hatte, ging zu seinem besten Freund, um sich von ihm zu
verabschieden. Wie töricht war er gewesen, diese Bitte zu äußern und doch brannte der Wille in
ihm, dass seine Kinder nicht bleiben müssten, so sie es nicht wollten.
Wie aber sollte er diese Nacht überleben?
Am Abend klopfte es an der Tür und die Männer des Herren standen davor, denn sie hatten
die Anweisung, zu kontrollieren, dass der Mann auch wirklich auf den Berg stieg und die Worte
des Herren ausführte. Und so stieg der Mann mit schweren Schritten auf den Berg hinauf bis
hinauf zum Gipfel, der mit Schnee und Eis bedeckt war und Aeris Winde wehten, bitterkalt
und ohne Pause. Ein letzter Blick ins Tal und er entkleidete sich. Schutzlos stand er dort, in
seinem Herzen ein Gebet an die Herrin Ignis, sie möge seine Familie beschützen. Da flammt
auf dem gegenüberliegenden Berg ein Feuer auf. Sein bester Freund und seine Familie waren
gekommen. Sie stiegen auf den Berg, hatten alles mitgenommen, was sie für ein Feuer in dieser
Nacht brauchten und hatten es entzündet. Das Feuer in tiefster Nacht. Ein Feuer in tiefster
Nacht. Der Mann schaute auf dieses Feuer, das nur für ihn alleine brannte und ihn wärmte.
Und es ging die ganze Nacht nicht aus. Ebenso wenig wie sein Glaube an die Herrin. Und so
überlebte der Mann die Nacht im Schnee und Eis, mit Blick auf das Feuer, das für ihn
entzündet wurde und die Dunkelheit um sein Gemüt erhellte. Am frühen Morgen stieg der
Mann vom Berg hinab. Sein Opfer hatte in der Gemeinschaft Halt gefunden und seine
Familie war frei. Jedes Jahr ging er auf den Gipfel und entzündete ein Feuer für die Herrin.
So endete Falenas Geschichte und ich sage dir:
Nur, wer bereit ist Opfer zu bringen, wird am Ende dieses Feuer auch in anderen entzünden.
Möge die Geschichte offene Herzen finden und wir uns bald wiedersehen.
Dein Dalanor
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Die 5. Flamme der Rache
Du kniest auf dem Boden, vor dir siehst du Füße in edlem schwarz-goldenem Schuhwerk. Vor
Aufregung hörst du kaum, was der Mann vor dir sagt. Erst als er den schweren Mantel um
deine Schultern legt, ist deine Aufmerksamkeit wieder ganz bei ihm.
“Ernenne ich dich hiermit zur fünften Flamme der Rache. Du sollst der gleißende Schild sein,
der mein Reich schützt.”
Jubel erhob sich von den Umstehenden.
“Steh auf!”
Elegant erhebst du dich. Stolz und gerade stehst du neben deinem Herrn Merth’Yar, endlich
hast du dein Ziel erreicht und bist an der Spitze deines Volkes angelangt.
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Eridan
Du stehst am Rand einer Arena und beobachtest voller Spannung den Kampf. Es sieht
unausgeglichen aus. Auf der einen Seite ein Krieger, geschickt aber nicht mehr in der Blüte
seiner Jugend. Auf der anderen Seite ein Monster, dem grüne Tentakel das Gesicht
entstellten. Doch viel beunruhigender ist die riesige Schere, die wie als Waffe aus seinem Arm
wächst. Und auch sein Bauch, der sich zu einem mit Zähnen bewährten Schlund öffnet. Welch
Ungetüm. Entsetzlich und abstoßend.
Der menschliche Krieger schlägt sich gut und der Großteil der Menge scheint auf seiner Seite
zu sein. "Eridan" - Rufe erschallen von allen Seiten. Zusammen mit wenig hilfreichen
Ratschlägen. Nur an einer Ecke der Arena sind keine Siedler zu finden, stattdessen stehen
dort die Truppen der Libellenkönigin, um den Champion ihrer Herrin anzufeuern. Ein Raunen
geht durch die Menge und dein Blick wansert zurück in die Arena. Eridan ist nur knapp einem
Schlag der Krabbenscheere entkommen.
“Komm schon” murmelst du zu dir selbst. Es sind schon zu viele gute Krieger aus den Reihen
der Siedler im Kampf gegen diese Ausgeburt der Pestilenz gefallen. Du spürst, wie sich deine
Fingernägel vor Anspannung in deine Handballen graben. Dann herrscht plötzlich Stille,
bevor ohrenbetäubender Jubel erschallt. Mit einem widerlichen Schmatzen zieht Eridan sein
Schwert aus dem Körper des Ungetüms. Geschafft, die Krabbe ist tot. Menschen stürmen
vor, umarmen Eridan, klopfen ihm auf die Schulter und verbinden seine Wunden. Am heutigen
Tag wurde ein Held geboren und er brachte einen großen Sieg im Kampf gegen die
Verfemten.
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Sie, die uns einte
Schulter an Schulter marschierst du mit deinen Brüdern. Speer und Schild sind fest in deiner
Hand und das Klappern deiner Rüstung mischt sich mit dem tausender anderer. Während ihr
den sanften Hügel hinabgeht breitet sich vor dir das Heer des Feindes aus. Ein Meer aus
Schwarz und Blau, aus Kreaturen, deren Existenz wider die Elemente ist. Doch es sind so
viele. An vielen Stellen ragen riesige Golems aus den Reihen des Gegners. Kurz flattert dein
Herz, wehrt sich gegen den vorgegebenen Rhythmus der Kriegstrommeln. Angst lässt dir die
Haare im Nacken zu Berge stehen, denn du weißt genau, dass dies dein Ende sein wird.
Vielleicht werdet ihr es schaffen sie aufzuhalten, vielleicht nicht. Doch auf einen großen Sieg
darf niemand von euch hoffen.
Dann fällt dein Blick auf sie. In goldener Rüstung führt sie dein Volk an. Stolz reckt sie ihre
Waffe gen Himmel und lässt einen Kriegsschrei ertönen, der erst von einigen, dann von immer
mehr deiner Brüder und Schwestern aufgenommen wird, bis auch du in ihn einstimmst. Die
Angst verfliegt nicht gänzlich, doch wird sie zurückgedrängt. Stattdessen erfüllt Stolz deine
Brust, dass du an der Seite von Tienna in den Kampf ziehen darfst ist eine Ehre. Sie hat dein
Volk zu einer wahren Gemeinschaft geformt und ihm einen Sinn gegeben. Jetzt werdet ihr ihr all
dieses zurückzahlen. Noch einmal lässt du einen Schrei ertönen, dann stürzt du dich in die
Schlacht.
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Mutterliebe
Du bist allein in deinen Gemächern im Palast. Als Tochter Aminaahs ohne wichtigen Posten
hast du nur ein recht einfaches Zimmer, doch es reicht. Hat gereicht. Denn nun hat sich alles
geändert. Ein leises Geräusch lässt dich nach unten schauen, auf das kleine Bündel in deinen
Armen und ein Lächeln erhellt dein Gesicht. Sollte es wirklich so falsch sein, das eigene Kind
zu lieben? Im Reich der Rache war dies so, denn Kinder wurden nicht als Razash’Dai geboren
und konnten auch nicht direkt entbrannt werden. Sie galten als Schwäche für die Mutter im
Ränkespiel um Herrschaft und Macht. So hattest du es geheim gehalten, dass du ein Kind
unter dem Herzen getragen hast. Die Herrin Ignis allein weiß, wie dir dies gelang. Doch nun
musst du fliehen, denn niemals würdest du dich von dem kleinen Geschöpf trennen, das so
verletzlich in deinen Armen lag.
Es klopfte leise an der Tür.
“Herrin? Es ist alles bereit.”
“Ich komme.”
Du nimmst deinen Beutel und drückst dein Kind zärtlich an deine Brust. Auf zu den Rebellen,
auf zu einer Zukunft für dich und deine Tochter.
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Als würdig erwiesen
Erschöpft trittst du einen Schritt zurück. Dein Blick ist weiter auf deinen Gegner vor dir
gerichtet, der bewusstlos im Sand der Arena liegt. Seine Verletzungen sind zwar nicht zu
unterschätzen, aber er sollte es überleben. Dann hörst du die Stimme des Arenameisters, die
laut schallend bis zu den obersten Rängen hinauf reicht.
“Ich präsentiere euren Sieger Zahir.”
Er ergreift deine Hand und reckt sie in die Höhe und du hörst den Jubel der Zuschauer.
Dann geht plötzlich ein Raunen durch die Menge und der Arenameister weicht mit einer
Verbeugung vor der Frau zurück, die sich euch nähert. Ihr fließendes Kleid leuchtet in einem
hellen Rot und die Sonne spiegelt sich in den goldenen Ketten und Ringen die sie trägt.
Schnell sinkst du auf ein Knie und neigst den Kopf vor deiner Herrin.
“Du hast gut gekämpft.” Ihre Worte sind zwar an dich gerichtet, doch in der Stille der Arena
kann jeder der Zuschauer sie hören.
“Die Herrin Ignis sieht jene, die ihr treu sind und heute hast du in ihrem Namen den Jadesand
reichlich getränkt. Wir brauchen Männer, wie dich in den Reihen der Razash’Dai, die dem Ideal
nacheifern, das Daroth ihnen hinterlassen hat."
Dein Herz beginnt zu rasen. Was hat das zu bedeuten? Du wirst mit dem Ideal Daroths
verglichen? Dabei bist du doch nur ein Glutler. Dann bemerkst du die anderen, die hinter deiner
Herrin stehen und was sie bei sich tragen. Ungläubig schaust du deiner Herrin in die Augen
und siehst dort ein Lächeln.
“Ich gehe davon aus, dass du dich dem Parasiten als würdig erweisen wirst und mir bald als
Darothssohn zu Diensten sein wirst.”
Einen Parasiten? Du sollst einen erhalten?
“Natürlich Herrin!” Stolz schwingt in deiner Stimme mit. Auch wenn du weißt, dass der Prozess
des Entbrennens und der Vollendung auch schmerzhaft sein kann, nimmst du es gerne in Kauf,
um endlich ganz in Ignis aufzugehen und ein richtiger Razash’Dai zu werden. Ein wahrer
Darothssohn.
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Willkommen, Tochter
“Naima, ist alles in Ordnung?” Du schaust hoch zu deiner Herrin, ihr Blick ist nicht wirklich
sorgenvoll, aber zeigt doch ein gewisses Interesse an dir. “Ich weiß nicht Herrin.” Presst du
außer Atem hervor. Deine Brust hatte sich zusammen geschnürt und du hattest das Gefühl, in
dir staue sich ein heißes Feuer. Du versuchst deiner Herrin zu beschreiben, was du fühlst und
ein Lächeln erhellt ihr Gesicht.
“Na endlich, es hat ja auch lange genug gedauert. Du bist kurz vor der Vollendung Naima. Jetzt
tanz!” Sie winkt einigen Bediensteten, die sofort mehr von dem betörenden Rauchwerk
entzünden. Ein weiterer Wink und einer der umstehenden Glutler zieht dich auf die Beine und
beginnt dich in einem feurigen Tanz umherwirbeln. Zuerst ist dir noch etwas schwindlig, doch
schnell findest du den Rhythmus des Tanzes. Und dann löst sich plötzlich der Knoten in deiner
Brust und die aufgestauten Flammen können frei lodern. Du hast das Gefühl, dir würde Feuer
durch die Adern fließen, doch es ist kein Schmerz, der dich aufschreien lässt. Du bist
berauscht vom Duft der verbrannten Kräuter, der Leidenschaft des Tanzes und dem Gefühl
deines sich verändernden Körpers. Dann kommst du zum Stehen. Schwer atmend stehst du
vor deiner Herrin. Nein, nicht mehr deine Herrin. Dein Gegenüber greift hinter sich und zieht
eine Peitsche hervor. “Willkommen Naima, in den Reihen der Töchter Aminaahs” Du greifst
lächelnd nach der Peitsche.
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Alkohol und Feuerstein
Jemand reicht dir ein Buch. Es scheint noch nicht sehr alt zu sein, aber sorgsam gepflegt mit zahlreichen
Schriftstücken. Geschwungene Lettern, eng gesetzt, beinahe so, als wäre sich die Frau, die dir das
Buch überreicht hatte, sehr sicher, dass es nicht genug Platz für all die Geschichten geben würde, die
sie zu erzählen hatte. Dort liest du folgende Zeilen:
Die Prüfungen liefen weiter, es herrschte großer Zeitdruck und während die Waffenmeisteranwärter
sich in der Arena gegenüberstanden, hatten die Heileranwärter die Aufgabe sich darum zu kümmern,
diese zu heilen bevor diese die Arena, in der niemand sterben kann, wieder verlassen konnten. Denn der Schutz wirkt nur innerhalb der Grenzen. Ich wurde Volcos zugewiesen, ich hatte keine Ahnung, wie man ein solches Feuerwesen auch nur im Ansatz heilen kann. War mir nicht mal sicher, ob ich nach dem, was ich bei Hermann gesehen hatte, ihn wirklich anfassen konnte. Oder ob meine Kunst als Heilerin hier greifen würde. Er machte mir Mut, er war sich sicher, gute Chancen zu haben und ohne große Verletzungen den Platz zu verlassen. Aber wie das bei meinen Schützlingen so oft der Fall ist, schätzte er sich falsch ein. Damit war er weder allein noch er der Einzige. Jeder Heileranwärter hat fast jeden Waffenmeisteranwärter auf dem Arenaboden davon abgehalten zu sterben. Eine wahre Mammutaufgabe, dabei lernten wir nebenbei beim Probieren alle Besonderheiten der Waffenmeisteranwärter kennen, um auch wirklich jedem in jeder Situation helfen zu können. Genau dies war damals das Ziel und genau aus diesem Grund hatte man mir Volcos zugewiesen, schwer verletzt nach einem nahen Gleichstand im Kampf. Dieser lag am Boden, das Feuer erlosch und vor mir lag ein Stück Kohle. Ein glimmendes Stück, das gerade noch so zu mir flüstern konnte: „Entzünde mich!“
Zu diesem Zeitpunkt war ich nicht in der Lage zu zaubern. Es lag mir fern und war überhaupt nicht meine Sache. Also schrie ich nach jemandem, der Feuerstein und Stahl bei sich trug. Harten Alkohol hatte ich und so kippte ich also meinen Alkohol über ihn aus. Und während ich hoffte, dass mir irgendeiner Feuerstein und Stahl bringen würde, zauberte ein anderer Waffenmeisteranwärter für Magica einen Feuerfinger und entzündete den Alkohol, den ich gerade auf dem erloschenen Volcos ausgeschüttet hatte. Dankbar und erleichtert konnte ich mich kurz zurücklehnen. Volcos war innerhalb von wenigen Augenschlägen völlig geheilt und sprang herum, um gleich den nächsten Kampf zu bestreiten. Da ich hier nichts mehr zu tun hatte, unterstützte ich den anderen Heileranwärter dabei den Zweiten ebenfalls schwer verletzten und verbrannten Mann zu heilen. Was mich Volcos in diesem Moment gelehrt hat, war über meinen Schatten zu springen. Das Erste, was ich lernte, magisch zu tun, war Feuer zu entzünden, um im Zweifel auch immer für ihn da zu sein. Nach vielen Gesprächen zwischen uns beiden wusste er sehr wohl, wie sehr mir das zuwider war. Von da an ehrte er meine Bereitschaft, meine alten Wege zu opfern, um eine wahrhafte Waffenmeisterheilerin zu werden.
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Wie Feuer und Wasser gerungen haben
Dir fällt ein Brief in die Hände:
Wie Feuer und Wasser gerungen haben
Es geschah zu der Zeit, als die ersten Waffenmeister nach dem Weltenbrand ausgebildet
wurden. Darunter befand sich ein Bauer, der gerade erst zu eben jenem Feldzug dem
Westheer beigetreten war. Jener Bauer, Herrmann Eisenarm, ruhte sich im Schatten am
Rande der Übungen aus und sah, wie alle anderen Schüler des Elementes Aqua, darunter
auch ich, von dem Waffenmeister des Schwarzen Eises bei Kampfübungen eine Lektion nach
der anderen bekamen. Gerade war die letzte Aktion beendet worden, als sich in der glühenden
Hitze des Sommerfeldzuges eine Gestalt näherte. Das Feuerwesen sah mit hochnäsigen Blick
in die Runde und sprach:
"Ich bin Volcos, ein Waffenmeissterschüler Igniss und soll einen von Euch für meine Prüfungen
in einem Duell bessiegen! Wählt die Waffe!"
Wir sahen uns an, bevor wir aber reagieren konnten, erhob sich der schwer gewichtige Bauer
von seinem Platz, kratzte sich am Kopf uns zuckte mit den Schultern.
"Das wär dann wohl ich..."
Ich war gelinde gesagt schockiert, hatte der junge Mensch doch noch keinen großen Umgang
mit den Waffengattungen gelernt. Und auch sein Gegner schien diese Einschätzung zu teilen
und freute sich bereits sichtlich.
Aber Herrmann war angehender Waffenmeister Aquas und, auch wenn man es ihm nicht
zutraute auf Grund seiner einfachen Sprache und seines wohlgenährten Körperbaus, kannte
seine Stärken und Schwächen.
"Ich habe die Waffenwahl?" fragte er noch einmal unschuldig nach, sich einer Aussage seiner
eigenen Meisterin erinnernd.
"Dasss isst richtig..." antwortete Volcos siegessicher.
"Dann wähle ich Ringen."
Dem entsetzten Gesicht des Ignis Anwärters folgte das laute Lachen unsererseits. Die
Kämpfer bereiteten sich vor, die Arena wurde abgesteckt. Derjenige, der zuerst den Boden
außerhalb des Ringes berührte, sollte verlieren.
Nun fragt ihr euch sicherlich, woher der junge Eisenarm seinen Beinamen bekam.
Nun, er hob seinen Gegner mühelos hoch und trug ihn durch den Ring, um ihn dann sanft
außerhalb abzustellen. Sein Gegner gab ihm dann den Beinamen, da die scheinbar kleine Welle
sich zu einer Woge entwickelte und ihn chancenlos mitgerissen hatte.
gez. Tarabas Nightshadow, Waffenmeister Aquas
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Von Eis und Feuer
Wir finden und verlieren einander,
wieder und wieder.
Schwer sind die Herzen,
die nur wenig offenbaren.
Die Last auf meiner Brust lässt sich nur schwer benennen.
Während deine Zweifel die Luft erfüllen,
in diesen, unseren flüchtigen, Augenblicken,
sind Freiheits Schwingen gebunden.
In einem Moment, der längst vorüber -
unauffindbar.
Einem Blitzschlag gleich
verschwunden, in nur einem Atemzug.
Wie feiner Schnee, der den Fluss berührt,
dem Tod begegnend.
Wie Licht, das sich als Flut ergießt,
nur um dann verschlungen zu werden,
wo sich Schatten verbergen.
Wie kann ich solch Schönheit
noch einmal erleben und bewahren?
Wenn ich mein Herz in deine Hände lege?
Deinen Worten lausche, die Versprechen flüstern?
In unseren Gegensätzen verflucht.
In unserer Sehnsucht vereint.
Wir finden und verlieren einander,
wieder und wieder.
Schwer sind die Herzen,
die nur wenig offenbaren.
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Lange Nacht der Flammen
- die hier beschriebenen Gefühle erfassen dich unerwartet, nahezu so als erzählst du selbst
folgende Geschichte -
Unsere Herzen waren von einer stillen Dunkelheit umhüllt, seitdem der Konsul gefallen war.
Fahl, trostlos, leer und kalt war unser Dasein, wie eine Trance, die uns in die Dunkelheit zog.
Doch als die Akata kamen, brach das Licht über uns herein. Sie fachten das Feuer im
Heiligtum an, und das Flammenmeer, das aus der Asche empor zuckte, war wie der erste Hauch
eines längst vergessenen Morgens. Die Flamme, einst beinahe erloschen, flammte auf, und bald
stieg eine Säule aus Feuer in den Himmel, die bis über die Stadt hinaus sichtbar war.
Wie ein Ruf der Sonne zog das Licht uns an. Die Lona versammelten sich um den Tempel, von
der Wärme des Feuers ergriffen. Der Glanz des Feuers, der uns so lange fern gewesen war,
wirkte wie ein Zauber, der die frostige Trauer aus unseren Gliedern löste. Wir standen da,
bewegt und doch wie im Halbschlaf, als die Akata zu sprechen begannen.
„Das Feuer des Konsuls“, sagten sie, „stellt das Band zwischen uns dar, das nie ganz
verlöschen darf. Es erinnert uns an die Flammen der Vergangenheit, die uns immer miteinander
verbanden.“
Und mit diesen Worten zogen die Akata uns aus der Kälte unserer Trauer. Einer nach dem
anderen schüttelten wir den eisigen Mantel des Schmerzes ab, als ob das Feuer selbst unsere
Herzen zum Glühen brachte. Unsere Seelen, die so voller Kälte waren, waren nicht mehr leer,
sondern aufgeladen mit der Kraft des Feuers, das wieder in uns brannte.Überall um uns
begannen die Lona, ihre eigenen Feuer zu entzünden. Was früher der Trauer diente, wurde
nun zur Quelle der Erneuerung. Die Flammen flackerten, tanzten, versengten die Dunkelheit,
die uns umhüllt hatte.
„Lange Nacht der Flammen“, sagten sie. Und wir feierten – ein Fest, das nicht nur das Leben,
sondern das Feuer selbst ehrte. Es war, als ob die Flammen der Akata das in uns entzündeten,
was wir verloren geglaubt hatten!
In jener Nacht, als das Feuer über uns wogte, wusste ich: Das Licht der Flamme würde nie
wieder erlöschen.
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Der Tribun I
Du blickst auf kräftige Hände. Die Hände eines Mannes, der wusste, was Krieg bedeuten
mochte. Es sind nicht deine Hände, die folgende Zeilen niederschreiben und doch fühlt es sich
an, als seien dies deine Zeilen. Dein Triumph:
Bruder,
ich schreibe Dir mit schwerer Hand, doch nicht ohne Stolz. Der Himmel über Mitraspera ist
bleiern, der Wind trägt den Geruch von Asche und kaltem Eisen – aber in meinem Herzen
glimmt ein Feuer, das ich selbst kaum zu benennen weiß. Es ist kein loderndes, prahlendes
Flammenmeer – eher eine Glut, tief in der Brust, die trotz aller Stürme nicht erlischt.
Ich bin zum Tribun ernannt worden.
Du erinnerst Dich, wie Vater stets sagte: „Ein Mann steigt nur auf, wenn er weiß, wann er sich
beugt – und wann er standhält.“ Diese Worte loderten in mir, als man mir die Intrige vorwarf. Ja,
man beschuldigte mich, die Schlacht am Glutberg bewusst zu meinen Gunsten gelenkt zu haben
– als hätte ich Männer in den Tod geschickt, um mir einen Namen zu machen! Der Tribun,
Marcus Lentulus, war der Drahtzieher. Ich wusste ja, dass er mich auslöschen wollte, aber ich
hatte unterschätzt, zu welchen Waffen ergreifen würde.
Am Ende aber war es nicht seine Lüge, die obsiegte, sondern das Maß meines Willens. Er
unterschätzte, was einen fähigen Strategen ausmacht: nicht die Größe der Flamme, sondern
die Fähigkeit, sie zu kontrollieren – und zur rechten Zeit zu entfachen. Ich trage nun ein Band
aus Purpur. Die Männer erwarten mehr von mir. Kein Fehler darf mehr geschehen. Kein
Zögern.
Sag Vater, dass sein Sohn sich behauptet hat – nicht mit dem Schwert, sondern mit dem, was
er ihm beigebracht hat: dem Blick für Menschen. Der Geduld. Der Würde. Ich hoffe, der Wein
trägt reich in diesem Jahr. Und dass Du, Bruder, die Ernte ohne die Hilfe meiner kräftigen
Arme überstehst. Eines Tages, vielleicht, kehre ich heim – ohne Helm, ohne Rang. Nur als
Tiberius.
In Ehre und Flammen,
Tiberius
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Der Tribun II
Der Staub des Schlachtfeldes brennt in meinen Lungen, und der Lärm der kämpfenden
Legionen erinnert an das zornige Rauschen eines Feuers, das alles zu verschlingen droht. Ich
stehe auf einem Hügel und blicke auf den Feind, der uns in eine Falle gelockt hat. Unsere
Position ist schwach, die Flanken offen, und das feindliche Heer hat bereits die höheren Hügel
erobert – von dort aus kann und wird es wahrscheinlich wie ein loderndes Inferno auf uns
herabregnen.
Die Entscheidung liegt schwer auf mir: Rückzug oder Angriff. Ein Rückzug würde unsere
Männer in den flimmernden Abgrund des Chaos stürzen, verfolgt und verbrannt wie dürres
Holz. Aber ein Angriff auf den feindlichen Befehlshaber, der sich in einer nahezu
unbezwingbaren Stellung verschanzt hat, könnte unser Verderben bedeuten.
„Tribun, was werden wir tun?“ reißt mich die Stimme eines Centurio aus meinen Gedanken.
Seine Stimme klingt wie der letzte Funke in einer Welt voller Flammen.
Ich schließe die Augen für einen Moment und lausche dem Wind. Ob er eine Entscheidung
wisse, oder der Sturm sein würde, der alles mit sich zu reißen vermochte. Und er enttäuscht mich
nicht. Er weiß die Antwort. So wie auch ich.
„Wir greifen an,“ sage ich schließlich. Dieser Angriff würde der Funke sein, der das Feuer
entfacht – der einzige Weg, das Unheil zu bannen, bevor es uns verschlingen kann.
Unsere Legionen stürmen vorwärts, einem Vulkanausbruch gleich. Das Blut kocht in meinen
Adern, als wir die feindlichen Linien durchbrechen. Wir sind ein Flammenmeer, wild und
gnadenlos. Wir ringen uns bis zu ihrem Befehlshaber vor, und als der entscheidende Hieb
gegen ihn fällt, erlischt der Funke der Hoffnung in den Augen des Feindes.
Noch brennt jeder Atemzug in meiner Brust, als ich den Blick schweifen lasse. Der Preis
dieses Sieges ist hoch. Unser eigenes Feuer hat viele von uns verbrannt – zahllose Leiber von
Weggefährten und Kameraden leblos auf dem Boden verstreut. Der Rauch des Krieges liegt
über uns, und Trost in dieser Stunde ist mir nur die Gewissheit, dass jede Entscheidung auf
diesem Schlachtfeld das Feuer einer neuen Zukunft entfachen wird.
Ich mag der Funke gewesen sein, der die Flamme entzündete. Doch an diesem Tag hat das
Feuer uns alle verändert.
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Die schönste Feuerlilie I
Deine Hand hält inne und du wagst den letzten Pinselstrich nicht zu vollenden. Dein Blick
wandert über das Wesen, das du versuchst, auf der Leinwand zu verewigen. Nichts, aber auch
gar nichts scheint ihr gerecht zu werden. Ihrer Erhabenheit, ihrer Sanftmut, ihren wundervollen
Augen, in denen die Sonne selbst zu ruhen scheint. Das sanfte Glühen ihrer Haut, welches
eine wärmende Umarmung verspricht und ihr entrücktes Lächeln, in dem sich womöglich die
Geheimnisse dieser und anderer Welten finden lassen mögen. Sanft gehst du dem Fluss ihres
Haares nach. Lebendiges Feuer, das jedoch niemanden verbrannte, dafür jedoch mit seinem
Duft nach Feuerlilien zu betören weiß. Aber ihre Schönheit ist es am Ende gar nicht, was dich
verzaubert. Dies ist nur ein angemessenes Beiwerk für das, was diese Frau zu etwas ganz
Besonderem macht. Denn sie ist die schönste Seele, der du jemals begegnen durftest und wird
erfüllt von einem Herz, so groß, dass es die Welt umarmen kann und will.
Du hast sie einige Zeit begleitet. Du hast es erlebt. Ihre Liebe ist bedingungslos und rein.
Einem Lichtstrahl gleich, welcher selbst die dunkelste Seele berührte. Sie umarmt die Trauer
des Lebens ebenso wie die Freude, die Verzweiflung gleichsam, wie die Hoffnung. Du fühlst
dich in ihrer Nähe stets geborgen und inspiriert. Und wenn sie das Wort erhebt, oder ein Lied
anstimmt, dann ist es beinahe so, als stünde die Welt einen Augenblick lang still. Sie ist eine
Muse. Deine Muse. Und ihr Name vermag dich sowohl in Sehnsucht als auch in Frieden
versinken zu lassen.
So kommt er nahezu lautlos über deine Lippen: Na’Anash Nilee, schönste aller Feuerlilien.
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Der Trank - Elementklinge 5
Der Trank zischt leise, als er seine Kehle hinabgleitet. Der Kandidat verzieht keine Miene,
doch ich sehe das Feuer, das sich in ihm regt – es beginnt. Er hebt die Hand. Die Feuerklinge
liegt still auf dem Altar, aber die Luft um sie vibriert, als spürte sie ihn kommen. Als seine Finger
das Heft berühren, knistert es laut. Magische Fäden, glutrot, schnellen hervor und winden sich
um seine Hand. Sie flackern, pulsieren, sinken langsam in die Haut. Er steht ruhig, auch als der
erste Schub Hitze durch seinen Arm fährt. Keine Furcht, kein Zögern. Die Verbindung
wächst, wird dichter, tiefer. Die Klinge scheint sich zu regen, als würde sie ihn erkennen – als
wäre sie endlich vollständig. Der Ritualmeister spricht die letzten Worte, die Zeichen in der
Luft brennen kurz auf, dann flackern sie aus. Die Magie zieht sich zurück. Der Griff der Klinge
liegt nun sicher in der Hand des Kandidaten. Kein Fremdkörper mehr. Er hat sie gebunden.
Und sie hat ihn gewählt. Schwer atmend sinkt er auf ein Knie. Noch glimmt Magie unter seiner
Haut. Da tritt der Ritualmeister an ihn heran, reicht ihm einen kleinen, dunklen Trank – das
Gegengift gegen das, was ihn für das Ritual geöffnet hat. Der Kandidat nimmt ihn wortlos an.
Nur ein kurzer Blick – erschöpft, aber klar – bevor er trinkt. Ein Hauch Erleichterung kehrt in
seine Züge zurück. Die Flamme in ihm bleibt. Aber das Gift hat keinen Griff mehr auf ihn.
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Tagebuch des Carus I
Aufgeregt bist du als du folgende Zeilen hastig auf die leere Seite deines kleinen Notizbuches
schreibst:
Heute war endlich der große Tag und ich durfte mich, wie alle anderen 14-jährigen, dem
Initiationsritus unterziehen, um als Novize der Halle des Immerwährenden Kampfes
aufgenommen zu werden. Meine gesamte Familie war anwesend, als ich die Treppe zum Tempel
empor ging und über die Schwelle des großen Flügelportals schritt. Viele meiner Ahnen waren
angesehene Wächterinnen und Wächter des Tempels. Ich wollte mich in diese Tradition
einreihen und einer von ihnen werden. Davon hatte ich mein ganzes bisheriges Leben geträumt.
Ich wollte unbedingt Tempelwächter werden, um meine Familie und mein ganzes Volk stolz zu
machen. Und der Tempel erhörte meinen Traum, befand mich für würdig und ließ mich
passieren. Er gewährte mir den ersten Schritt auf dem ehrenvollen und harten Weg eines
zukünftigen Tempelwächters. Auch jetzt, wo ich zur späten Stunde hier sitze und diese Zeilen
schreibe, bin ich immer noch dabei das alles zu realisieren, dass mein Traum wahr werden darf.
Es liegt an mir, mich in den nächsten entbehrungsreichen Jahren meiner Ausbildung als würdig
zu erweisen, um von den Tempelwächter und -wächterinnen als einer der ihren in ihre
Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Nur eines empfang ich am heutigen Tage als
ungewöhnlich. Auch Cypria war unter uns Heranwachsenden, die ins Noviziat aufgenommen
werden wollten. Sie ist klein und zierlich. Ja genau genommen sogar sehr schmächtig und eher
von stiller Natur. Ihre Stimme habe ich bisher selten gehört und wenn doch, sprach sie eher nur
recht kurz und leise. Sie ging Ärger aus dem Weg und schien von einer Aura der
Unscheinbarkeit umgeben zu sein. Anders konnte ich es mir nicht erklären, warum sie bisher so
selten von uns anderen wahrgenommen wurde. Ich selbst pflegte außerhalb der Schule keinen
Umgang mit Cypria, da sie so ganz anders war als wir. Keine zukünftige Tempelwächterin sollte
man meinen und dennoch stand sie heute früh vor der Halle des Immerwährenden Kampfs, um
sich dem Initiationsritus zu unterziehen. Niemand von uns war davon überzeugt, dass dieses
kleine zierliche Mädchen das überstehen würde. Und jetzt kommt das Seltsame an der
Geschichte: Als sie die Schwelle zum Inneren des Tempels überschritt, passierte ihr nichts.
Ganz im Gegenteil sogar. Kaum hatte sie die Schwelle übertreten, schien Cypria wie
ausgewechselt zu sein. Ihr Blick war erhaben und entschlossen. So, als ob plötzlich eine ganz
andere Seele in ihrem Körper innewohnen würde.
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Tagebuch des Carus III
Du zückst deinen wertvollen Begleiter, das Notizbuch, denn Folgendes kannst und willst du
niemand anderem anvertrauen. Zumindest jetzt noch nicht!
Gestern Nacht ist es plötzlich passiert. Cypria und ich kamen uns sehr nah. Wir saßen
zusammen an unserem Lieblingsplatz, dem großen Baum, der außerhalb der Tempelanlage
inmitten des Lavendelfelds steht. Hier waren wir bisher oft, wenn wir nach Ruhe vor allen
anderen suchten und einfach nur für uns sein wollten. Die Nacht war sternenklar und der
silberne Wagen schien hell am Firmament. Wir hatten uns an den Baum gelehnt, genossen die
Wärme der Nacht und redeten, so wie wir es immer an diesem Ort taten. Uns trieb die Frage
um, was uns die Zukunft wohl bereithalten würde, jetzt wo wir Tempelwächterin und
Tempelwächter waren. Dann sahen wir hinauf zu den Sternen und ließen uns von ihrem Schein
faszinieren.
Unsere Blicke trafen sich und dann, vollkommen unerwartet, küsste sie mich. Ein wohliges,
warmes und kribbelndes Gefühl durchfuhr meinen Körper. Ich fühlte mich so leicht, als ob ich
jeden Moment vom Boden abheben und davon schweben würde. Mein erster Kuss. Mit
Cypria. Welch wundervoller Tag!
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Tagebuch des Carus IV
Ein vertrautes Gefühl, die rauen Seiten deines alten Notizbuches unter den Fingerspitzen zu
fühlen. Dennoch sind deine Zeilen hastig und du lässt deine Seele in die folgenden Worte
hineinfließen:
Dies sind die letzten Zeilen, die ich niederschreibe, denn mein Leben als Tempelwächter wird in
Kürze enden und ich werde damit meine Aufgabe erfüllt haben:
Der Feind hat die Treppe zum Tempel erreicht. Meine geliebte Cypria und ich sind die
einzigen Tempelwächter, die noch aufrecht stehen und kämpfen können. Alle anderen unserer
Wächterbrüder und -schwestern sind entweder tot oder zu stark verletzt. Unsere gelehrten
Brüder und Schwester wollen die Halle des Immerwährenden Kampfes auf die Sphäre der
brennenden Herrscherin entrücken. Damit dieses gelingt, benötigen sie Zeit, aber diese haben
wir nicht mehr, denn die Schutzbarriere ist nur noch so dünn, wie der Seidenschleier einer
Feuertänzerin. Cypria und ich haben uns der Möglichkeiten beraten, wie wir den Tempel retten
können. Wir werden uns, ganz unseres Credos als Tempelwächter entsprechend, opfern und
jeden Feind vor dem Tor erschlagen, der es auch nur wagt, sich dem Tempel zu nähern. Damit
verschaffen wir den Priestern die Zeit, die sie brauchen, um den Tempel zu entrücken. Für
dieses Vorhaben benötigen wir die besten Waffen und Rüstungen, die die Hallen besitzt. Da
unsere Lage verzweifelt ist, werden wir in die Krypta hinabsteigen und die Gräber unserer
Ahnenhelden aufzubrechen. Wir benötigen ihre meisterlichen Klingen und ihre stählernen
Rüstungen. Sie werden uns unseren Frevel vergeben, denn auch sie gaben eins ihr Leben für
den Tempel und hätten genauso gehandelt. Bevor Cypria und ich hinausgehen, um unser
Schicksal zu erfüllen, werden wir ein letztes Mal zusammen beten und die vertraute Zweisamkeit
unter Liebenden genießen. Möge die flammende Herrin unsere Klingen führen, damit die Halle
des Immerwährenden Kampfes gerettet werden kann.
Gez. Carus, Sohn des Aelius und der Gaea.
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Der letzte Avatar I
Du sitzt in einem dunklen Zelt auf dem Boden vor einer Schlafstätte. Draußen ist es kühl, aber
nicht hier drinnen. Hier ist es warm. Er ist warm. So richtig fassen kannst du es nicht auch wenn
er nur eine Armeslänge von dir entfernt auf den Fellen sitzt. Hier, in diesem einfachen Zelt.
Hochgewachsen, schön von Gestalt und doch mehr Haudegen als Schönling. Gebannt
lauschst du seinen sanften Worten, während er dir und deiner Freundin, der Halbelfe, eine
Seite von sich zeigt, die wohl nur wenige von ihm kennen. Er wird vergehen. Bald. Die Zeit der
Avatare ist bald vorüber heißt es. Seit ihr diese Offenbarung gehört habt weicht ihr diesem
Wesen nicht mehr von der Seite. Du und deine Freundin. Doch während ihr wehmütig und
sorgenvoll auf sein Antlitz blickt, so lächelt er euch doch nur warm zu. Er hat sich die Zeit
genommen, nur für euch zwei. Und ihr redet. Über das Sein und das Vergehen. In der
Gelassenheit seiner Haltung und seiner Worte liegt etwas Beruhigendes.
„Ich sterbe nicht. Sterben ist etwas für... nun... Sterbliche.“ er zwinkert.
„Was sollen wir denn aber ohne dich tun? Du bist doch unser Leuchtfeuer. Du gehst voran, wo
wir es nicht wagen.“ sagt die Halbelfe mit belegter Stimme.
„Nun, dann müsst ihr es eben wagen.“ sagt er ruhig und seine goldenen Augen legen sich auf
dich. Nachdenklich betrachtet er dich als sehe er etwas in dir, was du noch immer nicht
verstanden hast. Ein sanftes Lächeln legt sich auf seine Züge und er fährt fort:
„Ich sterbe nicht, meine Kinder. Ich leide allerhöchstens vorübergehend an einem Zustand von
Nichtexistenz. Und da ich nicht weiß, wie lange das andauern wird müsst ihr meine Aufgabe
übernehmen.“
Du musst lächeln. Du glaubst ihm. Du möchtest ihm unbedingt glauben und umfasst die Knie
vor deiner Brust.
„Und leuchten?“ fragst du nachdenklich.
Er nickt bedeutungsschwanger. „Und leuchten.“ bestätigt er.
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Der letzte Avatar II
Der Staub vom Schlachtfeld brennt in deinen Augen und jede einzelne Faser deines Körpers
schmerzt. Du atmest schwer und eigentlich willst du das, was unausweichlich ist, nicht hören. Die
Halbelfe steht vor dir. Das Gesicht von Tränen überströmt. Ihr schwarzes Haar von den
Kämpfen um das Leben anderer zerzaust, ihre Kleidung gezeichnet vom Schmutz des Krieges.
„Es ist vorbei, oder?“ fragst du mit schwerer Stimme und umklammerst den Streitkolben in
deiner Hand fester. Sein Geschenk an dich.
„Er ist gegangen, Sylvana. Ich konnte ihn nicht festhalten. Er ist fort!“ weint die Halbelfe und
fällt dir in die Arme. Du schweigst. Der Schmerz bricht sich mit jedem ihrer Schluchzer auch
durch deine Seele Bahn. Deine Augen verlieren jeden Fokus und du blickst über deine
weinende Freundin hinweg zum Horizont. Dort, wo die Sonne gerade dabei ist den Tag zu
verabschieden.
Deine Augen werden feucht und dennoch musst du lächeln.
„Dann ist es jetzt an uns.“ flüsterst du über ihren Schopf hinweg. „Machen wir ihn stolz.“
Die Halbelfe schnieft und ihr kummervoller Blick wird von Entschlossenheit abgelöst. Sie
nickt.
Du nickst ebenfalls und hebst die Hand, um der Sonne Lebe wohl zu sagen. Für heute. Für
den Moment. Bis morgen... Auf ein Wiedersehen!
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Eine Flamme geht, eine Flamme kommt II
Ungläubig schaust du in die Gesichter deiner Kameraden und Kameradinnen. Heute sollte
dein Tag sein. Heute war der Moment gekommen Volcos mit Stolz zu erfüllen, auch wenn er
nicht mehr unter euch weilte. Du hast vor wenigen Augenblicken deine letzte Prüfung zur
Waffenmeisterin bestanden, Bande zerschnitten und geopfert. Die Anstrengungen und
Überwindungen der letzten Monate würden dich in Teilen bis zu deinem letzten Atemzug
verfolgen und bluten lassen und nun stehst du am Kopf der Tafel und alle machen lange
Gesichter. Befinden sich in einem Zustand des Schocks und der Resignation. Man hatte
ihnen gesagt, dass sie nicht mehr gebraucht würden, jetzt, wo das Buch der Streitigkeiten
abgeschlossen und das 5. Siegel befreit sei. Es war ihnen nahe gelegt worden, die
Waffenmeister aufzulösen. Nein, eher befohlen – man hatte es ihnen befohlen!
Wut erfasst dich und du haust mit der Faust auf den Tisch. Zahllose Blick treffen dich.
„Niemand kann mir befehlen mein Amt niederzulegen, außer Ignis höchstselbst!“ sagst du voller
Entschlossenheit.
„Ich werde das Erbe meines Meisters nicht mit Füßen treten, weil selbst ernannte Heilige es
von mir erwarten und das sollte niemand von uns tun. Diese Welt braucht uns. Anders als zuvor
vielleicht, aber solange die Elemente nichts anderes sagen, bin ich ihnen weiterhin zu Diensten.
Ich habe das alles nicht geschafft, um nun beim kleinsten Widerstand aufzugeben!“
Mit jedem Wort verändert sich die Stimmung am Tisch. Deine Brüder und Schwestern lassen
sich anstecken, mitreißen, vereinnahmen. Weitere Fäuste landen auf dem Tisch. Zustimmende
Rufe werden laut als träfe sie die Erkenntnis mit Wucht. Schwere behandschuhte Hände
legen sich auf deine Schultern und der Dunkelelf nickt zufrieden.
„Volcos hatte Recht. Er wusste, dass der Moment kommen würde, wo du uns aufwecken
würdest.“
Er blickt in die Runde, ohne von dir abzulassen. Stolz und Hoffnung erfüllen dich.
„Wir tragen von heute an unser Erbe in eine neue Zeit!“
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Ein Hammer voller Rache
Viel siehst du nicht, hauptsächlich die Rücken der anderen Schaulustigen, die sich um die
Arena scharren. Nur zwischendurch erhascht du einen Blick auf das Geschehen. Dieser
Mann dort musste Balor sein, ein Edelmann aus Zweiwasser. Die Waffe in seiner Hand
musste die rote Flamme sein, mit der Eridan Crabsbane kurz zuvor den Champion der
Libellenkönigin, die Krabbe der Pestilenz, erschlagen hat. Du reckst deinen Hals, um sie
besser erkennen zu können, während du den Gesprächsfetzen lauscht, die an deine Ohren
dringen “In dieser Waffe ist ein Rachegeist eingesperrt.” “Das habe ich auch gehört, es soll der
erste sein, der jemals ermordet wurde. “Wie haben sie es nur geschafft ihn in die Waffe zu
bannen?” “Sie haben ihn nicht gebannt, er ging freiwillig. Der Markgraf hat ihm versprochen, ihn
nach dem Tod der Krabbe frei zu lassen.” “Aber dafür müssten sie die Waffe zerstören. Das
würde Balor niemals zulassen, sie ist doch von Ignis gesegnet.” “Du weißt doch, dass
Opferbereitschaft eine Eigenschaft der Ignisleute ist. Und Ehre ist für sie doch auch ganz
wichtig. Balor muss sein Versprechen halten, um nicht ehrlos zu sein und dieses Opfer bringen.
Das sollte Ignis doch gefallen.” Plötzlich rücken die Leute vor dir ein wenig auseinander und du
erhascht einen Blick auf die Waffe. Es ist ein Kriegshammer, mit langem, mit rotem Leder
umwickelten Griff. Auch dein ungeschultes Auge erkennt, dass es sich bei der Waffe um ein
Meisterstück handelt. Während du ihn noch bewunderst, zerbricht Balor die gesegnete Waffe
und der Rachegeist ist frei.
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Balor, der Rote
Deine Augen folgen den Khal'Hatrani, die durchs Lager in Richtung Zweiwasser gehen.
Neugierig folgst du ihnen, denn du hast etwas von Flammenbrut gehört. Wollte nicht Balor der
Rote so einer werden? Deine Vermutung ist richtig, die Truppe nähert sich dem Markgrafen.
Sicherheitshalber hältst du etwas Abstand, denn die Krieger der Khal'Hatrani sehen recht
furchteinflößend aus. Es soll nun eine Art Ritual von Statten gehen, bei dem niemand
eingreifen soll. Gespannt beobachtest du das Geschehen und schreist fast kurz auf, als die
Krieger beginnen, auf den wehrlosen Markgrafen einzuprügeln. Niemand schreitet ein, niemand
hält sie auf. Als er am Boden liegt kniet sich eine Frau zu ihm hinab und flößt ihm irgendetwas
ein. Du vermutest einen Heiltrank, doch dann hörst du sie von tödlichem Gift sprechen. Wie
versteinert siehst du zu, wie Balors Atemzüge schwächer werden. “Die Herrin Ignis wird nun
entscheiden, ob Balor es würdig ist, eine Flammenbrut zu werden oder ob er hier sein Leben
lassen wird.” Du siehst nicht genau, wer diese Worte gesprochen hat, doch beginnen plötzlich
die umstehenden nach ihrem Markgrafen zu rufen und die Krieger der Khal'Hatrani scheinen zu
versuchen, Balor wiederzubeleben. Nach wenigen Minuten, die dir wie Stunden kommen
erwacht der Markgraf und springt auf.
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Der brennende Traum
Der Schmerz trifft dich, wie ein glühendes Eisen, welches sich direkt auf deine Stirn legt.
Unbarmherzig frisst es sich durch Fleisch, Muskulatur und Nerven. Es dauert einen
Augenblick, bis du deine Sicht wieder klar hast und deinen Fokus zurück auf deine Aufgabe
legen kannst. Heute ist der Tag an dem sie fallen wird. Deine alte Freundin. Diese Sünderin
an den Elementen und zahllosen unschuldigen Seelen. Was auch immer sie so sehr verändert
haben mag, du kannst ihr ihre Untaten nicht vergeben. Heute muss er enden, dieser faulige
Traum. Du blickst dich um und siehst die anderen beiden Frauen und deinen Schüler. Auch
sie versuchen sich aus dem Schmerz herauszuwinden und sich der Aufgabe zu stellen, für die ihr
entsandt worden seid. Eure Seele brennt. Nur so könnt ihr das Feuer, welches die Pestilenz
vernichten soll hier her bringen. In den Traum, wo sie sich verborgen hält. Die Worte der
Ostnyame hallen in deinem brennenden Verstand wieder. „Niemand wird jemals ganz ermessen
können, was ihr heute für jede lebende Seele auf Mitraspera opfert.“
Ihre Worte kommen dir noch einmal in den Sinn, als du die Traumwandlerin in deine Arme
schließt. Wie eine alte, wiedergefundene Freundin. Ihr Schrei ist voller Wut, Verzweiflung und
Pein. Du wirst der Anfang ihres Endes sein. Die anderen schließen sich dir an und die Hexe
brennt. Ihre Schreie fressen sich in deinen Verstand. Aus tiefster Liebe zu dem Wesen,
welches sie einmal war, übst du heute Rache. Du entschwindest in einen brennenden Traum,
bevor dein Geist in die Dunkelheit stürzt. Alles, was bleibt, ist ein „Lebe wohl“ und Schmerz.
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Amatheia und die Erschaffung des Schwarzen Eises
Vor dir erscheint das Bild einer in weite Kleider gehüllten Frau. Kunstvoll drapiert liegen die
Falten auf ihren Schultern, darüber ein halbdurchsichtiger Schleier, der ihre Haare bedeckt
und ihr Gesicht vor dir verbirgt.
Obwohl du ihre Gesichtszüge nicht erkennen kannst, folgt dein Blick dem ihren zum Horizont.
Du schaust über eine weite Ebene, das Gras wogt wie ein grünes Meer im Wind eines
Spätsommerabends. Die Steine, an die du dich lehnst, haben die Sonnenhitze des Tages
aufgenommen und wärmen dir angenehm den Rücken. Eine friedliche Szene.
In weiter Ferne kannst du Bergkämme erkennen, über denen schwere, schwarze Wolken sich
sammeln. Ein Sommergewitter? Die Gestalt schließt die Augen, schickt ihren Geist auf
Wanderschaft und du wanderst mit ihm. Die Wolken werden schwarz wie Tinte, die in den
Himmel hinein tropft wie in klares Wasser. Du fröstelst. Die Dunkelheit breitet sich rasant aus,
bringt Kälte mit sich, die mit nadelspitzen Zähnen in deine unbedeckte Haut beißt, der warme
Fels im Rücken schon vergessen.
Aber du verspürst keine Angst. Zufriedenheit macht sich in dir breit, ein warmes, freundliches
Gefühl. Selig lässt du dich treiben, den Blick gen Himmel, ein Lächeln auf deinen Lippen. Du
bist nicht allein, du spürst, dass viele andere denselben Weg mit dir gehen, dich halten, dich
stützen und du lässt dich für einen kurzen Moment einfach treiben.
Zweifel durchzucken dich wie ein Blitz. Etwas stimmt nicht. Vorsichtig versuchst du dich
umzusehen, aber der Strom ist längst zu stark. Selbstaufgabe. Hingabe. Du bist Teil von
etwas wahrlich Großem, gib dich hin, gib dich auf. Was bringt es, sich zu widersetzen?
Schrecken mischt sich mit dem wilden Klopfen deines Herzens und dem Donnergrollen, als du
zu dir selbst zurückkehrst und dabei doch etwas von dir selbst zurücklässt, dem Gefühl des
Friedens nun beraubt. Der Himmel ist pechschwarz geworden, die Wolken sind aufgetürmt wie
die Mauern einer Festung. Du hast das Gefühl zu ersticken, zu ertrinken. Flucht oder Kampf,
wie entscheidest du dich?
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Varenia stirbt und wird zum Phönix
Die Erinnerung beginnt mit einem Schmerz, der dich in die Knie zwingt. Eine Klinge, tief in
deinem Herzen, aber als du danach greifst, berührst du nur deine eigene, blut besudelte
Kleidung. Das Bild vor deinen Augen verschwimmt vor Tränen, ein Schrei purer Verzweiflung
steigt in dir auf, erreicht deine zugeschnürte Kehle und zerreißt die Stille. Du erkennst deine
Stimme nicht wieder, tastest zitternd und bebend nach der Hand, die sich auf deine Schultern
legt. Dein Bruder, er lebt, du greifst mit bloßen Händen nach seinen gepanzerten Fingern,
ungeachtet der scharfen Kanten. Ihr macht euch ganz klein, seid noch einmal zwei Kinder, die
beieinander Schutz suchen.
“Sie ist tot, sie ist tot, Mutter, sie ist…” Die Worte verhallen, werden sinnlos. Was können
Worte an dieser Stelle noch bewirken?
Tot durch eure Hände. Erlösung, aber zu einem Preis, den dein Verstand nicht begreifen kann,
nicht begreifen will. Ihr habt sie erschlagen. Kein Feind, kein Ewiges Schwert. Ihr.
Du drückst dein Gesicht gegen den kalten Nos'Gorioth-Stahl, presst die Augen zusammen.
Licht. Feuer. Dein Bruder wirft sich schützend vor dich, aber es gibt nichts, wovor er dich
schützen muss. Der erschlagene Körper löst sich auf in Flammen, verwandelt sich in funkelndes
Rot und Gold, während du dich zurück auf die Beine kämpfst.
Wärme. Ein letztes Mal empfängt sie dich, als der Feuervogel seine Schwingen ausbreitet und
der Feuerhauch die beiden Geschwister umfängt. Kein Schmerz mehr. Die Klinge gleitet
lautlos aus deinem Herzen und verwandelt sich in das Gefühl der Geborgenheit. Mit
angehaltenem Atem schaust du zu, wie sich der Phönix der letzten Reste seiner Asche
entledigt, ein letzter Blick aus Augen, die dich dein ganzes Leben lang begleitet haben - und
dann ist er fort. Hoch in die Lüfte, dem Goldenen Wagen entgegen.
Du stehst und schämst dich deiner Tränen nicht. Weißt nicht, wie viel Zeit vergeht, bis ein
einzelner Ruf die Stille zerbricht.
Varenia! Ein Schrei wie Donnerhall, der Schmerz der ganzen Welt darin.
Dein Bruder und du, ihr dreht euch gleichzeitig um. Spürt ihn mehr, als dass ihr ihn ausmachen
könnt, in den Trümmern des Schlachtfeldes und den schwelenden Feuern.
Vater, wir sind hier. Wir sind noch hier.
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Der letzte Funke
Du blickst herunter auf die Seite eines Buches. Zitternde Finger schreiben mit krakeliger
Schrift diese Zeilen.
Der letzte Funke
Ein Funke glimmt in dunkler Nacht,
vom eis’gen Hauch fast hingerafft.
Er trotzt der Schwärze, klein und schwach,
ein Stern, verbannt ins Weltenfach.
Er flackert auf, er bäumt sich auf,
er ringt mit letzter Kraft hinauf.
Die Finsternis, so schwer, so dicht,
verschlingt sein zitternd, zaghaft Licht.
Der Sturm erhebt sich, kalt und rau,
er zerrt an ihm, erbarmungslos.
Verloren in der Schatten Bau,
verbleibt ihm nichts als hoffnungslos.
Und endlich sinkt er, sacht verweht,
vom dunklen Mantel sanft umschwebt.
Ein Hauch von Glut, ein leiser Schein,
verlischt – und bleibt Erinnerung sein.
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Dann kann ich nicht bleiben
Der Wind rüttelte an den Fensterläden, doch das wahre Unwetter tobte zwischen euch. Die
Kerzen warfen flackernde Schatten an die Wände, während du in der Mitte des Raumes
stehst, die Arme verschränkt, die Lippen schmal vor unterdrücktem Zorn.
„Wieder hast du die Beherrschung verloren, Artorius!“
Deine Stimme bebt, doch nicht vor Angst – vor Wut. Artorius lässt die Tür hinter sich ins
Schloss fallen und schüttelt den Kopf.
„Nicht schon wieder, Porcia. Ich habe mich nur gewehrt!“
„Wehren?“, schnaubst du und trittst einen Schritt näher.
„Du hast geschrien, du hast zugeschlagen, und alle haben dich angestarrt, als wärst du ein
wildes Tier! Ich kann das nicht mehr mit ansehen!“
Seine Hände ballen sich zu Fäusten.
„Was erwartest du? Dass ich mich erniedrigen lasse? Dass ich einfach schweige?“
Du schüttelst den Kopf, dein Blick ist kühl.
„Ich erwarte, dass du lernst, die Flamme, die so heiß in dir brennt, zu kontrollieren."
„Vielleicht bin ich eben so!“ Artorius’ Stimme hallt durch den Raum. Seine Brust hebt und
senkt sich rasch. Seine Augen funkeln vor unterdrücktem Zorn.
„Vielleicht kann ich mich nicht ändern!“
Du siehst ihn lange an, als würdest du nach etwas suchen – nach einem Funken von Einsicht,
nach einer Spur von Reue. Vielleicht auch nach dem, was dich eins aus ehrlicher Liebe in seine
Arme geführt hatte. Doch in seinen Augen war nur Trotz.
„Dann kann ich nicht bleiben.“
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Amatheas Platte
Der schattenhafte Pinsel/
Von meisterhafter Hand geführt/
Den Horizont mit kalten Strichen füllt/
Und inmitten seines Schwungs/
Zum Gemälde perfekter Hingabe/
Eines Lona Blick erstarrt.
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Wenn nichts übrig bleibt
Der Moment, in dem die Realität zerreißt und man durch den Schleier fällt kündigt sich
leise an. Flüsternd. Kaum greifbar. Du spürst, wie die Luft in deiner Lunge brennt.
Dein Atem geht schnell, das Herz hämmert gegen die Brust. Du fühlst deinen eigenen
Pulsschlag in deinem schmerzenden Kopf. Dröhnend. Laut. Du blickst dich um, kannst
aber niemanden sehen. Schweiß läuft dir über die Stirn. Die kühle Luft streicht über
deine Haut. Du bist allein. Niemand ist dir durch den Sumpf gefolgt, der so tief in den
Wald führt, den sonst niemand betritt. Es ist still. Deine Beine bleiben stehen und mit
ihnen die Welt um dich herum. Schon die ganze Zeit hast du das ziehen an dem Band
gespürt, was dich und die Person, die dir alles bedeutet, verbindet. Ein ziehen, was von
Unheil flüstert, aber du hast versprochen, nicht umzukehren, egal was passiert. Dann
riechst du Rauch. Rauch von getrocknetem Birkenholz. Das ist die Ankündigung…
Deine Welt kippt. Der Schleier zerreißt. Das Brennen in der Lunge ist nun
unerträglich. Du kannst nicht atmen. Nicht entkommen. Du hörst die Stimme, die von
deinem Frevel berichtet. Deiner Verbrüderung mit dem Unheil. Du hast dich mit dem
Bösen verschworen. Hast Verderben über das Dorf gebracht! Das Letzte, was du
getan hast, war deiner Schwester zur Flucht zu verhelfen. Nun wird sie alle diejenigen
verfluchen, die für das Licht stehen…
Die Flammen umfassen dich noch bevor der Rauch dir das Bewusstsein raubt. Auch
wenn sie als Flammen der Reinigung bezeichnet werden, sind sie doch Flammen des
Zorns. Der Zerstörung. Die Flammen versenken nicht nur Haut, sie brennen das aus,
was seit deinem ersten Atemzug immer da war. Brennen den Ort nieder, wo einst
bedingungslose Liebe ihr zu Hause hatte…
Als die Realität wieder in ihr Gleichgewicht zurück findet weißt du, dass deine
Schwester tot ist. Die Flammen haben sie dir genommen. Nun gibt es nur noch Asche.
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Von Zwang und Freiheit
Vor dir steht eine junge Frau, sie trägt Kleidung in rot und braun. Zornig sieht sie dich
an, voller Entschlossenheit. Doch bevor sie dir widersprechen kann, hebst du eine
Hand. Dein Tonfall ist energisch und bestimmt. Er lässt keinen Widerspruch zu.
“Du wirst einst eine Feuertänzerin und vermutlich eine der mächtigsten. Wenn es an der
Zeit ist, wirst du gehen, um zu leben.”
Die Frau vor dir nickt. Sie sieht nicht glücklich aus, doch du hoffst sie wird deinem
Befehl gehorchen. Gedankenverloren streichst du über die Peitsche, die an deinem
Gürtel hängt. Dann kommt ein Krieger angerannt, verneigt sich kurz vor dir.
“Sie sind hier.”
Du nickst, greifst zu deiner Waffe und folgst dem Krieger hinaus. Noch einmal wandern
deine Gedanken zu der Frau und ihr Name hallt in deinen Gedanken wieder, bevor du
dich in die Schlacht stürzt. Aschana.
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Die schönste Feuerlilie II
Du bist zutiefst bestürzt. Ein Gefühl, dass dir bisher nur wenig vertraut ist. Mit wehem
Herzen schreibst du rasch die geschwungenen Zeichen deines Volkes auf das
Pergament. Von Verzweiflung getrieben, aber auch voller Hoffnung, dass sie deinen
guten Freund bald erreichen würden.
“Maskarian, mein lieber Freund, mein Seelenhain,
ich schreibe dir in der Hoffnung, dass meine Worte dich so rasch erreichen, wie der
Wind deine Gedichte und Lieder in die Herzen der Menschen trägt. Das erste Mal in
meinem Leben fühle ich mich verloren. Meine Leichtigkeit droht mir zu entgleiten. Ich
stehe inmitten der Wirren dieser beiden Herzen, die mich mehr als alles andere zu
begehren scheinen und ich kann ihnen doch nicht die Hand reichen. Natürlich bin ich
voller Liebe für die beiden, sind wir doch nun seit Jahren enge Freunde, aber es ist nicht
jene Liebe, die sie sich von mir wünschen.
Ich habe versucht, es ihnen zu erklären. Den Umstand, dass ich sie nicht so lieben kann,
wie sie es verdienen würden, aber auch, dass es niemand anderen gibt und niemals geben
wird. Ich bin ihnen mit Dankbarkeit und Hoffnung begegnet, habe ihrer Wehmut und
auch ihrem Zorn Raum gegeben. Doch umsonst. Tincius und Galvin sind so zerstritten,
dass es mich fürchtet. Seit du fort bist und mit dir eine weitere mahnende Stimme fehlt,
die nicht die meine ist, wird es beständig schlimmer. Mein Dasein ist ein Fluch für die
Freundschaft dieser beiden wunderbaren Männer. Ihre unerwiderte Liebe zu mir macht
sie taub für Worte der Vernunft und blind für den Schaden, den sie damit anrichten.
Das erste Mal, seit ich aus dem Schlaf erweckt wurde, wünsche ich mir, dass es nicht
geschehen wäre. Ich bin verzweifelt und das erste Mal in meinem Leben voller Sorge.
Meine Nächte sind voller Bilder, die von blutigen Kämpfen handeln. Ich will diese Welt
doch bewahren und nicht Teil ihrer Zerstörung sein. Weder im Großen noch im Kleinen.
Maskarian, ich bitte dich. Komm zurück und bring die beiden zur Vernunft, bevor es zu
spät ist!
Die Elemente mit dir,
deine Anash”
Tränen tropfen auf die Tinte, noch bevor diese trocknen kann. Du willst doch Liebe in
die Welt tragen und nicht der Grund für Hass und Streit sein… was sollst du nur tun?
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Die schönste Feuerlilie III
Du lauschst dem sanften Knistern des Kaminfeuers, während du über die Zeilen
nachdenkst, die du über das Geschehen niederschreiben möchtest. Deine Hand, die
die Feder hält, zittert. Nicht aus Furcht, sondern weil du dich in diesem verwirrenden
Geflecht aus Erleichterung und Trennungsschmerz noch immer nicht befreien kannst.
So setzt du die Feder aufs Papier und unter das Knistern des Feuers mischt sich das
zarte Kratzen deiner Feder:
So erinnere ich mich, wie sie dort stand, inmitten von Chaos und Zerstörung. Noch nie
hatte ich sie so gesehen. Das Lächeln verschwunden, ihre Augen, tief wie die See, so
voller Schmerz. Sie hatte die beiden Rivalen zum Innehalten gebracht und eine
unheilvolle Stille hatte sich über das nicht ganz greifbare Geschehen gelegt. Der
Dichter in mir möchte schreiben, dass ihre Tränen wie flüssiges Gold waren, doch das
waren sie nicht. Sie waren klar und still. Sie war klar – und still. Und ich wusste, sie hatte
eine Entscheidung getroffen. Anash wollte nicht mehr Grund für diesen Konflikt sein
und auch keine Last mehr auf den Seelen ihrer beiden Freunde.
„Ich liebe euch.“ Kam es ihr mit nahezu erstickter Stimme über die Lippen.
„Aber nicht so, wie ihr es euch wünscht. Und das werde ich nie. Denn meine Liebe
gehört der ganzen Welt und nicht nur einer Seele allein.“
Dann wandte sie sich ab und ließ die beiden zurück. Und auch mich. Das Unvermögen
ihr Wesen in Gänze zu begreifen, hatte zu guter Letzt dazu geführt, dass sie aus
unserem Leben entschwand. Schlussendlich auch ohne sich noch einmal umzudrehen.
Und doch bin ich mir nicht sicher, ob ihr Schmerz schlussendlich nicht der Größere
gewesen sein mochte.
Ich glaubte sie, auch für mich, für immer verloren. Diese wunderbare Freundin. Diese
unbeschreiblich schöne Seele. Das glaubte ich…
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Betrug
Die Flüssigkeit gleitet zäh deinen Hals herunter. Auch wenn du versucht hast,
das nichts davon deine Zunge berührt, bleibt der bittere, scharfe Geschmack in
deinem Mund zurück. Zuerst breitet sich eine Wärme in dir aus, füllt deinen
Körper von deiner Mitte her, bis in deine Gliedmaßen. Deine Fingerspitzen
kribbeln, kurz bevor der Schmerz einsetzt. Dumpf und noch ertragend, greifst du
nach dem Heft der Waffe vor dir. Und irgendwie greift die Waffe auch in dich,
verbindet sich mit dir. Als würde sie eine Erweiterung deines Körpers werden,
eine Verlängerung deines Armes. Eine bisher unbekannte Euphorie überwältigt
dich. Dann schwankt das Gefühl, als die Waffe mit einer ungeheuren Macht auf
dich eindrängt. Die Waffe in deiner Hand beginnt zu zittern, als deine Hand ob
der immer tiefer gehenden Verbindung verkrampft. Eine Panik macht sich in dir
breit, bevor du dagegen hältst. Der Trank hat dich gestärkt und nicht
geschwächt, wie er es sollte! Alles läuft nach deinem Plan! Die Waffe zieht sich
zurück, doch du hältst sie fest mit einem übermenschlichen Willen. Aus deinem
Augenwinkel siehst du noch, wie der Ritualmeister nach dir greifen will, um das
Ritual zu unterbrechen, doch mit einem gequälten Schrei gibst du der Waffe mit
deinem Willen einen Stoß und alles um dich herum wird dunkel.
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Unbehagen
Du sprichst mit deiner Freundin. Das Gefühl jahrelanger Vertrautheit
durchflutet dich jedes Mal, wenn du ein Gespräch mit ihr führst. Doch dieses Mal
ist etwas anders. Du kannst es nicht ganz ausmachen, aber seitdem sie sich an
diese lebendige Waffe des Wassers gebunden hat, fühlt sie sich anders an. Ihr
Wesen hat sich verändert, als wäre ein Teil ihrer selbst verschwunden und mit
etwas anderem ersetzt worden. Aber viel mehr als das, kannst du nicht sagen. Sie
bewegt sich immer noch wie deine Freundin, spricht mit ihrer Stimme. Aber du
kannst das Gefühl nicht abschütteln.
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Fremd geworden
Ich höre ihn, noch bevor ich ihn sehe. Dieses rhythmische Klacken seiner Schritte
– vertraut wie ein altes Lied, das man im Traum mitsummen kann. Mein Herz
schlägt schneller, aber nicht vor Freude. Irgendetwas stimmt nicht. Ich kann es
nicht benennen, doch mein Körper weiß es längst. Dann steht er vor mir. Sein
Gesicht ist dasselbe. Und doch nicht. Die Züge sind ruhig, fast gelassen, aber
da fehlt etwas. Dieses leise Lächeln, das immer da war, selbst in den schlimmsten
Momenten – verschwunden. Seine Augen streifen über mich hinweg, als wäre ich
ein Ort, den er einmal kannte, aber nicht mehr betreten will. „Du bist gekommen“,
sage ich, weil ich nicht weiß, was sonst. Er nickt nur. Kein Lächeln. Keine Wärme.
Ein Nicken, das mehr Abstand schafft als jede Mauer. Und plötzlich friert etwas
in mir ein. Ich will ihn berühren, seine Schulter, seinen Arm – irgendetwas, das mich
daran erinnert, dass wir Freunde sind, dass das hier wirklich ist – aber ich tue es
nicht. Ich spüre, dass er es nicht zulassen würde. Er spricht. Worte, die klug sind.
Richtig. Über das, was geschehen ist, was getan werden muss. Aber sie klingen
fremd, als kämen sie nicht aus ihm, sondern durch ihn hindurch. Wie eine Stimme,
die sich seine nur geliehen hat. Ich höre zu, doch ich verstehe kaum ein Wort. Ich
warte auf ein Zeichen, auf eine Geste, auf den einen Blick, der mir zeigt: Ich bin
noch hier. Ich bin noch deiner. Aber er kommt nicht. Und als er sich abwendet,
ohne Zögern, ohne sich umzusehen, da merke ich, wie still es in mir geworden ist.
Nicht weil er fortgeht. Sondern weil etwas schon lange nicht mehr da ist.
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Gescheitert - Elementklinge VI
Der Trank riecht scharf nach Eisen und Rauch. Als der Kandidat ihn trinkt,
verzieht er kaum das Gesicht, aber ich sehe, wie sich seine Schultern verspannen.
Zu schnell. Zu früh. Er streckt die Hand nach der Klinge aus. Ein Knistern
erfüllt die Luft, grell wie ein Funke im trockenen Holz. Die Feuerfäden schnellen
hervor, rot und lebendig, und schlagen sich um seinen Arm. Einen Herzschlag
lang scheint alles zu gelingen – die Magie fließt, die Verbindung beginnt. Dann
spüre ich es: der Fluss stockt. Sein Atem wird flacher. Die Klinge zittert leicht in
seiner Hand, als würde sie sich fragen, ob er wirklich bereit ist. Die Fäden ziehen
sich nicht zurück – sie dringen tiefer. Gnadenlos. Der Glanz in seinen Augen
flackert. Er taumelt. „Halt durch!“, ruft der Ritualmeister, aber ich weiß, es ist zu
spät. Der Körper des Kandidaten beginnt zu zucken, die Hitze brennt sich unter
seine Haut. Kein Schrei – nur ein leiser Laut, erstickt von der Wucht der Magie.
Dann sackt er zusammen. Die Klinge fällt nicht. Sie glimmt leise in seiner Hand,
wie enttäuscht, aber nicht zornig. Er lebt – aber kaum. Rauch steigt von seinem
Arm auf. Die Fäden lösen sich langsam, widerwillig, wie ein Feuer, das keinen
Zunder findet. Das Ritual ist gescheitert. Und der Preis war hoch.
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Eine Flamme geht, eine Flamme kommt I
Seine Worte treffen dich härter als jeder Hammerschlag es je gekonnt hätte.
„Wir haben ihn verloren.“ kommt es dem Dunkelelf, selbst für seine Verhältnisse,
betroffen über die Lippen. Er berichtet dir davon, wie der Waffenmeister des
Feuers hinter die feindlichen Linien geriet und dass es den anderen nicht
gelungen war rechtzeitig zu ihm zu gelangen. Hier, an diesem Ort der
abgeschnitten von den Elementen war, hatte sich das Feuerwesen hinter die
Linien des Schwarzen Eises locken lassen. In den Wirren des Krieges, war er von
den anderen getrennt worden. Waffenmeister taten oft Dinge allein. Taten sie
oft unbemerkt. Waren oft irgendwo zwischen Leichtsinn und wahrer Kühnheit. Er
hatte dir befohlen im Lager zu bleiben und deine Schriften zu studieren. Er war
ohne dich, seine Schülerin, losgezogen. Und gestorben. Einfach so. Weg. Fort.
Erloschen in einer Welt, wo sein Sein nicht zu Mutter Flamme zurückkehren
konnte.
Die Verzweiflung kriecht durch dein Gedärm, arbeitet sich langsam hoch zu
deinem Herzen und beißt hinein, wie ein hungriger Wolf in frisches Fleisch. Du
wirst blind für den Rest der Welt.
Alle, die du liebst, gehen dir verloren. Alle, die dir nahe stehen, sterben. Du
schreist deinen Schmerz in den Sternenhimmel, der nichts weiter ist als ein fades
Abbild. Nichts weiter als ein Versuch die Schönheit deiner Welt zu imitieren.
Tross aus den Reihen der Waffenmeister schirmen dich auf eine Handbewegung
des Waffenmeisters Aquas ab. Er umfasst dich mit starken Händen und hält dich
fest. Er lässt dich schreien, weinen – urteilt nicht. Wirft dir deine Schwäche
dieses Momentes nicht vor. Als deine Kraft dich zu verlassen droht greift er fest
an deine Schultern.
„Es ist nun an dir. Wir trauern, wenn wir nach Hause kommen. Jetzt musst du ihn
stolz machen.“
Du weißt, dass er recht hat, aber deine Welt ist verschwommen und taub...
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Fereshta
Ungläubig starrst du auf deine Hand und das Symbol, welches darauf
erschienen ist. Vorsichtig berührst du es, als hättest du Angst es könnte wieder
verschwinden. Doch das Mal, mit dem dich die Herrin Ignis für deine Taten
belohnt wird für immer bei dir bleiben. Langsam dringt die Erkenntnis zu dir durch
und unbändige Freude erfüllt dich. Du bist nun ein Freundschaftsträger! Dein
erster Impuls ist, dass du es ihr erzählen musst, dass ihr dieses Ereignis zusammen
feiern müsst. Doch dann legt sich ein Schatten über dein Herz, der die Flammen
in deinem Herzen zum flackern bringt. Du kannst es ihr nicht sagen. Denn sie ist
nicht mehr hier. Du nimmst die Menschen um dich herum kaum wahr, die dir
gratulieren, denn dein Blick ist nach innen gerichtet, als du sie dir vorstellst. Nicht,
wie sie sterbend in deinen Armen lag, sondern wie sie früher war. Voller Feuer im
Herzen, frech und vorlaut. Du murmelst ihren Namen. Leise, so dass nur du ihn
hörst. “Fereshta”
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