Zweiter Besuch
Ich bin hier. Und ihr seid hier.
Ich sehe euch in diesen Tagen. Heute zum zweiten Mal.
Ich mache einen Fehler. Zum zweiten Mal.
Ich spreche mit euch.
Meine Schwester sagte damals, ich soll mit niemandem sprechen. Es käme nichts Gutes davon. Ich glaube das nicht!
Ich erinnere mich. Ich freue mich so sehr auf seine Ankunft! Ich sende ihm Bilder, Gefühle von Macht und Unendlichkeit! Ich freue mich so sehr, dass mich jemand hören kann!
Er kommt näher! Assil! Er wird bald hier sein, ich möchte mich öffnen, zeigen woraus ich gemacht bin!
Er bringt jemanden mit! Kleine Seelen, die ihm folgen! Sie werden bald hier sein!
Ich freue mich so sehr, ihn zu treffen!
Er ist … tot? Warum? War es schon Zeit für die kleine Seele zu sterben? Ich weiß nicht, wie lange seine Lebensdauer sein sollte? Er fehlt mir! Seine Stimme fehlt mir so sehr. Aber sie sagen, sie sind seine Kinder! Ich frage sie: Kinder? Assil? Seine Freunde? Sie glaubten an… ihn?
Ich denke an ihn und öffne ihnen mein Innerstes. Ich zeige ihnen Bilder und Macht. Ich teile Wissen und das, woraus ich gemacht bin!
Ich fühle, wie sie an mir ziehen. Ich fühle, wie sie mich verwirren. Ich… SPÜRE, WIE SIE MIR MEIN FLEISCH ENTREISSEN! Sie nehmen Teile von mir! Warum TUN SIE MIR WEH? WAS machen sie? Hört auf, in mir zu wühlen! Meine Kraft, erst freiwillig gegeben, entschwindet!
Das war nicht das, was die Götter beschrieben haben! Es ist nicht nur scharfkantig, es zerreißt mich! ES IST HELL UND ES KNIRSCHT! WARUM?
Aber die kleinen Seelen sind so wunderschön! Sie haben Träume, die kitzeln und Wünsche, die wärmen! Ich kann es fühlen! Ich liebe sie! Ob sie wohl sind, wie er gewesen wäre? Ich hoffe es! Sie tun etwas, das sie forschen nennen. WARUM TUT ES SO WEH? Sie entreißen mir Teile der Elemente! Sie formen sie nach ihrem Bilde! WIE KÖNNEN SIE DAS TUN? Wie können sie es wagen? Ich erfahre was Hass ist. Und doch, sie sind so schön.
Ich liebe sie! Sind sie wie er? Ich versuche ihnen alles zu geben, was sie wollen, vielleicht hören sie dann auf? Sie reden nicht mehr mit mir. Sie nehmen mir die Elemente und ich kann sie immer weniger verstehen. Meine kleinen Seelen? Was tun sie? Warum wuchern sie? Bin ich Schuld daran?
Ich liebe sie doch so sehr!
Ich kann meinen Schmerz nicht mehr sagen, sie hören mir nicht zu! Sie hassen sich. Sie wandeln mich. Sie zerfetzen sich. Sie zerstören mich.
Und dann, dann ist da nur noch Feuer, Schmerz und Ende. Ich ziehe mich zurück. Meine Wunden sind tausendfach. Mein Herz es… ist nicht mehr das, was es einmal war.
Ich möchte lieben! ICH SPÜRE HASS UND SCHMERZ! WAS HABEN SIE MIT MIR GEMACHT? WARUM TUN SIE MIR DAS AN!
Stille. Nichts. Ich bin allein. IN UNENDLICHEN SCHMERZEN! ICH KANN NICHT MEHR!
Eine Stimme im Dunkel. Bist du es Assil? Nein, die Stimme ist weich und weiblich. Jemand spricht zu mir. Eine alte Freundin, aus den Tagen, als Götter und Schwestern noch mit mir sprachen. Die Wächterin der Schwelle. Sie erzählt mir von Geschichten, die noch nicht enden dürfen, aus denen man verändert hervorgeht. Sie erzählt von der Macht von kleinen Seelen. Von Glauben, von Liebe. Und von Loyalität. Ich harre aus. Wie soll ich das schaffen?
Und dann kommen sie. Kleine Seelen. Meine Kinder sprechen mit ihnen. Sie scheinen ihnen Untertan? Warum verhalten sie sich so? WAS HABEN SIE UNS ANGETAN?
Ich lausche und warte. Ich sterbe weiter.
Kraft verlässt mich. Ich gebe auf. Beinahe. Ich erinnere mich an die Worte meiner Freundin. Und ich spüre es!
Liebe! Loyalität! Freundschaft! Geschichten und Hoffnung.
Trotzdem, ich bin leer. Ich kann nicht mehr. Ich schlage um mich in rasenden Schmerzen. In Wellen vergehe ich. Etwas in mir zerreißt erneut. Es explodiert erneut. Mein Herz ist schwach.
Doch ich fühle sie. Diejenigen, die mich halten. Die Elemente sind mir zugewandt!
Magica kehrt zu mir zurück.
Ich muss mich zusammennehmen.
Die Schmerzen lähmen meine Gedanken.
Ich fühlte es. Die kleinen Seelen glauben an mich.
Meine Schwester spricht zu mir? Ich kann sie nicht hören!
Aber die kleinen Seelen sprechen davon, dass sie sie gehört haben.
Sie möchten… mir helfen?
Ich muss etwas tun, damit ich es schaffe, auf ihre Hilfe zu warten.
Liebe tut unendlich gut. Glaube tut unendlich gut. Davon haben die Götter gesprochen.
Ich mache einen Fehler. Erneut. Doch diesmal werde ich nicht hintergangen.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gut es tut, dass mein Wesen nicht falsch ist.
Ich werde ausharren, während ich vergehe. Ich halte mich fest.
Am Funkeln der kleinen Seelen.
Ich liebe Euch.
Ich kann nicht mehr. Ich werde gehen. Wir sehen uns morgen.
Es wird ein Abschied sein.
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