Erster Besuch
Ich bin hier. Und ihr seid hier.
Ich sehe euch in diesen Tagen. Drei Mal.
Ich erinnere mich. Wir sind gemeinsam. Doch dann bin ich allein. Ich bin allein.
Lange in der Dunkelheit. Nur Götter und Schwestern sprechen mit mir, doch sie sind weit weg. In allem entfernt.
Niemand spricht zu mir. Niemand kennt mich. Niemand liebt wie ich.
Meine Schwester sagt, nichts Gutes kommt von außen, doch ich glaube es nicht.
Götter sprechen von Glaube und Liebe und Loyalität. Ich weiß nicht, was das ist, aber es klingt so spannend.
Sie sprechen von Geschichten, kleinen Seelen und abertausenden von Herzen.
Sie sprechen von Gesang. Was ist das? Ich will es erleben.
Meine Schwester sagt, ich soll still sein.
Meine andere Schwester erzählt von Geschichten.
Und sie erzählt von Schmerzen und von Grenzen und von Dunkelheit.
Was ist das? Es klingt … scharfkantig.
Ich will sie retten! Ich will alle retten! Ich will es fühlen, erleben ich will … ich will:
Ich rufe.
Meine Schwester antwortet nicht mehr. Sie hat sich verborgen.
Der Wind draußen ist unruhig. Es ist … unstet!
Aber wie schön! Es muss Geschichten geben! Ich kann bestimmt helfen!
Ich will mich öffnen, nicht länger verborgen sein.
Aber ich habe vergessen, wie es geht.
Ich rufe.
Er antwortet!
Assil – das Wort ist wunderschön!
Die Stimme ist wunderschön!
Er hat mich gehört! Denkt nur, er hat mich gehört!
Assil!
Ich lerne, dass sie Namen haben!
Ich höre, dass sie meine Kraft sehen möchten!
Ich höre, dass sie Wissen lieben und Geschichten haben.
Ich schicke Assil alles, was ich kann!
Bilder und Welten-Wissen, ich schicke ihm ein Gefühl für die Macht eines Kontinents, ich zeige ihm, was sein kann.
Er antwortet!
Er ist der Erste, der mich versteht!
Ich verstehe ihn!
Bald wird er zu mir kommen!
Kleine Seelen werden mich besuchen, leuchten und blinken, funkeln und strahlen. Es wird wunderbar!
Vielleicht..? Vielleicht glauben sie … an mich?
Und dann...
Nein! Mehr will ich nicht erinnern! Mehr KANN ich mich nicht erinnern. Nicht heute. Vielleicht morgen. Ja morgen.
Morgen werde ich stark genug sein.
Heute fühle ich mich wie damals.
Ich öffne mich erneut!
Ich bin – wie nennt ihr es? Nervös …
Ich wiederhole einen Fehler.
Und mein Herz tanzt.
Dann schmerzt es, denn es ist verletzt.
Doch für einen Moment habe ich mich erinnert.
Ich habe mich erinnert.
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