Das Lied des wachsenden Bundes
Wer könnte es wagen, den Faden zu knüpfen, ohne den Schatten zu besehen?
Was wird die Hände binden, ohne den Wind nach seinem Wandel zu fragen?
Ein wahrer Bund wird nicht nur zwischen Zweien geschlossen.
Was im Frühling gesät wird, wird nicht im Frühling geerntet.
Die Herzen und Stimmen von Vielen lassen den Bund erstarken.
Hört mich, ich, die ich durch die Blätter flüstere, die zwischen den Wurzeln tanzt:
Bevor ihr euch bindet, prüft, ob der Boden euch trägt,
ob die Winde euch gnädig sind.
Lasst einen Baum Zeuge und Symbol eures Bundes sein.
Einen Baum, noch jung, nicht gebeugt von der Last der Jahre.
Einen Baum, der mit euch den Stürmen des Lebens trotzt.
Fünf Verse des Segens müsst ihr ihm zuflüstern,
auf dass seine Blätter das Echo eurer Hoffnung tragen.
Lobt den Bund zweier Seelen, preist seine Stärke, hebt ihn über den Zweifel.
Denn ein Baum, der nur Schatten hört, wächst nicht gen Himmel.
Fünf Warnungen müsst ihr ihm zuraunen,
auf dass seine Wurzeln lernen, was sie fürchten müssen.
Nennt die Steine auf dem gemeinsamen Pfad, die Stürme, die drohen,
den Zweifel, der in den Rissen der Zeit wie Unkraut wächst.
Fünf Ratschläge müsst ihr ihm anvertrauen,
auf dass sein Stamm aufrecht bleibe, wenn die Winde ihn prüfen.
Lehrt ihn Beständigkeit, lehrt ihn Demut, lehrt ihn den Wert des Wachstums.
Doch Worte allein binden nicht – lasst die Stimmen der Welt sprechen.
Fünf Zeugen müsst ihr finden, die wollen, dass ihr eins werdet..
Sie sollen aus ihren Herzen sprechen, von dem, was sie in euch sehen –
von Liebe, von Stärke, von dem, was bleiben wird, wenn der Morgentau verflogen ist.
Wenn all diese Stimmen gesprochen haben, wenn der Baum sie in sich trägt,
dann wird er Wasser brauchen – doch nicht irgendeines.
Tränen der Freude müssen seine Wurzeln benetzen,
nicht von denen, die sich binden,
sondern von denen, die das Licht in euch sehen.
Denn Freude, die nur sich selbst genügt, vergeht im Nebel.
Tränen der Hoffnung müssen ihn nähren,
von jenen, die euch betrachten und wissen, dass jeder Weg Schatten birgt.
Denn ohne Hoffnung schlägt selbst der stärkste Baum nur Wurzeln im Sand.
Und schließlich – wählt seinen Platz.
Nicht irgendwo, nicht an einem Ort, den der Zufall wählte.
Pflanzt ihn in Erde, die gut genannt wird,
Erde, die von Versprechen und beständigen Pfaden erzählt.
An Punkten der Kraft.
Dann, wenn die Nacht ihn umarmt, wenn der Mond ihn liebkost,
wartet, was der Morgen bringt, was der Nachmittag enthüllt.
Wenn er wächst, wenn er grünt, wenn er blüht – dann mag euer Bund mit ihm atmen.
Wenn er welkt, wenn sein Holz steif und leblos bleibt – dann achtet das Zeichen.
Denn die Wurzeln eines Bundes reichen tiefer, als das Auge sehen kann,
und wer sie ignoriert, wird Dornen ernten, wo er Rosen erwartete.
Doch urteilt nicht vorschnell. Urteilt nicht vorschnell.
Denn was im Frühling gesät wird, kann nicht im Frühling geerntet werden.
Wenn ihr euch in drei Tagen noch immer binden wollt,
dann sollt ihr meinen Segen haben.
Alle, die sich am dritten Tag vereinen wollen,
werden den Segen des Frühlings empfangen.
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